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Der Israelit · 1879-12-17 · Heft 51 (17.12.1879) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 51 (17.12.1879)
Date
1879-12-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1355 nur um die gesetzliche Gleichberechtigung der Bekenntnisse. Der sogenannte christliche Sockalismus hat in unserem Lande keinen Boden. Das Amendement Keller wird verworfen und der Antrag Maigne mit 329 gegen 96 Stimmen angenommen. Feuilleton. Der neue Hberamtmann. Erzählung aus dem dritten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts von S. Kohn, Nerfasser von „Gabriel". (Fortsetzung und Schluß.) „Du hast recht, ganz recht, lieber Bruder!" entgegnete Hanna mit hervorbrechenden Thränen — „ich weiß das — aber trotzdem hat der unendliche, unergründliche Gott, gelobt sei er, in seinem unerforschlichen Rathschlusse, doch schon tausende edler würdiger Menschen, tobten, in die Verbannung, ins Elend treiben und unglücklich werden lassen! .... „Vater! wir müssen in's Schloß!" Hanna mußte tief aufathmend inne halten, „gehen wir!" „Versteht sich!" rief der Vater nach Hut und Rock greifend. „Ihr werdet mich dock nicht allein zu Hause lassen!" schrie M.oscheh auf, „ich gehe mit Euch!" „O! nein, nein. — heute nicht!" erwiderte Hanna, „Du Armer kannst ja nicht so schnell laufen, als wir es müssen!" „Ich werde Euch nicht aufhalten, ich werde des Vaters Rockschoß fassen und flink mit Euch vorwärtsschreiren — thut mir das nicht an, mich allein zu Hause zu lassen, die Ängstg um Jakob, meinem besten, liebsten Freunde, würde mich verzehren, mich qualvoll tobten!" und Mosche weinte heiße bittere Thränen, wie ein kleines Kind, — es war eine furchtbare, aufregende Scene; — aber in dem Momente wurde die Thüre aufgerissen — und Jakob Leipnik trat, mit von Glück erhellten Zügen, mit leuchtenden Augen und lachendem Munde ins Zimmer. „Ich bin der Bringer froher, glücklicher Botschaft," rief er, „wir dürfen aus voller Seele die Brocho *) sprechen: „Boruch hatow Wehametiw!"2) Gott hat uns unverdiente Huld bewiesen — Mosche hatte gestern recht gehabt, wenn Gott will, kann er in einem Augenblicke glücklich machen — er hat uns einen rettenden Engel gesandt. Ich bin auf meinem Wege einem Manne begegnet, den ich nach Brauschitz zurücksührcn sollte — Gott ließ mich Gnade in seinen Augen finden — er frug mich nach meinen Verhältnissen, ich schilderte ihm das bittere Elend, die Hoffnungslosigkeit, die mich nd Euch bedrückte — der Mann ist — der Kaiser Joses! der gütige, mächtige, gerechte Monarch — Hanna wir können heirathen — der Kaiser hat uns die Erlaubniß dazu gegeben!" Versucht es, Ihr lieben Leser, Euch den Wonnejubel auszumalen, der in diesem Kreise herrschte; doch verlanget nicht, daß ich ihn schildere! „Ja!" schrie Weritsch völlig betäubt, „es hatte sich ja in der Gaß3) das Gerücht verbreitet, es hätten sich zwei Verbrecher in's Schloß geschlichen und diese sollten festgenommen werden .wie war's denn damit?" „Unser scharfblickender Baron und sein neuer Oberamtmann" erklärte Leipnik lachend, während noch die Thränen der Rührung über seine Wangen rollten, „haben des Kaisers römische Majestät und seinen Begleiter — Graf Rosenberg — für zwei Eczspitzbuben gehalten!" Schluß. Der weise Kaiser Josef, damals in Oesterreich, nur Mitregent seiner Mutter Maria Theresia, hatte recht gehabt, die östreichischen Amtskanzleien arbeiteten etwas schneckenhaft. Der Kaiser hatte dem zweitgebocenen Sohn des Brauschitzer Familianken Koppel Sohn des Chajim, zubenannt Leipnik. eine nevgeschasfene jüdische Familie verliehen und die größte Beschleunigung empfohlen, aber es hatte doch nicht weniger als voller sieben Monate bedurft, bis Jakob das betreffende Decret erhielt. Die hohe Hofkanzlei hatte dies dem mährisch-schlesischen Landesgubernium notificirt; dieses hatte es dem Kreisamte intimirt, und dieses hatte dem Oberamte decretirt, den Erlaß dem Ueberglücklichen zuzustellen. Die Hochzeit wurde mit großem Jubel und unter warmer Theilnahme der gesammten mährischen Judenschaft in Nikolsburg, wo sich Leipnik lj Benection, cegcusfpuidj. Getobt seist Tu Altgniiger, OTiabenipcuber! — ein Tegenssprucb der bei dem (ruipmngcu einer guten '.'i ach riebt gesprochen wird. 3) Judengasse.

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