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Der Israelit · 1879-12-10 · Heft 50 (10.12.1879) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 50 (10.12.1879)
Date
1879-12-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1326 Mexico. Mexiko. Dem „Jewish World" wird aus der genannten Stadt geschrieben: „Wenn der Reisende in die Stadt Mexiko gelangt, sieht er seine feurigsten Vorstellungen von der Größe der alten Hauptstadt der Azteken vollkommen verwirklicht. Mit vollem Rechte wird Mexiko „die Gartenstadt Amerikas" genannt. Die im spanischen und maurischen Style errichteten Gebäude sind wirklich großartig. Zu den vorzüglichsten gehören die Kathedrale, der Palast, die Bergwerk-Schule, das Gefängniß (Acordala), das Zollhaus, einst der Sitz der Inquisition. Die Alleen und Spaziergärten sind prachtvoll, die mannigfaltigsten, duftreichsten Blumen blühen durch das ganze Jahr und die kostbarsten Südfrüchte sind zu jeder Zeit zu bekommen. Die Stadt ist von Seen umgeben und das Auge ergötzt sich jeden Morgen an dem Anblicke der bunten Kähne, in welchen die Indianer aus den umliegenden Dörfern Gemüse, Ödst, Geflügel, Butter, Käse, Milch rc. der Stadt zuführen. Diese Stadt erfreut sich eines ewigen Sonnenscheines und bei all meinen Reisen habe ich nie einen Ort berührt, der sich so lieblicher, mondheller Nächte rühmen kann. Eine Viertelmillion Menschen bewohnt diese Stadt. Der Handel liegt in den Händen der Fremden (Franzosen, Deutsche und Engländer). Juden wohnen sehr spärlich in dieser Stadt, kaum mehr als 20 Familien, so daß hier keine isr. Gemeinde organisirt werden konnte, sondern es fällt an Sabbat- und Feiertagen oft schwer, ein Minjan zusammen zu bringen, da viele von den hier wohnenden Juden in Geschäftsangelegenheit abwesend sind. Vor 5 Jahren wurde der Gottesdienst gewöhnlich in der Wohnung des sel. Nathan Doabson abgehalten, der das Haus N. M. Rothschild vertreten hat. Seit jener Zeit aber wird der Gottesdienst in dem Hause des Herrn Bernhard Wiener verrichtet, der unter den Juden der älteste Einwohner dieser Stadt ist. Seine Frau ist die Tochter eines Herrn Levy aus Bordeaux. Mit Bedauern theilen wir mit, daß mehrere junge Leute Christinnen zu Frauen haben und auch Diejenigen, welche sich aus der Fremde eine Religionsgenossin zur Gemahlin bringen, sind nicht im Stande, ihre Kinder religiös zu erziehen. Die Knaben werden meistens nicht beschnitten, indessen habe ich sehr oft bemerkt, daß mit Unkosten von 400—600 Dollar aus New-Orleaus ein Mohel gebracht wurde, um das Kind in den Bund Abrahams zu bringen. In finanzieller Beziehung befinden sich unsere Glaubensgenossen sehr gut und wird ihre Zahl nur ein wenig stärker sein, werden sie gewiß eine Gemeinde bilden und eine Synagoge errichten. Mit besonderem Vergnügen kann ich constatiren, daß obwohl die römisch-katholische Religion die herrschende ist, dennoch mit der größten Liberalität gegen alle Glaubensbekenntnisse vorgegangen wird. Es sind da viele protestantische Kirchen und ein amerikanischer Bischof hat hier seine Residenz. Während der vielen Jahre meines Hierseins habe ich den Namen Jude nie in verächtlicher Weise aussprechen gehört. im Gegentheil zeigt man die größte Sympathie den Israeliten. Der jetzige Präsident, General Porfirio Diaz ist ein Gentleman im wahren Sinne des Wortes, frei und edel denkend in jeder Hinsicht. Der Klerus hat mit Staatsangelegenheiten ganz und gar nichts zu schaffen. Lobend muß auch die große Gastfreundlichkeit der Mexikaner gegen Fremde hervorgehoben werden. Im ganzen Lande Mexiko wird jeder Reisende auf's Freundlichste empfangen und gastfreundlichst bewirthet." Palästina. Jerusalem, 4. Kislew. Gestatten Sie mir, Ihnen heute über eine Institution zn berichten, welche kaum in irgend einem andern Orte ihres Gleichen hat. Es ist die Jeschibah Ez CH ajim, welche von 250 Knaben und jungen Leuten besucht wird. Die Zöglinge erhalten Unterricht in unserer heiligen Thora, im Schreiben und im Rechnen. Dieselben werden in 14 verschiedenen Klassen unterrichtet. Die Fähigen erhalten Unterricht im Talmud und in der gesammten talmudischen Literatur; die wenigerbefäbigten Knaben werden aus leichtern zu erfassenden Werken wie bin "ii rc. unterrichtet. Die bedürftigen Kinder und die Waisenknaben erhalten die Speisen und nothwendigen Utensilien unentgeltlich. Außer den 14 Klassen besteht noch eine Oberklasse, welche von den befähigten Jünglingen und auch einigen verheiratheten jungen Männern besucht wird. Diese leistet Vorzügliches für die Heranbildung von künftigen jüdischen Gelehrten. Die Jeschibah braucht monatlich ungefähr 1000 Mark, und wird namentlich von unseren Glaubensgenossen in Rußland erhalten. Es besteht zu diesem Zwecke ein Verein, dessen Mitglieder einen jährlichen Beitrag von zehn Silberrubel zahlen. Dafür wird nach dem Ableben eines Vereinsmitgliedes das Trauerjahr und der Jahrzeitstag, letzterer 10 Jahre lang, durch Thoralernen und Kadischsagen begangen. Eine einmalige Spesttze von 300 Rubeln macht zum ewigen Mitglied. — Es wäre sehr zu wünschen, wenn auch wohlthätige Glaubensgenossen aus Deutschland dem Vereine als Mitglieder beitreten würden, zumal da die Ausgaben der Jeschibah die Einnahmen derselben bei writem übersteigen.

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