Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1879)
- Date
- 1879-12-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1327 Feuilleton. Kaböi Zoselmann von Kosheim. Eine historische Erzählung. (Zweites Buch.) XIX. Während Rabbi Joselmann seine einfache Purim-Mahlzeit zu sich nahm, wurde im Palaste des Grasen von Büren ein opulenteres Mahl eingenommen. Unsere Leser werden sich erinnern, daß Maria von Rottbach in die Dienste der Königin Margaretha, der Tante des Kaisers und Statthalterin der Niederlande, eingetreten war. Die Königin hatte das gute sanfte Mädchen liebgewonnen und ihm bei ihrem Tode ein Legat ausgesetzt, und da hatte sich denn auch ein Freier für sie gefunden, Herr Georg von Holde, ein Lieutenant des Grafen von Büren, der das niederdeutsche Fußvolk befehligte. Der Graf von Büren hatte die Hochzeit ausgecichtet, und es ging hoch her im Palaste des Grafen. Unter den Gästen befanden sich auch die Hauptleute des Grafen: Lamoral von Egmont, Fürst von Garre, der Neffe des Generals, der später so berühmt gewordene Feldherr Philipps II., der beim Abfall der Niederlande betheiligt war und sein Leben auf dem Schasfotte endigen mußte; ferner Reinhard, Herr von Brederode, Johann, Herr von Lyra und Martin von Rosheim. Die Herren waren sehr heiter und erzählten allerlei Kriegsabenteuer. „Ich kann Euch etwas erzählen," nahm Martin von Rosheim das Wort, „was wohl noch Niemandem von Euch passirt ist. Der Thorschreiber am St. Pauli-Thore hielt einen Juden, der sich Joselin von Rosheim nannte, für meinen Bruder!" Ein allgemeines Gelächter erscholl; ein kaiserlicher Kriegshauptmann der Bruder eines Juden! Es war zu lächerlich. Die Braut horchte auf, als sie den Namen: „Joselin von Rosheim^ hörte. „Wie kömmt es," fragte der Herr von Brederode, „daß ein Jude denselben Namen wie Ihr führt, Martin?" „Er heißt," antwortete der Gefragte, „Joselin und stammt aus Ros heim, wo einst das Schloß meiner Ahnen stand. Ich ritt hinzu, als ich meinen Namen hörte und rief lachend: Das ist ja ein Jude! Dem armen Teufel ist es schlecht bekommen; wie man mir später erzählte, hat man ihn ins Gefängniß der Inquisition abgeführt." „Was hat die Inquisition mit dem Juden zu schaffen?" fragte Graf Egmont. „Nach spanischen Gesetzen," entgegnete Herr von RoSheim, „darf kein Jude den Boden betreten, in welchem das Inquisitions-Tribunal waltet." „Wir leben aber nicht in Spanien," sagte Graf Egmont lebhaft. „Ein derartiges Gesetz existirt in den Niederlanden nicht. Man muß den Juden freigeben." „Gnädiger Herr," nahm die Braut das Wort, „ich kenne diesen Juden, er ist mein Landsmann. Ganz Elsaß rühmt ihn als den edelsten und besten Menschen, als den Wohlthäter der Armen, den Helfer der Bedrängten. Ich bitte Euch, gnädiger Herr, sorgt für die Befreiung des Unglücklichen." „Eure Bitte, schönes Bräutchen," sagte Egmont sich verneigend, „ist mir Befehl. Ich fühle mich überdies verpflichtet, dafür zu sorgen, daß in meinem Baterlande die Gesetze desselben gehandhabt werden uno spanisch Recht oder vielmehr Unrecht, hier keine Stätte finde. Ich bitte um Urlaub, damit ich es veranlasse, daß der unrechtmäßig Eingekcrkerte sofort die Freiheit wieder erlange." Er erhob sich und begab sich sogleich in die kaiserliche Burg, wo er sich beim Kanzler, dem zznter Carl V. allmächtigen Granvalla. melden ließ und auch vorgelassen wurde. Nicolas Peremont, Herr von Granvalla, hatte sich aus niederen Kreisen zur höchsten Machtstellung emporgearbeitet; sein Vater war einfacher Schlossermeister; er selbst war Advocat in Besan^on gewesen, als Carl ihn in seine Dienste nahm. Im Jahre 1530 machte ihn der Kaiser zu seinem Kanzler und Siegelbewahrer und schenkte ihm die Herrschaft Granvalla in Burgund, nach der sich der Kanzler von da an nannte. „Was verschafft mir die Ehre des Besuches meines gnädigen Herrn?" fragte der Kanzler, als Egmont bei ihm eintrat. „Excellenz," sagte der Graf, „bei einem Hochzeitsmahle erfahre ich soeben, daß ein Jude, Namens Joselin von Rosheim, ganz ohne allen Grund und ohne allen Anlaß in den Kerker der Inquisition ist geworfen worden, bloß weil ein spanisches Gesetz den Juden verbietet, das Land zu betreten, in welchem die Inquisition waltet. Und nun wollte