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Der Israelit · 1879-12-03 · Heft 49 (3.12.1879) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 49 (3.12.1879)
Date
1879-12-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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ungeheurer Reichthümer, und die andern 75,700 Amalekiter, hätten sie nicht unaufhörlich gegen die verhaßten Juden agitirt, bis sie neue Anschläge auSgeheckt und den wankelmüthigen König auf ihre Seite gebracht hätten?" „„Freilich, freilich. Also scheint doch die gänzliche Vernichtung HamanS und seines Anhangs das Wichtigste gewesen zu fein.*" „Nun neigst Du Dich wieder dem Orur Howon zu und willst dieser Seite des Wunders den Vorzug geben. Es ist also klar, daß es sehr schwer ist zu entscheiden, welches das größere, folgenschwerere Wunder war, ob „Orur Homon" oder „Boruch Mordechai". Daher lehren die Weisen, der Mensch sei verpflichtet, sich so in die Purimfreude zu vertiefen, sich gleichsam darin zu berauschen, das doppelte Wunder nach beiden Seiten zu erwägen, bis daß er keinen Unterschied mehr erkennt zwischen der wunderbaren Errettung, die in dem „Boruch Mordechai" und der, die in dem „Orur Homon" liegt. — Ich, ich habe diese Deutung aus meiner eigenen Erfahrung geschöpft; auch mirist es unter göttlichem Beistände gelungen, schon manchen Judenfeind zu stürzen, daß das «Orur Homon" an ihnen sich erfüllt, und mich hat Gott gesegnet, daß zwei Kaiser mich hoch gehoben — Boruch Mordechai —; aber weder der Sieg noch die Erhebung waren so vollständig wie diejenigen der Purimgeschichte, und daher wächst eine Gefahr nach der andern hervor. Gott, der Allbarmherzige, der schon so oft geholfen, wird auch diesmal wieder helfen und uns ein fröhliches Purimfest erleben lassen. Und wenn wir keinen Wein haben, so wollen wir uns in der Purimfreude berauschen." Und als nun das Purimfest herankam, da las Rabbi Joselmann die Megillah, die er mit sich geführt hatte, vor. Laut und fröhlich sang er die erste Verachah; bei der zweiten, die da Gott ob der wunderbaren Hilfe preist, leuchteten seine Augen, aus denen Hoffnung und Gottvertrauen sprächen, bei der dritten Berachah aber, in welcher wir dem Schöpfer dafür danken, daß er uns diese Zeit hat erleben lassen, fing Jakob laut und bitterlich an zu weinen. Und auch Rabbi Joselmanns Augen wurden naß bei»n Anblick der kahlen, feuchten Kerkerwände. Ach, er hatte gar mancherlei versucht, um die Befreiung zu erlangen; aber es war Alles vergeblich gewesen. Rabbi Joselmann hatte den Kerkermeister durch Geld gewonnen; durch ihn sandte er Briefe an alle ihm bekannten Herren, die er in der Ui gebung des Kaisers vermuthete. Waren nun d Briefe nicht in die Hände jener Herren gelan; oder konnten sie, oder wollten sie nicht helfen bis jetzt war ein Erfolg nicht ersichtlich. Am Purimtage hoffte Jakob mit jeder Minu! daß die Kerkerpforte sich ihm aufthun würde ui gab seine Ungeduld durch allerlei Gebehrden u Ausrufungen zu erkennen. Rabbi Joselmann lache! dazu. „Aengstige dich nicht", prach er, „ich we mit Bestimmtheit: Gott hat cr Wunde die Hc lung vorausgeschrckt. Es heißt in der Megilla „Nach diesenBegebenheiten erhob der Kör den Haman." Nach welchen Begebenheite, Nachdem die Esther Königin geworden, nachdi Mordechai Gelegenheit gefunden, dem König d Leben zu retten, da erst gestattete Gott die Q Hebung des bösen Haman; denn nun waren \ Mittel vorhanden, die schlimmen Anschläge de selben zu Nichte zu machen. Deßhalb verz« nicht, auch für uns ist die Rettung schon im Wer wenn wir die Wege derselben auch nicht überschau können." Der Kerkermeister trat ein und brachte Br und Wasser. „Guter Freund", sagte Rabbi Joselmai „besorget heute für Jeden von uns einen Kr Bier und einen Häring." Der Kerkermeister besorgte daS Verlang und Rabbi Joselmann und sein Diener feien die PuriM'Mahlzeit mit Bier und Häring. A! die Häringe waren alt und schlecht und Ja fragte; I „„Wißt Ihr, wieso das zu unserer L» paßt?"" I „Nun?" fragte Rabbi Joseimann. „„Weil man über böse Hörung (Häring) Berachah sagt: Baruch dajon Emeß*-."" Rabbi Joselmann lachte herzlich über! Witz seines Dieners. Er liebte derartige W zwar nicht, aber heute, an Purim, ließ er sie < gefallen. Zudem freute er sich, daß der cn verzweifelnde Jakob seine gute Laune wiederfa (Fortsetzung folgt. *) Beim Hören schlimmer Nachrichten sagt man die erwvj Barachah: „Gelobt sei der wahrhafte Richrer". Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaktion: vr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des I. Gottsleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger). , Israelit" große Bleiche 45.

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