Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1879)
- Date
- 1879-11-19
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XX. Jahrgang. Zweite Leilage zu Ar. 47 des Israelit. Leitendes Artikel. Literarischer Iericht. von Rabbiner David Cohn in Jerusalem. (Selbstverlag des Verfassers.) Die Noth im heiligen Lande hat einen so hohen Grad erreicht, daß sie sich in mannigfachen bedenklichen Symptomen äußert. Viele der Unglücklichen , die besonders mit dem Beginne eines jeden neuen Jahres neue Hoffnungen für eine Erlösung aus ihrer traurigen Lage erwarten, suchen in Glück verheißenden Stellen unserer heiligen Schriften den Zahlenwerth der laufenden Jahreszahl, und glauben dann, wenn sie solche Stellen gefunden haben, ein glückliches Omen für eine heitere Zukunft zu besitzen. Die Enttäuschung, die dann diesen fehlgefchlagenen Erwartungen folgt, erhöht das Unglück der Unglücklichen, und hat selbst für das Gottvertrauen, diesem einzigen Hort der Armen, schädliche Folgen. Dieser Umstand hat den gelehrten gottesfürchtigen Verfasser schon seit mehreren Jahren veranlaßt, das Thörichte solcher Hoffnungen dadurch zu veranschaulichen, daß er aus Bibel und Talmud mit bewunderungswürdiger Virtuosität alle Glück und Unglück verheißenden Stellen zusammenstellt, welche den sogen, ins des laufenden Jahres (v"nn) enthalten. — Für Leute, die ihren Brief gern mit einem schönen die eröffnen, bietet das Büchlein eine ganz erstaunliche Fülle des Interessanten. Beneidenswerth ist die Fertigkeit der Verfassers , Seitenlange Darstellungen in lauter Sätzen zu geben, die die Jahreszahl a"nn revräsentiren. — Wir lassen hier beispielsweise einen Passus folgen, in welchem der Verf. seine eigene, traurige Lage schildert: ’jjrv N'm ,]nP ’jjn» 'ni ,“typsn na Veen my fcoi l'p H’P «Ti , onrpi poa -oyop , »J-pysm ,-ivnv Dss.-p 6«n oirn ,nyi o’srnn ,p-ia 'i's? r^i p'dj 'i'b "i?yt> ,r?pam noiy ,nnsa ’jys djdk ,nau:t> ’^y »am >ni ,iyi nona tc*paiPi , DJ»m onaöa djws »t> )D3 i'n Ditrspi dik bav naun ^pat? , yma ao1? j»n »J»y und na 'a , din Da ^ab tjn nw ,»jy Dn ,0’wbsi odnh ,aya D’Vs-do non ntn »ja ,»noy /di tbD ~D’na> »jiya d»joij Auch enthält die Arbeit interessante geographische und topographische Notizen über das heilige Land und die hauptsächlichsten jüdischen Gemeinden desselben. Eine besonders eingehende Behandlung erfährt der dort herrschende Nothstand und gründliche Vorschläge zur Besserung der bestehenden traurigen Verhältnisse. Der Preis des Buches ist auf 2 Mark festgesetzt, ohne jedoch der Wohlthätigkeit Schranken zu ziehen. Es ist direct zu beziehen unter der Adresse des Verfassers: „Rabbiner David Cohn, Jerusalem." —n. 3eit«vgsnachrichten und Correspondeuzeu. Deutschland. Aus der RheiUprov., 7. Nov. So viel Ernstes und Trübes auch der Blick gewahrt, welcher die jüdischen Zustände unserer Zeit mustert, um so erfreulicher sind andererseits auch die Lichtpunkte, welche wie spärlich auch immer, gerade durch diese Spärlichkeit, im hohen Grade geeignet sind, die Aufmerksamkeit des denkenden Juden auf sich zu ziehen. Diese Lichtpunkte haben ja nicht nur in ihrem eigenen kleineren oder größeren Kreise der Nacht, die sich um unsere jüdischen Heiligthümer lagert, die Herrschaft bereits streitig gemacht, sie sind überhaupt die Garanten und Vorboten des Morgenroths, das jeder von der Ewigkeit seines Judenthums durchdrungener Jude um so sehnsüchtiger erwartet, je tiefer die Finsterniß ist, die ihm Geist und Gemüth zu umschatten droht. Die Kämpfe und Parteiungen innerhalb der deutschen Judenheit, haben Dank der unbeugsamen Festigkeit ihres gesinnungstüchtigen Theiles doch vieles von ihrer ursprünglichen Schärfe verloren, das wahre, einzige Judenthnm, das man gewöhnlich das orthodoxe nennt, hat in demselben hohen Maße an Terrain gewonnen, als die gegnerische Richtung an Boden verloren hat.