Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1879)
- Date
- 1879-11-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1248 treibende Völker, welche die Erzeugnisse fremder Zonen dem ganzen Norden zuführten wodurch die bisherigen Handelsstraßen im Innern Deutschlands verödeten. Zu allem dem gesellte sich noch die Ausbeutung des Volkes durch die großen Augsburger Handelshäuser: die Fugger, die Welser, die Paumgartner, welche den ganzen Handel monopolisirt hatten. Wir wollen dies an einem Beispiel klar machen. In den Augsburger Reichstagsacten von 1550 wird berichtet, daß eine Compagnie der genannten Hauser einen Vertrag mit dem König von Portugal auf indische Waaren: Pfeffer, Zucker rc. abgeschlossen habe, so daß sie den Portugiesen eine große Quantität Waaren zu hohem Preise unter der Bedingung abkauften, daß die Späterkaufenden bedeutend mehr zahlen müßten. In Folge dessen wurde der Preis des Pfeffers, den man um 18 Dukaten per Centner harte kaufen können, auf 40 Ducaten getrieben, und für denZucker mußte man statt 11 fl. mehr als 20 fl. pro Centnrr zahlen. Wenn man nun bedenkt, daß in Deutschland jährlich circa 3000 Centner Pfeffer verbraucht wurden, so kann man sich den, für die damalige Zeit, ungeheuren Gewinn dieser reichen Kaufleute leichtlich berechnen; sie beschränkten sich aber nicht auf die Luxusartikel, sie machten es gerade so mit Eisen, Kupfer, Blei, mit Vieh, Wein, Korn. Sie kauften weit und breit das Korn, wann die Halmen noch auf dem Felde standen, und bestimmten dann willkürlich den Preis. In Folge dessen trat Tbeuerung ein, und wie eS noch heute zu gehen pflegt, nicht Jene, die sie verschuldet hatten, sondern die Juden wurden dafür verantwortlich gemacht. Die großen wie die kleinen Kaufleute sahen in den Juden lästige Concurrenten; die Städte waren in dieser Beziehung mehr vonden Juden gehindert als die Fürsten, und da das Lutherthum namentlich die Städte für sich eroberte, so waren es am Meisten die Lutheraner, die auf die Vertreibung der Juden drangen, und weil sich die Reformatoren vor Allem mit den Städten hielten, so stimmten Luther, Bucer und die Anderen in das judenfeindliche Geschrei mit ein. Während sie für sich und ihren Glauben Duldung beanspruchten, waren sie von der größten Unduldsamkeit gegen die Juden beherrscht. Der auf dem Reichstage zu Augsburg ertheilte kaiserliche Schutznnd Freiheits-Brief, ja selbst die von Rabbi Joselmann proklamirten Gesetze und Verordnungen waren den Judenfeinden ein Dorn im Auge, und sie agitirten fortwährend, um die gänzliche Vertreibung der Juden aus Deutschland dennoch durchzusctzen. Unterdeß war der Reichstag zu Augsburg von 1530, auf den so große Hoffnungen waren gesetzt worden, fast resultatlos vorübergegangen. Erzherzog Ferdinand war nicht zum römischen König erwählt worden, und der Cvnflict zwischen Katholiken und Protestanten hatte sich noch verschärft. Die zum Reichstage versammelt gewesenen Fürsten und Herren zogen, je nach der Partei, zu der sie gehörten, in zwei verschiedenen Richtungen von Augsburg ad. Der Kaiser, sein Bruder und die anderen katholischen Fürsten und Herren zogen über Mainz nach Cöln. Die protestantischen Fürsten und Stände zogen gen Schmalkalden, wo sie ein Schutz- und Trutzbündniß schlossen, um sich, wenn einer von ihnen der Religion wegen angegriffen werden sollte, mit gemeinschaftlichen Kräften zu vertheidigen. Am 5. Januar 1531 wurde Erzherzog Ferdinand von sämmtlichen Kurfürsten mit Ausnahme des Kurfürsten von Sachsen, der gegen die Wahl durch seinen Gesandten pratestiren lietz, zum römis schen Könige gewählt. Die Wahl fand im Kölner Dome statt. Darauf zogen alle die Fürsten und Herren nach Aachen, wo am 12. Januar die feierliche Krönung vorgenommen wurde. Am Tage nach der Krönung erschienen sämmtlich anwesenden Fürsten, Herren und Stände vor dem neuen Könige, um ihm zu huldigen. Auch Rabbi Joselmann als Vertreter der Judenheit deutscher Nation ward zur Huldigung zugelaffen. Gnädig reichte ihm der neue König die Hand, welche Rabbi Joselmann an seine Lippen führte. „Mein lieber Joselin," sprach Ferdinand, „Du hast mir die hohe Würde prophezeiht, deren ich durch des allgütigen Gottes Gnade jetzt theilhaftig bin worden, ich werde mich dessen stets freundlich erinnern." „Mögen Eure Majestät," entgegnete Rabbi Joselmann, „meinen Glaubensgenossen immer ein gnädiger Herr sein unv niemals auf die Stimme der Vcrläumder hören." Am darauffolgendeu Tage reiste Kaiser Carl in die Niederlande ab; König Ferdinand ging nach Wien und Rabbi Joselmann kehrte zu seiner Familie in das Elsaß zurück. (Fortsetzung folgt.) Hierzu drei Beilagen« C Beit gele! ausc man Schr unse die Ries Urth deutl gesu, diese weck» mit tritt. und mati zeiht weist den sein wenn lichet schich und für < gar I der i ist, übers Sinn weise Nach vollei Lehrt spruv wisse. Verantwortliche Nedaction: vr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des „Israelit" große Bleiche 45. I. Gottsleben's Vuchdruckerei (Mainzer Anzeiger).