Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1879)
- Date
- 1879-12-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1352 f U „Was ich gesagt habe, Majestät, ist mir von meinen Freunden in Deutschland berichtet worden. Der König von Frankreich braucht 400,000 Goldkronen, die er in Deutschland und den Niederlanden aufnehmen und mit 30 Prvcent verzinsen wird. Kaspar Tuzzi in Antwerpen ist der Unternehmer; mit ihm steht Hieronymus Seiler, der Schwiegersohn des Bartholomäus Welser, in Verbindung." " Der Kaiser stampfte mit den Füßen. „Unerhört", rief er, „kaum glaublich." Er zog an einer Glockenschnur. „Granvella soll kommen!" rief er dem eintretenden Diener entgegen. Der Kaiser lief in höchster Aufregung im Zimmer auf und ab, bis der Kanzler hereintrat. „Nicolas!" rief der Kaiser, „laß Dir doch von dcm Juden da dessen merkwürdige Neuigkeiten mittheilen!" Rabbi Joselmann wiederholte, was er dem Kaiser berichtet hatte. „Majestät", sagte der Kanzler, „ich bezweifle die Nachrichten des Herrn Befehlshabers der Juden nicht einen Augenblick; auch mir sind schon dunkle Gerüchte davon zu Ohren gekommen. Was mir aber als die Bestätigung dieser Gerüchte erscheint und die Nachrichten des Herrn Josclin fast zur Gewißheit stempelt, ist, daß der von Eurer Majestät mit der Negociirung eines Anlehens an der Börse von Antwerpen betraute Herr Haller von Hallerstein nur 4000 Gulden har auftreiben können!" „Da schlage das Wetter darein!" rief der Kaiser. „Granvella, ich gebe Dir Vollmacht, die Practiken dieser gottvergessen-n Wucherer ans Tageslicht zu ziehen in jeder Weise, wie es Dir gut scheint!' Granvella verneigte sich und ging. „Joselin", sagte der Kaiser, „ich danke Dir für die wichtigen Nachrichten, die Du mir gebracht. Ziehe in Flieden nach Hause; Deinen Brüdern soll kein Haar gekrümmt werden; ich, der Kaiser, werde sie gegen alle Angriffe schützen!" Bei diesen Worten reichte er dem Juden die Hand, die dieser an seine Lippen zog. Granvella zögerte nicht, den „Practiken" der „gottvergessenen Wucherer" auf die Spur zu kommen. In damals üblicher Weise ließ er die Posten, die an einem Börsentage von Antwerpen ausgingen, niederwerfen und ihre Briefe untersuchen. Da fand sich denn die Bescheerung. Kaspar Tuzzi, Hieronymus Seiler und Alexi- Grinnel waren die Negocianten einer französischen Anleihe. „Da fiel man", schreibt ein damaliger Chronlst, ,,in di; Häuser dieser Kaufmänner, trieb sie, ihre Weiber und ihre Kinder, ihre Diener und ihr Hausgesinde heraus auf die Straße, besetzte die Häuser, nahm Bücher, Briefe — Alles, was sich fand, zur Hand, und es ergab sich, daß jene Personen 400,000 Kronen dcm König von Frankreich zu leihen aufgebracht batten von des großen Wuchers wegen. Darüber sie der Kaiser hat eine gute Zeit gefänglich halten lassen. Darnachhat der Kaiser alles Geld, so diese drei aufgebracht, zu seinen Händen genommen." Jetzt war nun nicht allein jder hohe Zins, sondern auch das Capital verloren. Und nun werden die geehrten Leser begierig sein, zu erfahren, welche große Belohnung Rabbi Joselmann vom Kaiser für den doch jedenfalls nicht unbedeutenden Dienst, den er ihm geleistet, erhalten habe? Aber wir müssen mit den Kämmerern des Achaschwerosch antworten: Es ihm nichts dergleichen zu Theil norden. — So ist es in der Welt; wenn ein Jude noch so Großes und Wichtiges vollbringt, so, hat er nur seine Pflicht gethan, für die er keinen Dank bean'prucheu darf. Und da ist es der eine Jude, dessen gute Eigenschaften anerkannt werden. Wenn aber ein Jude eine üble That thut, so wird die ihm auf das Bcschwerendste verzeichnet, da heißt es: So sind die Juden alle. Was nun Rabbi Joselmann betrifft, so dachte er gar nicht daran, daß ihm der Kaiser Dank schuldig sei; ihm genügte das Kaiserliche Wort, daß Carl den Juden in Deutschland fortan und immerdar ein gnädiger Herr und Beschützer fein wolle. Kaum war aber Rabbi Joselmann zu Hause angelangt und hoffte jetzt für sich und seine Brüder Frieden und Ruhe auf lange Zeit, als ein neues Gewitter heraufzog, das um so bedrohlicher erschien, als es von einem Juden, und zwar von einem guten, frommen, gottbegeisterten, aber in seiner Begeisterung irregeführten Juden aussing. Das Auftreten Rabbi Salomo Molcho's erfüllte alle nüchternen Denker unter den Juden mit Angst und Schrecken. (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dt. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des „Israelit" große Bleiche 45. I. Gott sieben'- Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger). 3ei Cen Arn 80! obig über 79 dari grof wer! über für Rhe fern wer' thei in r rüst mat nich war zu 1 zu j lisch an i nom war vern wir zuv deri habt Hau und Rick ist! für fern Ann