Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1879)
- Date
- 1879-12-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1295 * rrch es jrte des und Die ehn gesten and sie ruS zu sie den mit hen im hat lcht inals encht cht ige rch LNhtcht -ist nd de Der echte, geschichtliche Sbylok war kein Jude, sondern ein Christ, Namens Paulo Maria Seccchi, ein reicher Kaufmann aus Rom. Er hatte die briefliche Nachricht erhalten, daß der englische Admiral Franz Drake die Stadt San Dominica auf der Insel Hispaniolia erobert und dort reiche Beute gemacht habe. Er theilte das dem Juden Simson Ceneda mit. Dieser hielt die Nachricht für unwahr, bestritt sie und sagte schließlich: „Ich will, ein Pfund Fleisch von meinem Leibe verwetten, daß dies nicht wahr ist." Seccchi erwiderte: „Und ich will gegen Euer Pfund Fleisch tausend Scudi setzen, daß solches wadr ist." Ceneda blieb bei seinem Einsatz und bot Seccchi die Hand mit den Worten: „Wenn es dem Herrn gefällt, wollen wir eine Schrift darüber aufrichten lassen." Seccchi war damit einverstanden und so unterschrieben beide in Gegenwart zweier Zeugen einen Schein des Inhalts: Wenn die Zeitung falsch sein würde, daß Drago (Drake) zu der und der Zeit die Stadt San Dominica in der Insel Hispaniolo eingenommen, sollte der Herr Paulus Maria Seccchi verbunden sein, dem Juden Simson Ceneda 1600 Scudi an baarem Gelde und guter Münze auszuzahlen. Im Gegentheil wenn diese Zeitung wahr sein würde, sollte der gedachte Seccchi Macht haben, mit seinem wohlgeschärften Mcsstr diesem jetzt genannten Juden ein Pfund Fleisch von seinem Leibe berauszuschneiden und zwar an welchem Orte es chm am Besten gefallen würde. Vor Ablauf von drei Monaten traf die amtliche Bestätigung ein, daß die Stadt erobert und geplündert worden. Seccchi „bestand auf seinem Schein" und verlangte dessen Erfüllung an einem Kinpertheile des Juden, den der Anstand, oder wie der ursprüngliche Erzähler sagt: die B scheidenheit, zu nennen verbietet. Der bekümmerte Jude bot 1000 Scudi, Seccchi wollte von keiner anderen Genugthuung chren, als der verschriebenen. Der Jude erbat )ie Vermittlung des Gouverneurs. Dieser berichtete )ie Sache dem Papst Sixtus V. (der von 1585 is 1590 herrschte). Der li,ß beide Parteien toor ich kommen, las den Schein und sagte zu Seccchi: Wer sich in Wetten einläßt, muß sie erfüllen, ehmt Euer Messer und schneidet in unserer Geenwart aus dem Leibe de- Juden, an welchem rte es Euch gefällt, ein Pfund Fleisch heraus, och wenn Ihr nur ein einziges Quentlein zu iel oder zu wenig schneidet, müßt^Zhr ohne Barmerzigkeit hängen. So schärfe man das Messer nd bringe eine richtige Waage herbei." Bei Änörung dieses UrtheilS zitterte Seccchi, er küßte hrävenden Auges die Erde zu des Papstes Füßen md sagte: „Ich bin zufrieden, heiliger Vater, und »erlange weiter nichts als Ihren Segen und daß man den Schein zerreiße." Darauf frug SixtuS den Juden: „Bist auch Du zufrieden?" Der Jude bejahte es. Allein Sixtus erwiderte: „Wir sind nicht zufrieden. Welch ein Gesetz erlaubte Euch solche Wetten? Die Unterthanen der Fürsten, richtiger alle Menschen, haben nur den Gebrauch ihres Leibes, sie dürfen ihn w-'de: ganz noch theilweise ohne Erlaubniß ihres Oberherrn verkaufen." — Man führte Beide ins Gefängniß; Sixtus verlangte vom Gouverneur schärfste Bestrafung Beider, damit so ärgerliche Wetten unterbleiben. Der Gouverneur schlug dem Papste vor, jeden um lot 0 Scudi zu bestrafen. Allein der Papst verurthertte Beide zum Galgen, weil sie muihwillige Todtschläger seien. Auf Ansuchen der angesehenen Verwandten beider Parteien milderte er die Todes» in Galeerenstrafe, und erst als sie schon die Ketten an den Füßen hatten, verwandelte er diese Strafe in eine solche von 2000 Scadi für Jeden, die zum Bau des Hospitals di ponte sisto verwendet wurd n. sGregvrio Leti, Leben Slxti V. P. II. L. XI. S. 3 (deutsche Ausgab ) 44 ff. Schudt, jüdische Denkwürdigkeiten II. S. 191.] Franz Drake hat Dominica 1586 erobert. Der Kaufmann von Venedig ist nach Henslome's Tagebuch (als „Venetranische Camöoie") »594 zum Erstenmal gegeben worden, 1600 zum Erstenmal in Druck erschienen. (Gervinus, Shakespeare H. 50, Elze, Shakespeare 386 ) Hiermit ist auf das Schlagendste dargethan, daß Shakespeare ein Zeitereigniß — freilich in Umgestaltung der Thaisacven, benutzte, indem er den Christen Seccchi zu einem Juden Sbylok, den Juden Simson Ceneda zu elnem Christen Antonio, den „weisen Daniel" Papst Sirtus in die schöne Porzia verwandelte. Wie hinfällig ist ^somit die Folgerung von Gervlnus (Shakespeare, H. 76 ff.) und Änderen geworden, welche den Shylok als die Persornficat»on des jüdischen Fanatismus, Antonio und Porzia als die Der christlichen Llebe darstellen. Gervinus hält den Shylok für einen „Auswurf der Menschheit" er findet ihn kleinlich besorgt, vorsichtig umschauend, iystemathisch ruhig, innerlich immer adspringend beschäftigt, wie der ächte Sohn seines Geschlechts, kein kleinstes Mittel, kein kleinsten Zweck verschmähend, klügelnd auf den Psennigerwerb.- Diese Verhärtung und Versteinerung spielt — kein Gervinus — in ihm fort, bis er auf der Spitze seiner Bosheit in die Grube fällt, die er gegraben hat und dann nach den Begriffen des Zeitalters in den Handlungen Antonto'is