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Der Israelit · 1879-11-19 · Heft 47 (19.11.1879) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 47 (19.11.1879)
Date
1879-11-19
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1258 bi. Q’ K* t *1 Lv ■+ An vielen Orten haben sich bereits kleinere und größere Kreise gebildet, die das neugewonnene alte Judenthum achtunggebietend zum Ausdruck bringen, daS Gefühl der Gemeinsamkeit und Zusammengehörigkeit ist doch ein innigeres geworben und tritt bei den mannigfachsten Anlässen in herzerhebender Weise zu Tage. Man hat auch bereits die Vernachlässigung unserer jüdischen Thorawissenschaft als die eigentliche Quelle erkannt, aus der die ganze Misere fließt, unter welcher unsere jüdischen Anliegen leiden und hat Mittel und Wege gesucht und gefunden, um vor allen Dingen hier helfend und fördernd einzutreten durch Gründung von Anstalten, die den Geist der Thora wieder heimisch machen sollen im jüdischen Kreise. Auf solchen Stätten mag das Auge des zesetzestreuen Juden, dessen ganzes Leben in der einen Sehnsucht aufgeht, sein verkanntes Judenthum wiederum als beseligendes Gemeingut aller jüdischen Kreise zu wissen, in der That mit Befriedigung ruhen. Denn diese Pflanzstätten jüdischer Wissenschaft sind die treue Bürgschaft dafür nicht nur. daß es besser werden wird, sondern, daß es bereits besser geworden ist. Wir haben kürzlich Gelegenheit gehabt, eine solche Pflanzstätte echt jüdischer Wissenschaft aus eigener Anschauung kennen zu lernen, und haben eine so volle Befriedigung daraus mitgenommen, daß wir dieselbe gerne auch weiteren Kreisen mittheilen möchten. Denn es ist in der That eine erfreuliche, herzerhebende Erscheinung, die uns hier beschäftigt, es ist das Jüdische Lehrerseminar in Cöln über dessen gegenwärtigen Stand hier einige Notizen folgen mögen*). Vor circa!2 Jahren haben sich einige wackere jüdische Männer vereinigt zur Bildung eines „Vereines zur Unterhaltung eines jüdischen Lehrerseminars." Es gelang diesen Männern für die Leitung des Seminars einen Mann zn acqririren, der durch seine wissenschaftliche und speciell pädagogische Befähigung, vor Allem aber durch seine staunenswerthe Vertrautheit mit der Wissenschaft der Thora sowie durch die herrlichsten Vorzüge eines edlen Herzens und lauteren Characters hervorragt; es gelang in Herrn Rabb. vr Plato eine *) (5s braucht nicht erst bemerkt' zu werden, baß es uns fern liegt, die andern gleiche Ziele verfolgenden Scbwesteranstalten durch Betonung gerade des (5ölner Seminars irgendwie beeinträchtigen zu wollen. Wir Hab n nur deshalb gerade diese Anstalt zum Gegenstand dieser Darstellung gewählt, weil wir das Vergnügen hatten, sic dieser Tage selber zu besichtigen. D. E. j Kraft zu gewinnen, dessen segnender Einfluß sich! allenthalben kundgibt. Ihm würdig zur Seite wirkt Herr Oberlehrer Schwarz schild, während die Angelegenheiten der Verwaltung in Händen von Biedermännern ruht, deren heilige Begeisterung für das Judenthum mit einer wahrhaft rührenden Selbsthingebung zu Tage tritt. Daß bei einem so glücklichen einmüthigen Zusammenwirken auch Gottes Segen nicht fehlt, braucht nicht erst gesagt zu werden. Ein Blick auf Lehrer, Leiter und Schüler dieser Anstalt, läßt diesen aus einer treuen Erfüllung zu Eh e Gottes übernommenen Pflichten fließenden Gottessegen überall erkennen. In dem kurzen Zeitraum von 31//2 Jahren ist die Zahl der Schüler von 8 auf 21 interne und 2 externe gestiegen. Zum Herbst wurden wiederum 7 Schüler ausgenommen. Der Unterricht ist unentgeltlich; für einen Theil der Schüler konnte sogar die Beköstigung ohne Entgelt beschafft werden. Seit August 1877 sind bereits 8 junge Lehrer hervorgegangen, die in verschiedenen Thülen unseres deutschen Vaterlandes segensreich wirken. Obne jegliche staatliche Subvention wird die Anstalt von der Lieve und Opferwilligkeit unserer Brüder und Schwestern auf dem weiten Erdenrund getragen und sie ist, wenn auch nur von dieser einen Seite betrachtet, eine hirrliche, den trotz aller Zerstreuung mächtigen jüdischen Gemeinsinn bekundende Erscheinung, die in der That nicht nur die Aufmerksamkeit, sondern auch die thätigen Sympathien jedes denkenden Juden erregt, dem noch ein jüdisches Herz im Busen schlägt. Ja, jedes Juden! Auch derjenige, welcher die Begeisterung für unsere jüdischen Ideale eingebüßt, kein Verständniß und kein Interesse mehr dafür hat, wenn in das Bollwerk des Irr- und Aberglaubens, des Leichtsinns und der Unwissenheit durch jeden neuen Lehrer, der aus einer solchen Anstalt hervorgeht, eine neue Bresche geschlagen j wird, selbst Derjenige, der für die Verherrlichung! des Judenthnms, die eine solche Anstalt bedeutet, kein Herz hat, für die rein humanitäre Seite dieses Wirkens muß sich jede jüdisch fühlende Brust begeistern! Kinder unbemittelter Eltern zu einem ehrenvollen Berufe anszubilden, sein Scherflein beizusteuern, daß das sociale Elend gemildert werde und die materielle Armuth einen sorgenvelasteten Familienvater, eine kcamerfüllte Wittwe weniger hart zu Boden drücke, dabei das Bewußtsein zu besitzen unserer heiligen jüdischen Sache durch treffliche Lehrer und Erzieher einen ganz einzigen unschätzbar großen Dienst geleistet zu haben, diesen Gedanken braucht der denkende Jude nur sich klar vor-

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