Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1879-12-03 · Heft 49 (3.12.1879) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 49 (3.12.1879)
Date
1879-12-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2447797-2447845--16956-2472960
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1398 Frankfurt a. M., 29. November. Die Stadtverordneten-Versammlung hatte — unter Ablehnung der Anträge des Magistrats, welche den Erlaß neuer Verwaltungs-Ordnungen für den Allgemeinen Almosenkasten, das Waisenhaus und das Hospital zum heil. Geist betrafen — den Magistrat ersucht, Schritte zu thun, damit die seitherigen Beschränkungen, welche die Nicht-Christen von diesen Stiftungen ausschließen, aufgehoben werden. Die mit der Berichterstattung über diesen Gegenstand beauftragte Commission des Magistrats hob hervor, daß dieser Antrag bezwecke, die öffentlichen milden Stiftungen des seit ihrer Gründung aufrechterhaltenen, von der Gesetzgebung gewährleisteten und auch von der Stadtverordmte'n-Versammlung bei Feststellung der allgemeinen ^tiftungsordnung vom 5. October 1875 anerkannten Charakters zu entkleiden. Ein solches Ziel wäre selbstverständlich nur auf dem Wege der Gesetzgebung zu erreichen. Da aber die gesetzgebenden Faktoren erst vor wenigen Jahren Vorsorge getroffen haben, daß diejenigen Bestimmungen der seitherigen, das hiesige Stiftungswesen betreffenden Gesetze, welche die Zwecke und Rechte der betreffenden Bestimmungen, sowie das Recht auf die Theilnahme an den Nutzungen zum Gegenstand haben, in Kraft bleiben sollen — so sei nicht zu glauben, daß dieselben sich herbeilassen sollten, die von ihnen gezogenen Schranken jetzt wieder zu beseitigen. Der Commissionsbericht führt sodann des Näheren aus, daß die aus Beseitigung der bestehenden Beschränkung gerichteten Bestrebungen auch nicht durch Rücksichten der Billigkeit gestützt zu werden vermögen; die Commission könne deßhalb den Antrag der Stadtverordneten-Versammlung in seiner Allgemeinheit nicht befürworten, wohl aber halte sie eine Modifikation der Bestimmung für angezeigt, welche die Verpflegung des bei Israeliten dienenden Gesindes christlicher Confcssion in dem heil. Geist- Hospital an die Bedingung des Kostenersatzes knüpft. Das könnte nach Lage der Verhältnisse nur thatsächlich in der Weise geschehen, daß die Zahlungen, welche gegenwärtig von Israeliten für die Verpflegung ihres christlichen Gesindes zu leisten sind (in Gesammthöhe von etwa 8000 M. jährlich) auf das städtische Aerar übernommen werden. Der Magistrat trat diesen Ausführungen seiner Commission bei, indem er den Versuch gleichfalls für aussichtslos hielt, bei der Staatsregierung die Befeitigung der den Nutzungsrechten an den hiesigen öffentlichen milden Stiftungen gesetzlich gezogenen 'Schranken anzuregen; er befürwortete vielmehr den Vorschlag, wonach die Zahlung für Verpflegung christlichen Gesindes israelitischer Bürger in dem Hospital zum heil. Geist auf die Stadtkasse zu übernehmen wäre, um so lebhafter, als damit seiner Ansicht nach eine glückliche Vermittlung zwischen der Achtung wohlerworbener Rechte einerseits und humaner Berücksichtigung der Wünsche und Interessen der Mitbürger israelitischer Religion andererseits gegeben sein würde. Hamburg, 24. Nov. Die Beerdigung von neun Prsonen, welche bei dem Brande in der Wexstraße in so jammervoller Weise umkamen, fand gestern unter überaus starker Theilnahme statt. Acht derselben, nämlich Frau Levy, deren beide Kinder und Nichte, das Dienstmädchen Louise Lisser und die drei B hrens'schen Kinder, fanden, wie der „Corr." mittheilt, auf dem israel. Begrabnißplutze rn Oltensen Aufnahme, während die kleine Helene Buhbe auf dem N kolaikirchhofe beigesetzt wurde. Die Beerdigung der erstgenannien ging, wie üblich, ohne jeden Pomp von statten, die einfachen, ungehobelten Särge, nur mit einem schwarzen Tuche bedeckt, waren im Hause auf dem Friedhöfe ausgestellt, woselbst sich die nahen Leidtragenden und zahlreiche Freunde, Verwandte und Theilnehmende einfanden. Die auf und vor dem Begräbnißplatze Anwesenden konnten nach Tausenden geiählt werden. Nach dem Gebete widmete Oberrabbiner Stern den so früh Heimgegangenen einen tief ergreifenden Nuchruf, wobei kein Auge thränenleer blieb uud der Redner vor Rührung oft eine Pause in seinem Bonrag machen mußte. Nachdem noch Dr. Katzenstem, als Lehrer der verstorbenen Kinder, ebenfalls einen warmen Nachruf gewidmet, wurden die Leichen einzeln je in eine Gruft gesenkt. — Die Bestattung der Heleue Buhbe hatte nicht minder eine große Menge Freunde und Bekannte herongezogen. Vor Allen waren es ihre Schulgenossen, an der Spitze der Inhaber der Anstalt, die sie besucht hatte. Der Sarg, sowie das Zimmer, in welchem er ausgestellt war, war förmlich überschüttet mit Blumen und Kränzen. HerrPostor Buck fprach im Stcrbehause und am Grab herzliche Worte, wobei er es sich namentlich angelegen sein ließ, den trauernden Eltern Trost zu spenden. Der Leichenconduct, b stehend aus ca. 60 Waaen, bewegte sich durchs Dammthor nach dem Nrkolaikirchhofe. Der ganze Weg vom Sterbehause sowie der Kirchhof war von Tausenden von Menschen besetzt und überall zeigte sich die aufrichtigste Theilnahme. — Der Pelzwaarenhändler Augner, welcher bekanntlich wegen des in seinem Ladenzimmer ausgebrochenen Feuers in Untersuchungshaft genommen war, ist gestern aus derselben wieder entlassen worden, da die von ihm gemachten Äf-gaben sämmtlich mit den Zeugenaussagen und den anderweitigen Ermittelungen über die Entstehung defolgenschweren Brandes übereinstimmen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.