Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1879)
- Date
- 1879-12-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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/ 4376 seinem Fleisch zu vollziehen. Ganz allein, ohne fremde Beihilfe, nahm er, wie einst Abraham, die Beschneidung an sich vor und wäre beinahe der Operation erlegen; aber wunderbar schnell genas er. Nun nahm er den Namen Salomon Molcho an, und ging, da David Rsubeni seinen Uebertritt zum Judenthum mißbilligte, nach dem Orient. Hier hatte er Visionen, aus denen er herausdeutete, daß er der Vorläufer des Messias werden und den Märtyrertod zur Heiligung des göttlichen Namens erdulden werde. Wunderbar ist, in welch' unglaublich kurzer Zeit sich der Jüngling die umfassendsten Kenntnisse in Bibel, im Talmud und in der Kabalah erworben. Nun predigte er, wohin er kam, öffentlich von der baldigen Erlösung, bekannte ohne Scheu, daß er vom Chriftenthume abgesallen sei, weil nur das Judenthum die Wahrheit, und ermahnte zur Buße, Thorostudium und guten Thaten. Rabbi Joselmann bezeugt in seinem Tagebuche von ihm: „Werabbim heschiw meowaun"' und Viele brachte er ab von Sünde. Im Jahre 1529 begab er sich nach Rom; als er die ewige Stadt erblickte, die Zestörerin Jerusalems, die Hauptstadt der christlichen Welt, ward er tief traurig und betete inbrünstig zu Gott. Da vernahm er eine Stimme, welche ihm zurief: ,,Edo,n (Rom) wird Israels Eigenthum werden, sein Fuß wird wanken, Israel aber wird Sieg erringen." Im Gewände eines Bettlers weilte er dreißig Tage in Rom, aß kein Fleisch und trank keinen Wein. Dann hatte er einen merkwürdigen Traum, um so merkwürdiger. da derselbe buchstäblich in Erfüllung ging. Es wurde ihm nämlich im Traume verkündet, daß über Rom eine große Überschwemmung kommen, und daß in Lissabon, seiner Vaterstadt, ein furchtbares Erdbeben schreckliche Verwüstungen herbeiführen würde. Molcho verfehlte nicht, diese Verkündigungen sowohl dem Pabste als auch dem Könige von Portugal, sowie aller Welt, witzutheilen. Und siehe da, am 8. Oktober 4530, schwoll der Tiberstrom derart an, daß Rom einem reißenden See glich, und wenige Wochen nachher, 26. Januar 1531 verheerte ein schreckliches Erdbeben die Stadt Lissabon, wo viele Häuser verschüttet und viele Menschen unter den Trümmern begraben wurden. Daß von da an Rabbi Salomon Molcho von Juden und Nichtjuden als ein gottbegnadener Prophet angesehen wurde, bedarf wohl kaum der Erwähnung. Man verehrte ihn allgemein, und auch seine übrigen Verheißungen fanden überall Glauben. Doch gab es auch unter den JuL besonnene Männer, die von seinem Auftreten E fahr und Unheil befürchteten. Au diesen best neuen Männern gehörte auch Rabbi Joselmcv der befürchtete. daß der mit so großen Müh und vielen Opfern errungener Schutz des Kaifl durch das Auftreten Molcho's gefährdet würde. Während jedoch Rabbi Joselmann, zwar Angst und Furchst, aber weit davon enfernt, aeg Molcho etwas zu unternehmen, ruhig der Ei Wickelung der Dinge harrte, gab es in Jtali jüdische Männer, die da vermeinten, thätig ge« den Mann Vorgehen zu müssen, der nur zu geeigi war, den Fanatismus der Völker aufzuregl Während Molcho nach der Fluth gleich ein Propheten verehrt und vom Pabst Clemens v Ehrenbezeugungen überhäuft wurde, kam ein Namens Jakob Mantin. eigens nach Rom, i gegen den Vorlauter des Messias zu agitiren. I benuncittc den ehemaligen Marannen beim Jnqi sitions-Tribunal, das ihn zum Feuertode t>en ibeilte. Der Pabst konnte ihn nicht schützen. 6 Scheiterhaufen wurde hergerichtet und der V dämmte in die Flammen geworfen. Da gesä etwas Wunderbares. Als die Richter und Zeua in das Gemach des Pabstes traten, um dem 2 Herrscher der Kirche den Tod des ehemaligen W rannen anzuzeigeu, fanden sie diesen in den Zi mern des Pabstes. Der Pabst hatte statt stu Schützlings einen zum Tode verurtheilten B brecher aus dem Gefängnisse holen und in! Flammen schleud-rn lassen. Salomon Molcho a': verließ heimlich Rom, unter dem Schutze päbstlic! Reiter, die ihm bis Bologna das Geleit gaben Es braucht wohl nicht erst gesagt zu werd daß durch diese Vorgänge Molcho's Ruhm - das Höchste stieg. Die wundersüchtige Mer zweifelte nicht einen Augenblick daran, daß l von Gott Erkorene den Flammen unversehrt ei stiegen sei, die keine Gewalt über ihn gehabt, t ja auch über Abraham nicht, und nicht über C! nanja, Mischael und Asarjah. Salomon Molcho und David Röubeni hieli es nunmehr an der Zeit, sich zu Kaiser Carl zu begeben, der sich damals, im Jahre 1532. Regensburg beim Reichstage befand; sie gedachl den mächtigsten Herrscher der Welt für ihre W zu gewinnen. (Forts, tzuug folgt. | Hierzu drei Beilagen« Verantwortliche Redactun: vr. Lehmann in Mainz. — Berlag und Expedition des .Israelit" große Bleiche 45. Z. Gott 6 leben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger). 4 8« Be Or od< mii bei Or pfi' der Zu sos ihr zu mit ni abe soll sch, Go bot seit wo! brü ist gar hat Nc O, ni, eir Uni Fri