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Der Israelit · 1879-12-24 · Heft 52 (24.12.1879) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 52 (24.12.1879)
Date
1879-12-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1375 systematische Verhetzung am Ende nicht ganz ohne Früchte bleiben wird, davon jwird sich der überzeugt haben, der gestern die Aeußerungen eines gebildeten Publikums mitanhörte, mit denen es die Eindrücke der Rede bei der Räumung des Lokales austauschte. Feuilleton. Kabbi Joselmann von Kosheim. Eine historische Erzählung. (Zweites Buch.) XX Um die nun folgenden Ereignisse zu verstehen, müssen wir uns im Geiste in die Zeit versetzen , in welcher unsre Geschichte ihren Verlauf nimmt. ES war eine Zeit der höchsten Aufregungen, der gewaltigsten Umwälzungen, der merkwürdigsten Abenteuer. Vierzig Jahre zuvor war ein neuer Welttheil entdeckt worden, bald nachher der Seeweg nach Ostindien. Diese großen Entdeckungen fingen erst setzt an, ihre Wirkungen auf die alte Welt zu äußern. Ferdinand Cortez hatte mit geringer Mannschaft Mexiko erobert, ein Reich, größer, reicher und bevölkerter als Spanien, Deutschland oder Frankreich. Jetzt erfüllten die wunderbaren Abenteuer des Franzisko Pizarro, des Eroberers von Peru und Chile, die Welt. Noch von größerer Wirkung auf die Geister war die Reformation; ein einfacher Augustiner- Mönch hatte dem Papste, dem Beherrscher der Kirche, den Krieg erklärt. Die hervorragendsten Geister des Jahrhunderts wurden von der Bewegung ergriffen, dre aller Orten, in den Palästen der Fürsten, in den Hütten der Bauern, in den Rathsstuben der Städte, in den Convicten der Klöster, an Schulen und Universitäten hervorbrach. Im Verlaufe von 13 Jahren hatte die Reformation eine gewaltige Ausdehnung gewonnen, in Deutschland, in der Schweiz, in Dänemark, in Schweden, und Norwegen, in England und Schottland, selbst in den Niederlanden trotz aller Ketzerverbrennungen; auch in Frankreich und Italien machten sich vereinzelte Regungen geltend. Dazu kam noch, daß des Kaisers Heere Rom, die ewige Stadt, erobert und geplündert hatten. Die Welt schien aus den Fugen gehen zu wollen. Aufregender aber als alles bereits Geschilderte wirkte die von den Türken drohende Gefahr. Soliman, der wilde Solimann, zog herbei, mordend, sengend, brennend, um den Halbmond aufzupflanzen und das Kreuz zu verdrängen. Daß auch die Juden von der allgemeinen Bewegung und Erregung mächtig ergriffen wurden, ist selbstverständlich. Vor dem Eintritte der messianischen Zeit wird ja alles Feststehende wankend werden und theilweise in Trümmer gehen. Was Wunder, daß viele Israeliten mit Bestimmtheit die Ankunft des Messias erwarteten und demjenigen Glauben schenkten, der sich als ein Vorläufer des Messias anküudigte? Unter den Geheimschreibern des Königs von Portugal befand sich ein edler schöner Jüngling, Diogo Pires mit Namen. Er war der Sohn eines Marannen, das heistt eines gewaltsam getauften Juden, der zum Scheine das Christenthum angenommen hatte. Diogo war als Christ geboren, im Christenthum erzogen und in den Dienst des Königs getreten. Da kam ein fremder Jude nach Portugal, der auf den feurigen Jüngling einen solchen Eindruck machte, daß er selbst die Beschneidung an sich vornahm und sich öffentlich zum Judenthum bekannte. Dieser fremde Jude war David Reubeni. David Reubeni gab vor, von Chabor zu kommen, wohin einst Schalmanassar, der König von Assyrien, die 10 Stämme Israels verlieben habe, die heute frei und selbstständig im fernen Osten, zahlreich wie Sand am Meere, unter eigenen Königen lebten; er selbst behauptete, er sei der Sohn eines Königs und sein älterer Bruder herrsche als König, er sei gekommen, die Israeliten des Westens zu sammeln und sie ihren Brüdern im ferneren Osten zuzuführen; dann würden sie nach Palästina ziehen und das Land der Väter wieder' erobern. David Röubeni, klein und mager, war von schwärzlicher Hautfarbe und etwa 45 Jahre alt; er war sehr fromm und fastete von Sabbat zu Sabbat. Da man ihm das nicht glauben wollte, so bestellte man Wächter, die ihn Tag und Nacht, die ganze Woche hindurch nicht verließen. Rabbi Jehudah de Balneis gehörte zu diesen Wächtern; derselbe hat bezeugt, daß David sechs Tage und sechs Nächte weder Speise noch Trank zu sich genommen. David Räubeni kam nach Portugal und wurde vom Könige Johann III. in feierlicher Audienz sehr freundlich empfangen. Dieser gab ihm Empfehlungsbriefe an Papst Clemens VII. — Auf die Marannen in Portugal wirkte die Anwesenheit des fremden, jüdischen Prinzen wahrhaft berauschend; aber auf Niemanden so wie auf Diogo Pires. Er hatte nächtliche Visionen und vernahm Stimmen, die ihm befahlen. das jüdische Bundeszeichen an

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