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Der Israelit · 1879-12-17 · Heft 51 (17.12.1879) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 51 (17.12.1879)
Date
1879-12-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1356 niederließ, abgehalten, und der Landrabbiner, Rabbi Gerion Pullitz, selbst, nahm die Trauung vor. Jakob Leipnik fand nun von allen Seiten Freunde und Gönner, die ihn in seinem Geschäfte mit Rath und That unterstützten und schon als ihm ein Jahr nach seiner Hochzeit ein Sohn geboren wurde, den er in dankbarer Erinnerung an den Kaiser — Josef nannte, war er ein wohlhabender Mann und gelangte nach und nach durch Gottes Hilfe zu großem Reichthum. Veit Weritsch erlebte noch hohe Freuden; nicht nur, daß er sich durch das Glück seiner Tochter verjüngte, wurde ihm noch eine vollkommen unerwartete Freude. Leipnik hatte bei einer Geschäftsreise in Wien einen berühmten Augenarzt nennen hören, der in verschiedenen Fällen, bei veralteten Hebeln durch eine neuartige Operation völlige Heilung der Blindheit erzielt hatte. Er fuhr mit seinem Schwager Mosche nach Wien und die Operation gelang, allerdings nur auf einem Auge, aber Mosche wurde sehend, er hatte ein Glück erreicht, das er sich nie erträumt hatte, und da er ein mährischer Famitiant war und ihm sein reicher Schwager Leipnik eine anständige Summe zum Geschenke machte, so fand sich auch bald eine wohlhabende Wittwe, die ihn zu ihrem Gatten wählte. Als Kaiser Josef auch bei den Juden die tzonscription einführte, und diese sich Familiennamen beilegen mußten, änderteLeipnik seinenNamen. Seine Kinder und Kindeskinder verließen ihr Geburtsland Mähren und zogen nach Ungarn und später nach dem Jahre 1848 nach Wien. Was die andern Personen unserer Erzählung betrifft, so hatte Theodor von Vollwitz es schon nach einem Jahre zum Major gebracht, und war dann der glückliche Gatte der Baronesse Pellwald geworden. Auf Baron Pellwald war die für ihn denkwürdige Zusammenkunft nicht ganz ohne veredelnde Einwirkung geblieben. Die imponirende Seelengröße des weisen Monarchen, der mildes Wohlwollen mit bewußtvoller Energie vereinigte, hatte seine alten verrosteten Anschauungen doch erschüttert , er behandelte von da ab seine Unterthanen doch ntwas menschenwürdiger, seine Beamten etwas höflicher und es ward ihm das um so leichter als er eigentlich von Natur aus ein guter Mensch war, und nur durch langjährig fortgepflanzte Vorurtheilo seine Vernunft, wie von giftigen Dünsten umnebelt worden war. Auch Oberamtmann Graf, der nach seinem kriecherischen Benehmen ein nichtswürdiger Lump zu werden versprach, hatte dieser schlimmen Erwartung nicht ganz entsprochen. Ohne Zweifel machte die Versicherung des Kaisers, daß er ihn von den Oberbehörden beobachten und sich über ihn Bericht erstatten lassen werde, wesentlich dazu beigetragen; — aber er war mit Stockschlägen gegen die Bauern nicht munificenter, als viele andern seiner Collegen; so daß man ihn unter den herrschaftlichen Amtleuten jener Zeit, die zumeist Bauernschinder waren, schon in die Kategorie der Bessern, als zum Mittelschlage gehörig betrachten konnte. Der Erzieher Rosenberg, den wir unfern geehrten Lesern allerdings nur flüchtig vorführten, konnte nicht lange mit Ehren-Berthold auskommen. Nachdem dieser wackere Junge das schöne Experiment mit vielem Glücke und günstigem Erfolge wiederholt hatte, seinem Erzieher diverse Säugethiere, als: Mäuse, junge Katzen, einmal sogar einen jungen Fuchs ins Bett zu practiciren, erklärte Rosenberg die Erziehung des „jungen gnädigen Herrn" als ein Sisiphusarbeit, der er, und wohl auch kein Anderer gewachsen wäre; und wurde namentlich von dem Barone höchst ungnädig mit einigen hämischen Bemerkungen über seine schlechte Methode entlassen, da es sich bei einer Prüfung, die der durchreisende Bischof, ein Cousin des Barons, mit dem jungen Herrn vornahm in lichtvollster Weise herausstellte, daß dieser, trotzdem er schon ein volles halbes Jahr im Latein Unterricht erhielt, doch noch nicht m6H8a decliniren konnte, ein Umstand, der aber in erster Linie der Faulheit und Nichtsnutzigkeit des Schülers zuzuschreiben war. Berthold Pellwald brachte es in der Tbat auch nicht weit in der Wissenschaft; er trat, sich die Genehmigung seiner Eltern hierzu erzwingend, als Cadet in ein Reiterregiment nnd fiel in einer unglücklichen Schlacht gegen die Türken , von Niemandem als von seinen Eltern bedauert. In Folge dessen fiel nach dem Ableben des Barons die ausgedehnte Herrschaft Brauschitz der Anna von Bollwitz zu. Kaiser Josef gehört der Weltgeschichte an, und Jedermann weiß es, daß^er, so lange seine Mutter, die Kaiserin Maria Theresia, lebte, nicht jene gewaltige Menschenveredlung bezweckende Reformen vornehmen konnte, deren Oestreich, ja die ganze Menschheit so dringend bedurfte. Als er 1780 zur Alleinregierung gelangte, wollte er rasch seine Riesenpläne realisiren. Er führte eine neue Prsceßordnung ein, schaffte die Todesstrafe ab, hob die Leibeigenschaft und eine große Zahl von Klöstern auf, beschränkte das Lehensrecht und gab ein Toleranzedict. Von den Schätzen der aufgehobenen Klöster ließ er Schulen, Kranken- und Arbeitshäuser, Seminarien für Priester und Schullehrer errichten, aber sein flammender Riesengeist war seiner Zeit zu rasch, zu weit vorge-

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