Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1879)
- Date
- 1879-12-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447797-2447847--17005-2473011- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
3349 stets eine Schattenseite des jüdischen Volkscharakters geblieben. Welche materiellen Vortheile, so fragen wir, hat aber Jakob mit der Erstgeburt erlangt? Ohne Hab und Gut mußte er hinaus aus dem Vaterhaus in die unwinhliche Fremde, als Unecht verdient er sich sein B?ot. während Esau daheim bleibt im Ueberfloß. Oder war der Segen ein so hohes Gut? Der erschlichene Segen wäre natürlich ohne Werth gewesen, wenn Zsaac es nicht ausgesprochen hätte: rrrp inaoa. „Gesegnet soll er bleiben!" Die schöne Erklärung, daß die Comödie nur gespielt sei um dem blinden Greis vorzuführen, wie leicht er zu täuschen und wie darum auch sein Lieblingssohn Esau durch Aeußerlichkeiten so lange ihn zu hintergehen vermocht, erscheint daher außerordlich treff nd. „Nicht weil Rebecca den Jakob mehr liebte als Esau thasie dies, sondern damit dieser Len alten Vater nicht mehr täusche, sagt 'i? p P2n>n' '~i — Ja, Esau bleibt nach allem Vorgesallenen, nach dem Verkauf der Erstgeburt, nach der Erthsilung des Segens, in der Genesis der Aeltere und Jakob der Zweitgeborene (-. I- Bch. XXVII Vers 42). - Auf die oben miedergegebene Beriäumdung des jüdischen Volkscharakters das Mindeste zu entgegnen, halten wir begreiflicher Weise unter unserer Würde. „Die Jaden verstellen sich kriechend, wo es die Erreichung eines Vortheils gilt", sagt Herr H-A-R Wir haben für diesen Lehrsatz natürlich ebenfalls nur das Schweigen der Verachtung und wollen nur einmal das Beispiel, ins Auge fassen, das der gelehrt' H'rr hierfür aus der Bibel anführt. Wer hätte je in der herrlichen Erzählung von der Liebe Jakobs zu Rahel ein entwü digendes Moment zu entdecken vermocht? Diese Liebe, die alles erträgt, die den Mann, den sie erfüllt, mit solch hehrer Kraft und Ausdauer auSstattet, daß er die langen Jahre der Knechtschaft um der Geliebten willen erduldet, diese Liebe, die ihm die trübe Zeit „wie einen Tag erscheinen läßt", wird Jakob zum Vorwurf gemacht und ihm als Zeichen niedriger Gesinnung ausgelegt. Diese Beurtheilung kennzeichnet zur Genüge die Voreingenommenheit, mit der Herr H-A-R. an die Bibel herantritt, sie bekundet beredt, wie parteiisch der genannte Herr vorgeht und welchen Werth seine Verbiete über Personen und Ereignisse, wie sie in der Bibel Vorkommen, besitzen. Herr H-A-R. behauptet ferner, Jakob habe den Hausgötzen diebischer Weise dem Laban entwendet, — während die Genesis Jakob's Unschuld betont und Rahel allein die That zur Last legt. Laban und Esau sind großmüthige edle Menschen. Warum? Weil sie Jakob nicht ermordeten. Dieser Letztere entfernt sich heimlich (!)^jott Esau (vergl. dazu Cap. 33 Vers 14—15). ^>tatt jeder Antwort hieraus möchten wir dem Herrn Henne die aufmerksamste Lektüre des Pentateuchs dringend empfehlen. Nur eins wollen wir nock hervorheben. Die Tödtung Schechems und der Seinen, behauptet der Verfasser, würde nicht mißbilligt, während jedem nur einigermaßen Bibelku^digen die Stelle I. Bch. Cap. 49 Vers 5 und folg bekannt ist, wo Jakob noch im Sterben seine Indignation über die Rache an den Chiwiten kundgibt. Auch über die Schandthat der Brüder Josephs ist Herr H-A-R. entrüstet und vergißt, daß die Bibel selbst die schärfste Mißbilligung der Handlungsweise ausspricht. Man wird es nach den mügetheilten Proben begreiflich finden, wenn wir daö vorliegende Heft nicht Seite für Seite durchgehen um die seltsamen Ansichten des Herrn Henne-Am-Rhyn zu glossiren, sondern wenn wir nur hier und da einiges Augenfälligere hervorheben. H rr H. ist über die „rechtlose Eroberung" Palästinas erbost nennt den offenen Krieg, Raub und Mord uud bezeichnet ihn einer Nation, die der Gottesverehrung leben sollte, unwürdig. Aber haben nicht auch wir. die „wir uns der Segnungen einer fortgeschrittenen Cultur erfreuen". Kriege erlebt, wo Strom? Blutes vergossen, Saaten zerstampft, Städte verbrannt wurden? Weßhalb mit Ihrer schätzbaren Entrüstung Jahrtausende zurückgehen, wo Sie doch Ihr sittliches Grauen viel mehr in der Nähe verwenden können!? Saul erinnert Herrn Henne - Am - Rhyn an den „urwüchsigen, selbstständigen, tüchtigen" Charakter Esaus, wie denn dreser Letztere überhaupt des großen Culturhistorikers Sympathien aus unbekannten Gründen sich erfreut. Saul wird im Gegensatz zu David mit allen Tugenden ausgestaltet und hier wendet der Verfasser die oben angedeutete Manipulation wieder an, indem er von der Höhe seiner Unfehsbarkeit herab, die guten Thaten Davids als nicht geschehen bezeichnet, und nur seine in der Bibel erzählten Sünden als der Wahrheit entsprechend erklärt. Ja, Herr H-A-R. ist so wenig in den Geist der herrlichen Erzählung von der Freude Davids beim Einzug der Bundeslade eingedrungen, daß er den Tanz des Königs als einen „wahrscheinlich höchst unverständigen" bezeichnet. Das Einzige, was dem Verfasser zu dieser seltsamen Bemerkung veranlaßt haben kann, ist das an der betreffenden Stelle in der Spottrede Michals (II. Samuel Cap. VI. Vers 20) gebrauchte Wort , ein Blick in ein hebr. Lexikon würde ihn aber belehrt haben, daß dieser Ausdruck „Sichgehenlassen", „Selbsterniedrigen" bedeutet. Die Errichtung der Stierbilder unter Jerobeam,