Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1879)
- Date
- 1879-11-19
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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1253 Baron war keinen Moment darüber im Zweifel, daß er erst jetzt die richtigen Exemplare, den echten Oberamtman und den echten Erzieher vor sich habe, und der Gleichmuth der beiden entlarvten Betrüger erschien ihm geradezu als die höchstpotenzirte Unverschämtheit, er wandte sich an diese. „Also .... Ihr .... Ihr . . . ." dem Baron mangelte jeder Ausdruck um den vollen Umfang seiner Verachtung zum Ausdruck zu bringen. „Menschen! wagt Euch als Oberamtmann und Erzieher bei mir einzufchleichen?! und . . . ." „Pardon. Herr Baron, daß ich Sie unterbreche", sprach jetzt der Pseudoamtmann; aber mit einer so imponirenden Klangfülle des Tones und entschiedener Handbewegung, daß Pellwald unwillkürlich verstummte. „Sie befinden sich in einem gewaltigen Jrrthume! Erinnern Sie sich freundlichst. weder ich noch mein Freund Rosenberg haben es mit einem Worte ausgesprochen, daß wir die Erwarteten wären — wir haben Ihre Vermuthung nicht durch ein positives Wort bestätigt!" Des Barons aufsteigende Wuth, verlieh ihm wieder den Muth, der ihn einen Moment treulos in Stich gelassen hatte und er schrie: „Ah! — ich hätte gleich an seinen hochverräterischen Redensarten, an Seinem frechen Tadel der bestehenden Gesetze erkennen sollen, was für sauberer Vogel Er ist — mein lieber Oberamtmann Graf. Er ist ja der Polizeichef auf meinen Herrschaften, laß' Er sofort diesen hochverrätherischen Filou, der Ihm Seinen ehrlichen Namen stehlen wollte, verhaften!" Der überraschte Amtmannn erkannte sogleich, um was es sich handelte; ein Andrer hatte sich hier unter seiner Maske eingeschlichen, er gerieth förmlich in Alteration und ries: „Er hat meinen Namen gestohlen! ich bin ein ehrlicher Mann^und habe meinem früheren Patron treu und redlich"gedient, daß ich ohne Vermögen von ihm schied — ich kann sagen omnia mea mecum porto!1; ich habe nichts als mein Wissen und meinen ehrlichen Namen — w-che, wehe, dreifaches Wehe!" — dann wandte er sich an den Bedienten, der sich noch in der Nähe befand und sagte, „ich bin noch ganz fremd hier; aber ohne Zweifel gibt eS hier einen handfesten Gerichtsdiener, hole Er denselben und bringe Er auch gleich einen Haufen mit Heugabeln bewaffneter Bauern mit, solche hochverrätherische Namensdiebe pflegen mit Schieß- und Stichwaffen versehen zu sein und müssen durch Uebermacht erdrückt werden!" Diese Bemerkung hatte zur unmittelbarsten Folge, daß der Baron etwas zurücktrat; aber die Energie des Oberamtmann«, gepaart mit sichtlicher Unterwürfigkeit gegen seinen Patron, hatte ihm rasch fein Herz gewonnen, und er winkte dem Bedienten heftig mit dem Kopfe zu, die Befehle des neuen Polizeichefs auszuführen und der Bediente stürzte ab, stieß aber mit einem hochgewachsenen Manne zusammen, der in dem tollen Trubel von Allen unbemerkt die Allee heraufgekommen war. „Wer sind Sie, der Sie unangemeldet hier vorzudringen wagen?" knurrte ihn der Baron an. „Ich habe die Ehre, mich Ihnen als Graf Julius Corronini, Obristlieutenant bei Daun- Dragoner, ihrer apostolischen Majestät wirklichen Kämmerer vorzustellen!" „Die Identität des Herrn Grafen kann ich bestätigen", bemerkte Bollwitz schüchtern, „er war mein Rittmeister." „Ah! da bitt' ich tausendmal für meinen unfreundlichen Empfang um Entschuldigung, Herr Graf!" rief der Baron verlegen, ihm artig die Hand reichend; „aber Sie finden mich eben in einer fatalen Situation. Zwei Filons haben sich bei mir eingeschlichen, der Eine hat sich fälschlich Rosenberg, der Andere Graf ansprechen lassen." Da der Baron die Beiden mit der Hand bezeichnete, konnte kein Zweifel darüber obwalten, wem er diese freundschaftlichen Titel beizulegen beabsichtige. Graf Corronini erblaßte einen Moment heftig, er unterbrach den Baron. „Ich muß Sie dringend bitten, sich zu modo« riren. — der Herr ist vollständig in seinem Rechte sich Rosenberg nennen zu lassen, ich beehre mich hiermit Ihnen meinen geehrten Freund, Herrn Graf Hugo Rosenberg, Obristwachtmeister beim ersten Chevauxleger-Regiment und wirklicher kaiserlichen Kämmerer vorzustellen — . der . . . andere Herr, den Sie kurzweg als „Graf" bezeichnen — bat allerdings auch das Recht sich nach einer seiner Besitzungen Graf Falken st ein zu nennen; — aber das ist nur der Name, den er in seinem Jn, cognito trägt und in diesem so angesprochen wird — in der That aber ist der Herr . . . Seine Majestät der römische Kaiser Josef der Zweite, unser allergnädigster Herr — Mitregent in Oesterreich! — den ich seit vielen Stunden vergeblich auf dem Wege hierher suchte." Zuerst entstand eine Pause tiefsten Schweigens, der höchsten Ueberrafchung, dann aber folgte eine Scene, die jeder Beschreibung spottet. Der Baron stürzte zerknirscht auf den Kaiser hin, und noch an das steife spanische Cermoniell unter Carl den VI. gewohnt, that er einen Fußfall und rief: „Mein allergnädigster Herr und Kaiser! kann mir allerhöchstdero römische Majestät meinen Fehltritt vergeben?!" ch 1) All meine Hab' trage ich bei mir.