Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1879)
- Date
- 1879-12-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1350 sagt Herr Henne, werde als selbstverständlich aufgefaßt und nur die Verehrung außerhalb Jerusalems getadelt. Zum Beweis dafür weist er in Parenthesen auf 1 Kön. Cap. 12 Vers 25—31 hin. Dort aber wird einfach das Fact ohne jede Beifügung einer Beurtheilung erzählt, während einige Cap. später, (und zwar XV. Cap. V. 26) der schärfste Tadel über den abtrünnigen König ausgesprochen wird. Elia soll Gott Menschenopfer dargebracht haben (!) und erscheint Herrn H. überhaupt viel zu grob (als ob man Baalspriester mit ausgesuchter Höflichkeit behandeln sollte!), Jsreal hält das im I. Buch der Könige HI, 27 erzählte von Moab dargebrachte Menschenopfer für mächtig Wirkend (!) u. s. w. — kurz diese Verdrehung der Thatsachen, diese falsche Wiedergabe des in der Bibel Erzählten, diese absichtliche Verschlossenheit gegen die Schönheiten des Buchs der Bücher herrscht in der ganzen von Herrn Henne beliebten Kritik Wir wollen jetzt dem fünften Abschnitts des Heftes einige Worte widmen, der von "der hebräischen Religion" handelt. Die Juden zcrsielen danach in 2 Parteien, von denen die eine auf die alleinige Verehrung des Nationalgottes (— soll heißen des Einzigen —) bestand, während die andere frsmde Gottesbilder auszunehmen bereit war. Damit soll bewiesen sein, daß die Idee eines einzigen, geistigen Gottes von den Hebräern nicht festgehalten wurde. Auch soll Israel den Monotheismus nicht verbreitet haben. Dem gegenüber ist zu bemerken, daß die Verehrung des einzigen Gottes die herrschende Staatsreligion war, und wenn Einzelne sich abwandten, oder wenn zeitweilen das Volk von den Machthabern verleitet ward zum Götzendienst, so kann man solche Verirrungen unmöglich zu einem allgemeinen Lehrsatz zusammenfassen, daß „Israel die hohe Auffassung vom reinem Monotheismus nicht gehabt, sondern daß derselbe erst später durch Amos und Josija neu geschaffen sei". In den 5 Büchern Moses tritt die edle Anschauung von Gottes Einheit klar zu Tage, dort ist es deutlich ausgesprochen: „Höre Israel, der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einzig" und ferner „Ihr habt keinerlei Gestatt gesehen als Gott aus dem Feuer auf 'Sinai mit euch redete". Und wenn Herr Henne die Autorität der Bibel leugnet, was hat er gegen die ersten der 10 Gebote, deren Authencität er ja anerkannt, einzuwenden; die ebenfalls Gottes Einheit, seine Geistigkeit und das Verbot, ihn bildlich darzustellen predigen. Uud solche klare Ausdrücke sollte das Volk unfähig gewesen sein zu verstehen!!? Und von wem sonst ist der Monotheismus verbreitet worden, wenn nicht von den Juden? Unsere Voreltern haben allerdings nicht mit den Waffen in der Hand ihren Glauben verbreitet, Niemandem haben sie ihn gewaltsam aufgedrängt, aber dennoch hat sein Gruudprincip — die Idee von dem Einzig - Einen —, den Polytheismus verdrängt. Wir fürchten unsere geehrten Leser zu ermüden, sonst könnten wir aus dem Wust des Falschen, des von Herrn H. Mißverstandenen, der fabelhaft-kühnen Combinationen noch manches Ergötzliche anführen. Wir könnten davon sprechen, daß — alles nach Herrn Henne - Am - Rhyn die Bibel von der Anbetung der Höhen als einer „specifisch - jüdischen Einrichtung" spricht, daß die Auffassung als ob Gott die Opfer verspeiste auch noch bei den heutigen Juden vorkommt, daß wir „die Thora als Gott behandelten und sie so anredeten" rc. Zum Schluß wollen wir noch auf die Consequenz des Herrn Verfassers aufmerksam machen. Seite 72 der vorliegenden Brochüre heißt es wörilich: „Dieser sonderbare Gebrauch (die Be- „schneidung).ist schwerlich ein Ersatz „des Menschenopfers, wie Manche behaupteten". — Wer sind nun diese Manche, gegen die Herr Henne polrmisirt?? „Denkunfähige Menge!" höre es und staune, der Herr Culturhistoriker spricht gegen sich selb st, widerlegt seine eignen Lehrsätze. In der 1869 erschienenen „Culturgeschichte im Lichte des Fortschritts" von Otto Henne - Am- Rhyn heißt es S. 76 wörtlich: „Und zum Ersatz für die Menschenopfer, „auf die er verzichtet, verlangt er (nämlich „Gott).die Beschneidung aller „männlichen Kinder." Eine jede Bemerkung hierzu unsererseits ist überflüssig, eigenthümlich nimmt es sich nur aus, wenn der Herr, dem das kleine Malheur passirh gegen sich selbst zu plaidiren und seine eigne, als wahr aufgestellte Hypothese zu bekämpfen, daß ein solcher Herr, sagen wir, über die Jnconsequenz der Bibel sich beklagt. „Der Geist, der stets verneint, der ist doch noch erträglich, „Doch stets verneinen ohne Geist — wie kläglich!". H. Bl.i. I F«uillet»r». Kabbi Aoselmann von Kosheim. Eine historische Erzählung. (Zweites Buch.) XIX. Indessen unterhielt Rabbi Joselmann rege Verbindungen mit Deutschland, so daß er von