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Der Israelit · 1879-11-19 · Heft 47 (19.11.1879) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 47 (19.11.1879)
Date
1879-11-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1252 Pellwald schien sich noch immer nicht über diesen entsetzlichen Disrespect beruhigt zu haben; aber da seine Frau für die beiden Neuangekommenen Partei ergriff, wollte er seine „Moderation" beweisen und wandte sich nun gnädig an Rosenberg. „Also Er will meinen Jungen in die Geheim« nisse der lateinischen Grammatik einweihen? . . . aber in diesem Momente erblickte er auch Leipnik, das war ihm doch etwas zu stark, ein ihm unterthäniger Jude, ungerufen in seinem Schloßgarten! — das war eine vollkommen beispiellose Dreistigkeit! „Was will Er denn da!" brüllte er, „was hat Er unangemeldet da zu suchen?" Ehe noch der erschreckte Jude antworten konnte, ergriff sein Gönner das Wort und sprach: „Hochfreiherrliche Gnaden, ereifern Sie sich nicht, der Mann da ist vollkommen unschuldig an seinem Hiersein; ich habe ihm befohlen mitzukommen; denn ich beabsichtige sofort in seinen Angelegenheiten mit Ihnen zu sprechen. Unter welchen Bedingungen wären Sie geneigt, ihm die auf Ihrer Herrschaft erledigte Judenfamilie zu ertheilen" und da der Freiherr von der ihm fremdklingenden Redeweise seines neuen Oberamtmanns so überrascht war, daß er kein Wort der Erwiderung fand, fuhr der Fremde ruhig fort: „Wie Sie wissen, sind die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen für die Juden hart, mehr als das, grausam, und bedürfen dringend einer Verbesserung, einer wesentlichen Reform; allein es fällt mir nicht im Entferntesten ein, in solange eine solche noch nicht eingeführt ist, gegen dieselben zu handeln, aber ich fordere von Jedermann, der, sei es durch seine Stellung als Beamter, oder durch seine Geburt als Grundherr mit der Ausführung derselben betraut ist, daß er die menschlichste, mildeste Form für diese finde, und ein strenges drakonisches Gesetz nicht noch durch übermäßige Harte zur vollen Unerträglichkeit gesteigert wird. Jakob Leipnik ist auf Ihrer Herrschaft geboren, ist ein unbemakelter, unbescholtener Mann, ist seit sechs Jahren verlobt — warum Herr Baron, wollen Sie ihm nicht die Nummer wenigstens zu einem civilen Preise verkaufen? Ich weiß es, die Judenfamilien auf Ihrer Herrschaft sind Ihr Eigenthum und Sie können dieselben beliebig taxiren; aber ich bitte Sie zu bedenken . . . „Herr und Gott! in welchem Tone untersteht Er sich denn mit mir zu sprechen?!" fuhr der Baron kirschbraun vor Zorn polternd in die Höhe, „das will ich mir allen Ernstes verboten haben! — Seht mal her! das hält' ich hinter dem Malefizkerl, der einen so schönen, unterthänigen Brief schrieb, mein Lebtag nicht gesucht — und kurz und gut! ich mag Ihn nicht zu meinem Oberamtmanne- und seinen Spießgesellen", er deutete auf Rosenberg, „nicht zum Erzieher meines Sohnes, verstanden?^ — und Er kann sich jetzt gleich weiter trollen!" „Es ist mir bei Gott, nicht einen Augenblick eingefallen Ihr Ode amtmann zu werden, lieber Baron Pellwald", lautete die überraschende Antwort, „und Sie bester Rosenberg beabsichtigen wohl auch nickt, Ihr schönstes Mannesalter damit zu verbringen mit dem jungen Baron mensa zu decliniren!" Die beiden jungen Männer erhoben sich nun, als jetzt wieder der Diener unter tiefen Verbeugungen nahte und meldete: „Herr Franz Graf, hochdero unterthänigster neuer Herr Oberamtman und Herr Erasmus Rosenberg, der unterthänige Erzieher des gnädigen jungen Herren sind" so eben angelangt und bitten ehrfurchtsvoll sich ergebenst vorstellen zu dürfen." „Wa .... was faselt Er da?" schrie der Baron, wer ist da?" Der Bediente wiederholte seine Meldung, aber gleichzeitig kamen unter tiefen Bücklingen zwei Männer in höchster Galatracht jener Zeit, mit Puder und Haarbeutel, schwarz befrackt in kurzen seidenen Beinkleidern, seidenen Strümpfen. Schuhen mit silbernen Schnallen, den OKapaau-das unter dem Arm, — langsam die Pappelallee herangestiegen. Der Eine näherte sich dem Baron, ergriff dessen Hand und drückte ehrfurchtsvoll einen Kuß auf dieselbe, während der zweite zur Baronin schritt und derselben mit einem tiefen Bückling die Hand küßte. „Ich segne den Augenblick" begann der Erstere, ein kleiner dicker Mann, „in dem es mir vergönnt ist, meinen hocherhabenen Patron und Gönner seine hochfreiherrlichen Gnaden den Herren, Herren Baron Pellwald, Erbherrn auf Brauschitz — rc. ic. re. — den Gott noch lange erhalten möge, von Angesicht zu Angesicht zu sehen!" „Wer ist Er denn?" „Ich bin Euer hochfreiherrlichen Gnaden ganz ergebenster Knecht und Oberamtmann Franz Graf — und dieser da mein Freund und Studiengenosse und hochdero unterthänigster Knecht und zukünftiger Erzieher der gnädigen jungen Herschaft — Erasmus Rosenberg." Einen Augenblick herrschte das tiefste Schwei-8 gen staunender Ueberraschung in diesem Kreise, und selbst Bollwitz sah einen Moment mißtrauisch auf die beiden jungen Männer, die er unglücklicherweise bei feinem Vetter eingeführt hatte, aber das Lächeln in ihren Zügen beruhigte ihn sofort. Der

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