Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 53 (31.12.1879)
- Date
- 1879-12-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447797-2447849--17052-2473060- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Herat 2× ep/1047496
OCR text
1398 „ Aus Bade», 22. Dez. Am 17. dss. fand in unserm Abgeordnetenhause — 2. Kammer — die Begründung der Anfrage des Abg. Näf und Genossen über die Stellung der Großh. Regierung zu der im Reichstage angeregten Wuchergesetzgebung statt. Hr. Näf entrollte ein schreckliches Bild von dem Ueberhandnehmen des Wuchers und citirte einige Fälle, wie sie bei einem Amtsgerichte in M. zur Verhandlung vorkamen. Der Redner sagte in seiner Ausführung, daß der Wucher überall: in der Kaserne, in den Schulen, in Beamten- und Officierskreisen seine Opfer suche. Der Abscheu des Volkes vor dem Wucher sei zu nähren und die Ueberzeugung zu stärken, daß der Wucher eine unsittliche Handlung sei; dem Rechtsbewußtsein des Volkes müsse man aufhelfen und daher Alles aufbieten, um dieses schändliche Handwerk aus der Welt zu schaffen. Aehnlich sprachen noch verschiedene Abgeordnete, ohne das Judenthum irgendwie zu verletzen. Hr. Kiefer nahm Veranlassung den Herrn Justizminister zu ersuchen, die Staatsanwaltschaft auf die maßlose Judenhetze aufmerksam zu machen, welche eine gewisse Presse gegenwärtig treibe. Ehre einem solchen wirklich freisinnigen Manne! Diejenigen Juden aber, die dieses Geschäft betrieben haben, sollten endlich einmal einsehen, daß das Nichtaufgeben dieses verwerflichen Geschäfts die bösesten Folgen für uns haben könnte. Darum hinweg mit diesem das Judenthum schädigenden, unwürdigen Handwerk! Oesierreichisch-Ungarische Monarchie. Wien, 17. Dez In Folge einer an ihn ergangenen Einladung stattete heute der Ex-Bürgermeister von Jerusalem, Emir Jussuf Zia El-Chalidi, errn Baron Albert Rothschild einen Besuch ab. aron Rothschild sprach mit seinem Gaste über die neuesten Ereignisse in Palästina und über die Lage der Bevölkerung daselbst. Der Emir erstattete unter Anderm Bericht über das Gedeihen des Rothschild'schen Hospitals und der gleichnamigen Schule in Jerusalem. Hierauf lud der Emir Baron Rothschild ein, sich an die Spitze des Unternehmens für den Bau einer Bahn Jerusalem- Jaffa zu stellen. Es ist nicht bekannt, welche Zusicherungen Baron Rothschild seinem orientalischen Gaste in dieser Richtung gemacht hat. Wie«. Wie seit dem Bestände der isr. Bewahranstalt, ermöglichte die Munificenz der Vorstandsdamen auch' in diesem Jahre die Beschenkung von nahezu 250 Kindern mit Kleidern und Spielsachen. Der am 14. d. M. vorgenommene Betheilung ging eine kurze Prüfung voraus, bei welcher die präcifen Antworten der kleinen Zöglinge, der muntere Gesang derselben und die exacte ' Ausführung der Bewegungsspiele ebenso vollgiltige Beweise für die Leistungen des Direktors Fischers und seiner Gattin lieferten, wie die aufgestellten reizenden Kinderarbeiten den wohlgegründeten Ruf des Institutes als eines Muster-Kindergartens von neuem bewährten. Unter den anwesenden Gästen bemerkten wir denk. k. Landes-Schulinspector von Prausck und den kaiserlichen Rath von Manussi. Afghanistan. Wie aus Teheran gemeldet wird, haben die Rebellen in Herat gleich nachdem sie ihre Stadt für unabhängig von Afghanistan erklärt und Schir Ali's Sohn, Achmed Cyub Khan, zu ihrem Könige ausgerufen hatten, au die dortige Judengemeinde die Aufforderung erlassen , dreihundert Arbeiter beizustellen, welche bei der Befestigung der Stadt mithelfen sollen und eine Kriegsconiribution von 2000 Tomans (etwa 10,000 fl. Oe. W.) zu entrichten. Biele Juden in Harat, die wie alle Juden Afghanistans und Persiens sehr arm sind, mußten ihre Häuser, Felder und Kostbarkeiten verkaufen, um diese Summe aufbringen zu können. Manche von ihnen, die sich deßhalb nach Persien flüchten wollten, wurden an der Grenze angehalten und ins Gefängniß geworfen. In Herat existirt noch heute wie in vielen anderen Städten Afghanistans und Persiens ein eigenes Judendiertel mit Thoren, die stets nach Sonnenuntergang geschlossen werden müssen und erst nach Sonnenaufgang wieder geöffnet werden. Feuilleton. Kaöbi Iosetmann von Kosheim. Eine historische Erzählung. (Zweites Buch.) XXII. „Im Jahre 5292 (1532)," erzählt Rabbi Joftlmann in seinem Tagebuche, „war ich wiederum geuölhigt, mich zum Kaiser, seine Majestät werde erhöht, zu begeben, der sich auf dem Reichstage