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Der Israelit · 1879-12-17 · Heft 51 (17.12.1879) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 51 (17.12.1879)
Date
1879-12-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1354 höhere Lehranstalt. Beide Lehranstalten hatten aber nicht diejenigen Einrichtungen, welche ihnen staatliche Anerkennung möglich machten, diese Anstalten konnten daher nicht dem Bedürfnisse einer heute mehr als zwanzigtausend Seelen zählenden Stadtgemeinde genügen, man war also gezwungen, auf eine zeitgemäße Aenderung oder auf Vereinigung zu sinnen. Dem Petenten war das Glück beschieden, für eine neue, oder wenn man sagen Will, vereinigte Anstalt die Initiative zu ergreifen, indem er. unter eigener Betheiligung in erster Reihe, Geldzeichnungen sammelte, dieselben der städtischen Behörde vorlegte und dadurch für die jetzt bestehende Anstalt den Anstoß gab. Der Gedanke fand Anktang. nur versprach man sich von den freiwilligen Gaben nicht den ausgiebigsten Erfolg, nachdem bei potenten Stellen vergeblich angeklvpft worden war; der Gemeindejäckel mußte deshalb für das immer mehr anerkannte Bedürfniß einer anerkannten höheren Schule herhalten. Die darum befragte städtische Vertretung ging auf den Gedanken ein und beschloß eine solche Anstalt zu gründen. Nachdem die Pläne festgestellt waren, hatte sich die Siadtvertretung mit dem Statut der neuen Anstalt zu befassen. Nun kam der confessionelle Hader zum Vorschein, bemerkenswerthe Ausgeburten der Intoleranz begegneten sich; die Capacität der Lehrer vergaß man ob ihrer Confession. Höherer Einwirkung, vielleicht auch den Zeitungsartikeln, die höheren Orts zur Kenntniß gebracht wurden, gelang es, die heute bestehende Fassung des Art. 6 des Statuts durchzusetzen, aber der Gleichberechtigung der Juden im Curatorium konnte bei den hiesigen confessionellen Verhältnissen noch keine Bahn gebrochen werden, obgleich hohe und höchste Behörden um Verwirklichung der verfassungsmäßigen und landesgesetzlichen Bestimmungen angerufen ' wurden. Der endliche Entscheid beließ dem Art. 2 des Statuts die Fassung, daß von den 9 wechselnden Mitgliedern des Curatoriums „6 der katholischen, 3 der evangelischen Confession angehören müssen." Man hätte das Odium der Animosität von sich abwenden können, wenn man die Klugheit zu Rathe gezogen hätte; ein kleiner redactioneller Kunstgriff würde genügt haben. Wenn es geheißen hätte, „von den 9 wechselnden Mitgliedern des Curatoriums dürfen höchstens 6 der katholischen, 3 der evangelischen Confession angehören", dann wäre der nöthige Spielraum gewonnen gewesen, um den hiesigen Juden die Behauptung abzuschneiden, i „sie seien Preußen, beziehungsweise Deutsche! „zweiter Classe geworden". | Die zu allen Lasten herangezogenen Juden , wollen aber nicht förmlich ausgeschlossen sein, wenn I sie auch einsehen, daß bei der heutigen Zusammen- | setzung der hiesigen, städtischen Vertretung die j Wahl eines Juden als Mitcurator eine Unmöglichkeit sein dürfte, da unter den beiden, durch Mittel oder Kopfzahl herrschenden Confessionen in einer Weise um Stimmen gefeilscht worden ist, die selbst dem rafsinirtesten Handelsvolke zum Ueberdruß werden könnte. Die hiesigen Juden haben sich überdies zu beklagen, daß sie zur Besoldung eines katholischen und eines evangelischen Religionslehrers an der Realschule durch das Schulgeld sowohl als durch Gemeinde-Beischläge beitragspflichtig sind, nachdem: 1. der früher hier bestandenen jüdischen Schule die städtische Beisteuer entzogen worden und 2. die hiesige „jüdische" Schule aufgehoben wor en ist. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Wien. Der dahier weilende Bürgermeister von Jerusalem beschäftigt sich damit, daß der Eisenbahnbau von Jaffa nach Jerusalem schleunigst ausgeführt werde. General La Motte, der bereits die Concession zum Bau dieser Bahn erhalten, mit der Ausführung desselben aber immer noch zögert, wurde auf Veranlassung des Bürgermeisters benachrichtigt, daß wenn bis Ende Januar der Bau nicht begonnen wird, ihm die Concession entzogen werden würde. (W. Jsr.) Frankreich. Paris, 2. Dec. (Abgeordnetenhaus. Sitzung vom 1. Dec.) Maigne, Berichterstatter über seine eigene Vorlage, die Aushebung des die Sonntagsarbeit verbietenden Gesetzes betreffend, entgegnet dem klerikalen Vorredner: Der für die Gesundheit und Moral förderliche Einfluß der Sonntagsrohe wird von Niemand und am Allerwenigsten von den Republikanern bestritten, die ja immer den Arbeitern das lebhafteste Interesse bezeigt und sie auch in den Besitz des allgemeinen Stimmrechts gesetzt haben. Nur soll es Jedermann freistehen, am Sonntag zu arbeiten, wenn ihm das sonst gut dünkt. Mit welchem Recht würden wir den Israeliten die Sonn- und den Protestanten die Feiertage aufzwingen, die sie nicht anerkennen? Würden die Katholiken es sich gefallen lassen, wenn die Muselmänner verlangten, daß der Freitag ein allgemeiner Ruhetag sei? In Wahrheit handelt es sich also hier wiederum

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