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Der Israelit · 1879-12-03 · Heft 49 (3.12.1879) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 49 (3.12.1879)
Date
1879-12-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1299 Feuilleton. Aabbi Joselmann von Aosheim. Eine historische Erzählung. (Zweite- Buch.) XVIII. ES waren beinahe zwei Wochen verloschen, seitdem man Rabbi Joselmann und seinen Diener in das Gefängniß des Gertrudenklosters zu Brüssel gebracht hatte. Die Beiden litten unendlich; sie konnten von der Kost, die ihnen gereicht wurde, nichts als Brod und Wasser genießen. So kam der 13. Adar, der Fasttag Esther, heran. „Das Fasten", sagte Rabbi Joselmann zu seinem jammernden Diener, „wird uns diesmal nicht so schwer werden; da wir ohnedies sehr wenig zu essen haben, werden wir am Fasttage um so viel weniger die Speisen vermissen." „„Ihr könnt noch scherzen""; sagte Jakob, „das wird ein trauriges Purimfest werden." „Verzage nicht", tröstete ihn Rabbi Joselmann, „vielleicht wird Purim auch uns zu einem Erlösungsfeste. Ich habe die feste Ueberzeugung, daß die Stunde unsrer Befreiung bald herannahen wird. Unsre Weisen erzählen im Tractat Erubin, daß einst Rabbi Chanina eine Speise genossen, von der er nicht wußte, daß sie giftig war; sie brachte ihn an den Rand des Grabes. Aber Gott erhörte das Gebet seiner Freunde und ließ ihn genesen, weil Rabbi Chanina zu jener Zeit der Welt unentbehrlich war. Auch für uns beten die Freunde in allen deutschen Landen, daß es gelingen möge, das drohende Unheil von unfern Brüdern abzuwenden, und Gott, ich bin dessen fest überzeugt, wird ihr Gebet erhören." „„Euer Gottvertrauen ist unerschütterlich! Aber selbst, wenn es Gottes Wille ist, daß wir wieder frei werden, so wird es doch ein trauriger Purim sein, den wir hier allein und einsam im fremden Lande feie n müssen, ohne ordentliche Speisen und ohne Wein."" „Ah, Du denkst an das Wort der Weisen: Der Mensch ist verpflichtet, sich zu berauschen am Purim, bis er den Unterschied nicht mehr weiß zwischen „Orur Homon, verflucht sei Haman" und „Boruch Mordechai, gesegnet sei Mordechai." Nun, dieser Ausspruch de- Talmuds ist wohl nicht so ganz wörtlich zu nehmen. ES gibt eine Menge Erklärungen dafür; ich will Dir eine Deutung sagen, die auf meinen Erfahrungen beruht. Es gibt einfache Wunder und gedoppelte Wunder. Ein einfache- Wunder ist zum Beispiel, daß Gott das Manna für die JSraeliten vom Himmel herniederfallen ließ. Ein gedoppeltes Wunder war das am Schilfmeer, da Gott nicht allein die Israeliten errettete, sondern auch ihre Feinde ins Meer versenkte. Ein solches gedoppeltes Wunder ist auch das Ereigniß d s PurimfesteS: einmal, daß Gott den Haman stürzte — Orur Ho on — und das andere, daß Gott den Mordechai erhob — Boruch Mordechai — WaS meinst Du nun, Jakob, welches von beiden ist das größere, wichtigere, bedeutungsvollere Wunder?" „„Sicherlich das, daß Gott den Anschlag des Haman vereitelte und so den Juden das Leben rettete."" „Du entscheidest Dich also für Orur Homon. Aber, mein Lieber, wer war eigentlich mehr Judenfeind, Haman oder Achaschwerosch; Haman, der doch von Mordechai gereizt war. oder Achasch» werosch, der ganz ohne Anlaß und Beweggrund ein ganzes Volk, die ihm treue und nützliche Unterthanen waren, von denen Einer, Mordechai, ihm sogar das Leben gerettet hatte, hinschlachten lassen wollte, ohne Prüfung und Untersuchung? Und wenn nun Haman gestürzt worden - äre, und Aridai oder Waisaßa, oder Karschana oder sonst Einer wäre an die Stelle des Gestürzten getreten, und hätten andere Anschläge gegen die Juden ersonnen, wären da die Leiden nicht stets und immer wiedergekehrt? So wurde Mordechai erster Minister des Königs, und mit ihm wurden die Juden groß; ihnen ward Licht, Freude, Wonne, Würde. Unsägliche Wohlthaten entsprangen daraus; der heilige Tempel in Jerusalem wurde wieder gebaut, und so lange die persische Oberherrschafl währte, lebten die Juden glücklich und zufrieden unter derselben." „„Ja, wenn man das bedenkt, so war doch die Erhebung Mordechai's wichtiger und bedeutungsvoller."" „Du entscheidest Dich also jetzt für Boruch Mordechai. Aber, mein Bester, wir wollen daS einmal näher ins Auge fassen. Gesetzt, Haman und die Seinen wären nicht dem Bonne verfallen, hätten nicht ihre Verfolgungssucht gegen die Juden mit dem Tode büßen müssen, sondern der König hätte sich plötzlich erinnert, daß Mordechai ihm das Leben gerettet und hätte ihn in Folge dessen zu seinem Reichskanzler erhoben — wie lange hätte die Herrlichkeit Mordechai's gedauert? Haman und seine zehn mächtigen Söhne, im Besitze

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