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Der Israelit · 1879-11-26 · Heft 48 (26.11.1879) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 48 (26.11.1879)
Date
1879-11-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
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1281 daran, mir Ihre Gastfreundschaft zu bezeugen. Sie wollten mir und meinem Begleiter, Grafen Rosenberg, Obdach und eine allerdings sehr mäßige Kost anweisen." „Euer Majestät!" rief der Baron entsetzt. „Sie haben mich ja nicht gekannt", fuhr der Kaiser gutmüthig fort, „ich habe es Ihnen ja schon gesagt, Sie können vollkommen überzeugt sein, daß ich Ihnen darüber nicht im Mindesten zürne — aber ich will, da Corronini mit dem Postwagen da ist, weiter fahren — ich habe nur noch einige Geschäfte zu ordnen, und Sie gestatten wohl, Herr Baron, daß ich diese hier sofort erledige." „Majestät! Mein Leben, mein Vermögen, mein Gut, Blut ist Allerhöchstihnen gewidmet." In dem Augenblicke fiel es dem verwirrten, befangenen Pellwald ein, daß der Kaiser für Jakob Leipnik die erledigte Judenfamilie gewünscht hatte, und er beeilte sich nun zu sagen: „Euer Majestät, haben es allergnädigst auszusprechen geruht, daß dem Jakob Leipnik die auf meiner Herrschaft erledigte Judenfamilie verliehen werden soll, und es versteht sich ganz von selbst, daß ich in gebührender pflichtschuldigster Obedienz, dem allerhöchsten Befehle gehorsame, und dieselbe auf Jakob Leipnik — ohne jede Vergütung übertrage." Der Kaiser hatte, wie er zu thun pflegte, die Hände auf den Rücken gefaltet, und hielt sein Haupt ein wenig gesenkt; jetzt erhob er dieses und mit einem vielsagenden Blick, der dem Baron durch Mark und Bein drang, erwiderte er: „Mein Baron, ich nehme dieses schwere Opfer nicht von Ihnen an. Ich bereise meine Staaten, — wie Sie wissen und sich zu überzeugen Gelegenheit hatten — incognito, um meinen Beruf, die Regigrung, eines großen R 'iches, auch praktisch zu erlernen, die Verhältnisse in meinen Staaten, namentlich die bestehenden Uebetstände genau kennen zu lernen und sie nach Kräften zu beheben. Meine Feinde — und ich besitze deren viele, behaupten, ich wäre ein Gegner des Adels — das ist nicht wahr, — ich will nur die Ausschreitungen desselben bekämpfen. Sehen Sie Baron Pellwald, die Herren Barone in meinen Staaten wollen auf ihren Gütern den Monarchen spielen, — aber der Grundherr hat nicht nur Rechte, er hat auch Pflichten, er muß ja auch für das Wohl seiner, Ünterthanen, das in seine Hände gelegt ist, väterlich sorgen; — aber die Herren benützen nur das was sie als ihr Recht anerkennen; aber sie wollen von den ihnen auferlegten Pflichten nichts wissen! Sie betrachten ihre Ünterthanen als Nutzvieh, das sie in ausgiebigster Weise und in jeder Richtung verwerthen, denen sie das Mark aus den Knochen, das Blut aus den Adern saugen würden, — aber sie kümmern sich nicht um ihre Wohlfahrt! — Sehen Sie, dieser Jakob Leipnik da, den ich erst heute, vor wenigen Stunden, das Erstemal gesehen, ist — ich bin Menschenkenner und irre mich nicht, ein braver redlicher Mensch; aber er hat daS doppelte Unglück, ein Jude in Mähren und Ihr Unterthan zu fein; er li-bt ein Mädchen, das seine Neigung erwiedert und ohne Zweifel derselben auch würdig ist; — aber ein Gesetz, das jetzt noch in voller Kraft besteht, und das ich leider in dem Momente nicht alleinaufheben kann, beschränkt die Zahl der Judenehen, in einer Weise,- die — das können Sie versichert sein, — bei einer kommenden, vernünftigen erleuchteten Generation keinen Beifall, vielmehr den verdienten, härtesten Tadel finden wird; — allein die Ausführung, des an und für sich drakonischen Gesetzes darf nicht noch durch Vexation und Erpressung erhöht, verschärft werden. Sie, Herr Baron, haben von einem mittellosen Manne, der Ihr Unterthan ist, für das Recht sich verehelichen zu dürfen, eine Riesensumme. ein Vermögen, gefordert, und wollen, wenn Ihre Habsucht nicht befriedigt werden kann, zwei Ihrer Unterthanen unglücklich machen, und die Familienstelle ohne jede Rücksicht auf Würdigkeit dem ersten Besten, vielleicht auch dem ersten schlechtesten verkaufen; — glauben Sie, daß ein solcher Vorgang mir wohlgefällig sein kann? — wahrhaftig nein! — Ich hatte, als Sie mich noch für Ihren Oberamtmann hielten, geglaubt, Sie würden eine mäßige Forderung, etwa in Form einer Taxe, aussprechen, und die hätte ich i diesem speciellen Falle gerne aus meiner Privat-Chatoulle bezahlt; — aber als ich erkannte, daß Sie mit Ihren Rechten Schacher treiben, daß Sie diese bis zur äußersten Grenze, bis zum Extreme ausnützen wollten, bin ich von der Idee abuegangen; — verkaufen Sie das Glück zweier wackerer Menschen an wen Sie wollen, und ich wünsche Ihnen zu dem Cavaliergeschäfte," ein bitteres Lächeln umschwebte die Lippen des Kaisers, „recht viel Glück"; aber er wandte sich wieder an Leipnik, „trotzdem können Sie doch ganz ruhig nach Hause gehen, und Ihrer Verlobten sagen — daß Sie eine Familienstelle bekommen. Ich werde von meinem Kaiserrechte Gebrauch machen und für meine allezeit getreue Provinz Mähren eine neue Judenfamilie creren; dagegen wird selbst meine allergnädigste Frau Mutter Majestät, die an den bestehenden Verordnungen festhält, nichts einzuwenden haben. Graf Coronini, zeigen Sie gefälligst der Hofkanzlei an, daß ich befunden habe, dem Jakob Leipnik aus Brauschitz eine neue Judenfamile zu verleihen, fügen Sie hinzu, daß er an

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