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Der Israelit · 1879-11-26 · Heft 48 (26.11.1879) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 48 (26.11.1879)
Date
1879-11-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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zum römischen Könige war gekrönt worden, sich nach den Niederlanden begeben hatte, wo seine Anwesenheit vothwendig geworden war; denn Margaretha von Savoyen, des Kaisers Tante — sie war eine Tochter Maximilians, eine Schwester des schönen Philipp —, die in den Niederlanden als des Kaisers Statthalterin regiert hatte, war gestorben, und der Kaiser mußte an Ort und Stelle die Angelegenheiten seiner verstorbenen Tante ordnen und eine neue Regierung einsetzen. Um diese Zeit war die Lage der Welt eine sehr gespannte. Johann Zapolya hatte mit Hilfe der Träten dem König Ferdinand Ungarn entrissen und sich zum Könige ausrufen kaffen. Sultan 'Seligman rüstete sich zu einem gewaltigen Kriegszuge, um die Welt für den Islam zn erobern! Ein Heer von zweimalhundertundfönfzigtausend Mann, eine für die damalige Zeit ganz unerhörte Anzahl, rückte in Ungarn ein, bereit, Alles vor sich niederzuwerfen und den Halbmond überall aufzupflanzen. König Franz von Frankreich pflegte, um Carl Verlegenheit zu bereiten, ein heimliches Einverständniß mit dem Sultan, an den er zwei Unterhändler schickte, und durch diese ihm Unterstützung und Beihilfe, namentlich Geldsubventionen versprechen ließ. — Dabei ängstigte den Kaiser nicht wenig das Zerwürfniß mit den protestantischen Fürsten in Deutschland. Grollend waren die Parteien in Augsburg von einander gegangen, die Protestanten hatten in Schmalkalden ein Bündniß geschlossen und gegen die Wahl Ferdinands zum römischen König protestirt. Was sollte daraus werden, wenn den Kaiser in Deutschland ein Krieg bedrohte, während die Türken vor die Mauern Wien's zogen? Der Kaiser war daher nicht abgeneigt, mit den protej stantischen Fürsten und Ständen zu unterhandeln. Zwei Kurfürsten, der von Mainz und der von der Pfalz, übernahmen die Vermittlung. Albert von | Brandenburg, Kurfürst von Mainz, war, wie wir! ihn ja auch' im Verlaufe dieser Erzählung kennen j gelernt haben, ein milder, billigdenkender Herr,! allen Gewaltmaßregeln abgeneigt, stets für Friede > und Versöhnung stimmend; wiewohl Luther ihn! mehr als einmal tödtlich beleidigt hatte, empfing! und erwiederte er dennoch die an ihn gerichteten! Briese des stets mit Donner und Blitz dareinschlagenden Reformators. Kurfürst Ludwig von der! Pfalz hielt es zwar mit dem Kaiser und hatte bei der Königswahl für Ferdinand seine Stimme abgegeben, war aber im Herzen der protestantischen Gache gewogen. Diese beiden Fürsten knüpften mit den zu Schmalkalden Verbündeten Unterhandlungen an, es besonders hervorhebend, daß alle! Christgläubigen zusammenstehen müßten, um der z gemeinsamen Gefahr, die ihnen von Sekten de- JSlam drohte, energisch entgegentreten zu können. Die protestantischen Fürsten und Stande gingen auf die Vorschläge der beiden Vermitteln um so lieber ein, als sie recht wohl erkannten, daß die Gefahr, welche ihnen von den Türken drohte, die schlimmere sei; aber ste benutzten die Lage der Dinge, um so viel als möglich vom Kaiser zu erlangen. Nach langen schriftlichen Verhandlungen wurde endlich vereinbart, daß zwischen den Führern der Protestanten, dem Kurfürsten von Sachsen und dem Landgrafen von Hessen einerseits und den Unterhändlern des Kaisers, den beiden Kurfürsten von Mainz und von der Pfalz andererseits, eine persönliche Zusammenkunft in Schweinfurt stattfinden sollte. Bald verlautete es, daß unter den Forderungen , welche die protestantischen Stände aufftellten, auch diejenige figurirten, daß der Kaiser die Jaden aus Deutschland vertreibe; man klammerte sich an den Ausdruck „Christgläubige", den der Kurfürst von Mainz, als einen für Katholiken und Protestanten gemeinsamen, gebraucht hatte. Man machte die Befürchtung wieder geltend, daß die Juden den Türken Vorschub leisten würden. Es ist daS ja die alte Befürchtung, die schon Pharao vor vielen Jahrtausenden ausgesprochen hat: Und eS wird sein, wenn uns Krieg treffen wird, so werden sich die Israeliten mit unfern Feinden verbinden und uns aus dem Lande treiben*). — Es ist das eine Befürchtung, die auch noch in unseren Tagen der Judenhaß geltend macht: die Juden werden die Christen verdrängen, beherrschen, unterjochen. — Da auch die Stadt Frankfurt am Main sich der protestantischen Seite zuneigte, so erfuhr man daselbst sehr bald von den Forderungen der protestantischen Stände und von der wohlgegründeten Hoffnung derselben, daß der Kaiser aus Furcht vor den Türken Alles zugestehen würde, was man von ihm verlange. Die Frankfurter Israeliten hatten nichts Eiligeres zu thun. als eine Deputation an Rabbi Joselmann nach Rosheim zu senden und ihn zu bitten und zu beschwören, zum Kaiser nach Brüssel zu reisen, um, wie so oft schon, auch diesmal das drohende Unheil abzuwenden. Es war das nichts Geringes, was man von Rabbi Joselmann verlangte; er sollte, mitten im Winter, in ein Land reisen, in welchem damals *) Siehe Raschi zur Stelle.

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