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Der Israelit · 1879-11-26 · Heft 48 (26.11.1879) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 48 (26.11.1879)
Date
1879-11-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1276 nicht ein einziger Jude wohnte; und das war noch daS Wenigste. Es war viel Schlimmeres zu befürchten als Mangel an Speise und Trank. Kaiser Carl V. hatte in den Niederlanden die spanische Inquisition mit allen ihren Schrecken aufgerichtet. Im Jahre 1522 hatte er das Mitglied des Provinzial- RatheS von Brabant, Franz van der Hulst, als Inquisitor für die Niederlande bestellt; dieser durfte einkerkern, auf die Folter spannen, zum Tode verurtheilen, derart, daß eS gegen seine Urtheile keine Appellation gab. Derselbe Franz van der Hulst, der von Kaiser und Pabst mit so großer Macht ausgestaltet war worden, mußte später, weil er öffentliche Aktenstücke gefälscht hatte, seines Amtes entsetzt werden und sein Heil in der Flucht suchen! Im Jahre 1525 wurden statt seiner drei Inquisitoren bestellt, die sogar die Befugniß hatten, Bischöfe und Erzbischöfe vor ihr Tribunal zu fordern. Und nun wurde lustig darauf los inquirirt, gefoltert, verbrannt, lebendig begraben; oder es wurden die Ketzer in Säcke genäht und ins Meer geworfen. Trotzdem alle diese Dinge weit und breit bekannt waren, scheute Rabbi Joselmann weder die weite Entfernung, noch die Schwierigkeit, in einer von Juden unbewohnten Gegend zu reisen, noch die großen Gefahren, die ihm augenscheinlich bevorstanden. Im festen, unerschütterlichen Vertrauen auf des allmächtigen Gottes Hilfe machte er sich in den ersten Tagen des Monats Schebat auf den Weg, nur von einem Diener begleitet. Derselbe hieß Jakob; er besaß die Beschäftigung, nach jüdischem Ritus zu schlachten und war im Backen und Kochen nicht unerfahren. Nach einem langen und beschwerlichen Ritte kamen der Herr und der Diener am Neumondstage des Monats Ador in Brüssel an; am Stadtthore wurden sie angehalten und nach Stand und Namen gefragt. „Ich bin der kaiserliche Befehlshaber, Joselin von Rosheim", lautete die Antwort, „und dieser hier ist mein Diener". „„Seid Ihr vielleicht ein Bruder des kaiserlichen Hauptmanns Martin von Rosheim?"" fragte Der Thorschreiber. Indem ritt eine „Bande" — Compagnie würden wir heute sagen — schwerer Reiter (Cnirassiere) zum Thore hinaus. „Wer nennt meinen Namen? ' fragte der Anführer derselben, sein Pferd anhaltend. „„Verzeiht, gnädiger Herr,"" sagte derThoi> schreiber, „„hier dieser fremde Herr sagt, er sei der kaiserliche Befehlshaber Joselin von RoSheim; da meinte ich, er sei etwa Euer Bruder."" Der Hauptmann der Cnirassiere lachte hell auf. „Das ist ja ein Jude!" rief er und gab seinem Pferde die Sporen. „„Ein Jude!"" wiederholte der Thorschreiber, und „ein Jude" hallte es in der Menge der müssigen Gaffer wieder, die sich rasch ansammelten. „0's8t un Juif!“ riefen die französisch redenden Wallonen. Rabbi Joselmann und sein Diener mußten von ihren Pferden absteigen; neugierig begaffte sie die Menge; alle diese Leute hatten noch niemals Juden gesehen. „O." rief eine Stimme, „das sind die Schändlichen, die unfern Herrn gekreuzigt haben. Steinigt sie, schlagt sie ans Kreuz!" Der Ruf fand keinen Anklang. „Die Niederländer," so characterisirt der berühmte Hugo Grotius seine Landsleute, „sind ein Volk, das, der Industrie und dem Handel ergeben, auf Erwerben des Geldes und dessen fröhliches Durchbringen bedacht ist; religiöser Fanatismus liegt ihnen fern." Aber die neugierige Menge umdrängte den Herrn wie den Diener; man wollte sich überzeugen, wie ein Jude aussieht; ob es wahr sei, daß'die Juden hinten Schwänze^ hätten gleich den Affen. Ein großer Auflauf entstand. Die Scharwac' e zog herbei und bahnte sich den Weg bis zu den beiden beängstigten. Und als nun der Führer der Scharwache, Pierrot Roth hieß er, erfuhr, daß es Juden waren, die es gewagt hatten, in Brüssel einzureiten, da wurde er zornig. „Juden," schrie er, „das sind Ketzer; die gehören vor das Tribunal meines gnädigen Herrn, des hochwürdigen Dechanten Nicolaus de Monte. Allons, ins Jnquisitions-Gefängniß mit Euch!" Unter ungeheurem Zulaufe des Volkes wurden Rabbi Joselmann und sein Diener in das Gefängnrß abgesührt, das sich in den untern Räumen des der hl. Gertrud geweiheten Klosters befand. (Fortsetzung folgt ) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des „Israelit* große Bleiche 45. I. Gottsleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger). mell 1,56 bach Frai Grv man Fern N.; H. 5 Frä in! Ww hier a. d dieff unte noch das sicht aus Leid Wie auße und gestc Pro nähr bew« tig I Ihät der hing Süh 1 die e in € 2. - in 5 S. Fra Hein 3. - bei Leh D«i

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