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Der Israelit · 1879-12-03 · Heft 49 (3.12.1879) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 49 (3.12.1879)
Date
1879-12-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1303 Feuilleton. Per neue Hkeramtmann. Erzählung au8 dem dritten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts von S. Koyn, Verfasser von „Gabriel". (Fortsetzung.) „Herr von Bollwitz!" fuhr der Kaiser fort, und jener trat vor. „Ich habe nur wenige Worte mit Ihnen gesprochen; aber Sie gefallen mir. Ich habe mit Jato- Leipnik eine längere Fußtour unternommen und ich habe von diesem über die hiesigen Verhältnisse Aufschlüsse erhallen. Sie essen bei Ihrem Vetter das Gnadenbrod und sind zu einer demüthigenden Unthätigkeit veru theilt; das paßt weder für Sie noch für mich; für Sie nicht, weil Sie ein junger Mann sind, der sich nicht dem Nichtsthun, dem Müsstggange ergeben da-.f; — für mich nicht, weil ich einen tapstrn Offizier, der für sein Vaterland gekämpft und geblutet hat, weder darben, noch von fremder Unterstützung leben lassen darf; der Staat und ich als d ffen Vertreter und ersten Diener, haben die Verpflichtung, Sie dadurch zu versorgen, daß wir Jbnen eine entsprechende, Ihren Fähigkeiten angemessene Beschäftigung anweisen. Was haben Sie gelernt? „Bevor ich in die Armee eintrat, habe ich das Gymnasium absolvirt." „Gut! — sprechen Sie fremde Sprachen?" „Ich spreche und schreibe französisch und italienisch wie meine Muttersprache, und kann mich zur Noth auch in den slavischen Idiomen ausdrücken .... Meine Conduitliste, fü Ue er unaufgefordert hinzu, ist eine vorzügliche." „Das kann ich bestätigen Majestät!" mischte sich Coronini bescheiden in die Verhandlung. „Herr von Bollwitz war Fähnrich in der Escadron. dessen Premierrittmeister ich war — den Arm, der ihm fehlt, hat er auf dem Schlachtfeld von Kollia gelassen, und die Regimentsfahne gerettet." „Das weiß ich, das weiß ich", entgegnete der Kaiser lebhaft und fügte dann etwas leiser hinzu: „Wissen Sie, Coronini, was mir an dem Mann besonders gefiel? — er hat von unserem ehemaligen, ruhmreichen Feinde, vom H ldenkonige Friedrich dem Großen, dessen Genie icr selb» verehre, mit Hochachtung gesprochen." D r Kaiser dachte einen Augenblick nach, „H^rr von Bo.lwitz", j sprach er endlich, „Sie sind seit elf Jahren aus dem Heeresdienst entlassen; es war dies ein großer Fehler Ihrer Vorgesetzten; es ist eine falsche Anschauung, daß ein intelligenter Offizier, der das Unglück hatte, einen Arm zu verlieren, sich nicht auch in der Armee nützlich machen kann. Ich biete Ihnen eine von zwei Stellen an, und überlasse Ihnen hierbei die Wahl; — entweder ernenne ich Sie zum Hauptmann und weise Sie einer RechnungScanztei oder einer Monturcommission zu — j oder ich mache Sie zu meinem Privatsecretär; doch! bitte ich Sie zu bedenken, daß Sie im ersten Falle, j bei Fleiß und gutem Willen avaneiren, es zu einer! glänzenden Stellung bringen können, während Sie! ale mein Prioalsecretär Ihre Carriere abgeschlossen j haben." i Der Kaiser blickte scharf prüfend in Bollwitz; aufgeregtes Antlitz, das sich vor Freude und Ueber-! raschung purpurn färbte. > ,Euer kaiserliche Majestät! ich werde in jeder! Stellung, die aüerhöchstdero Gnade mir anzuweisen j geruht, mit dem Aufgebote aller meiner Kräfte! denrebt sein, mich der hohen Huld würdig zu bej weisen; — aber ich würde es für das höchste! Glück meines Lebens erachten, wenn meine Pflicht j mich unmittelbar an die geheiligte Person meines! gnädigen Monarchen knüpfte, i* wage daher aller-! unterthänigst um die Stelle allerhöchstdero Privatl secretärs zu bitten!" j Kaiser Josefs Augen leuchteten vor innerem! Vergnügen auf, er war ein großer Menschenkenner, j und sein geistiges Auge blickte tief in die Menschen-! brust; diese Huldigung, die ihm Bollwitz brachte, j war eine ungeheuchelte, wahre, und obwohl gewohnt i daran, seine Gefühle meisterhaft zu beherrschen, I entschlüp te ihm doch unwillkürlich: „Brav! das j freut mich! — allein", fügte er hinzu, „wir können ■ ja das Schöne mit dem Nützlichen verbinden; ich! ernenne Sie zu meinem Secretär und verleihe? Ihnen Hauptmannsrang; ich werde Ihnen auch I den Weg zum weiteren Avancement in der Armee offen halten; ich bin nicht so egoistisch, mir zu Liebe einen fähigen Mann zu dessen Schaden in einer untergeordneten Stellung festzuhalten." „Majestät, welche Huld, welche Gnade!" rief Bollwitz in überströmendem Gefühle und zur allgemeinen Verwunderung trat jetzt auch Anna Pellwald einen Schritt näher an den Kaiser und sprach: „Meinen Dank, allergnädigster angebeteter Monarch!" aber schon in dem nächsten Momente überhöhte eine brennende Feuergluth ihre Wangen, sie mußte den Blick zu Boden senken, ihr Busen wogte stürmisch und eine Thräne floß langsam über ihre Wange, ein Zittern durchflog die lieb-

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