Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1879)
- Date
- 1879-11-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447797-2447843--16899-2472901- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1243 für den Erwerb vorbereitet, ohne in irgend eine Gefahr zu kommen, den Sabbat entweihen und die Speisegesetze verletzen zu müssen. Die Jünglinge vermählten sich mit gottesfürchtigen Frauen, und den Jungfrauen wurden gottesfürchtigen Männern gegeben. Wie groß sind dagegen heutzutage die Prüfungen nnd Versuchungen! Sie beginnen schon beim Eintritt in die Schule. Da müssen die Kinder meistens am Sabbat und an Feiertagen die nichtjüdijche Schule besuchen, sehen daselbst andere jüdische Kinder den Sabbat entweihen durch Schreiben, Zeül nen und Handarbeiten. Treten die Kinder in ein Geschäft, so hat man die größte Mühe, ein solches zu finden, in welchem der Sabbat nicht zum Wochentage gemacht wird. Und ist ein solches gefunden, wie vielen Verführungen ist der jüdische Jüngling ausgesttzt! Fast noch schwieriger ist die Lage der der Verheiratung der Kinder, wie viele sonst fromme und gvttesfürchtige Eltern straucheln da und haben später nur sich selbst anzuklagen, wenn ihre Kinder und Enkel dem Dienste unseres Gottes verloren sind! Dazu kömmt noch in neuerer Zeit der Militär-Dienst, in welchem die jüdischen Jünglinge vielfach gezwungen sind, den Sabbat und die Speisegesetze zu verletzen. Da werden die Eltern laß und sprechen: Was nützt uns alle Sorgfalt in der Erziehung, der Junge muß ja doch einmal als Soldat den Sabbat entweihen und verbotene Speisen essen? — und koch sollte gerad ' dieser Anlaß dazu beitragen, die Mühe und Sorgfalt zu verdoppeln, damit der jüdische Geist derart erstarke, daß der Jüngling, nachdem der Zwang vorüber, unbeirt und vollständig zurückkehre zu dem Erbtheil der Väter. So hat unser Vater Jakob seinen Sohn Joseph erzogen, daß dieser auch im fremden Lande, unter Götzendienern, unter bösen, lasterhaften, schlechten Menschen den Verlockungen, Verführungen Widerstand zu leisten im Stande war, daß er unter den furchtbarsten Leiden der fromme, tugendhafte, gottergebene Joseph blieb. So wöget Ihr denn, theuere Leser und Leserinnen, Euch unfern Vater Jakob zum Muster nehmen. Es gibt nichts, was sich so lohnt, in dieser wie in der zukünftigen Welt, wie die Mühe und Sorgfalt, welche man aus die wahrhaft jüdische Erziehung der Kinder verwendet. Glücklich die Eitern, derlei', wenn sie Abschied nehmen von ihren Kindern, diese znrufen: Wir dienen Eurem Gotte, wie Ihr ihm gedient habet, dem Ewigen, dem einzigen Gotte! Wir üben freudig und gern, sorgfältig und genau die heiligen Pflichten, die dieser Dienst unseres einziger, Gottes uns auferlegt, wir sind bereit zu heiligen den Namen des Gottes Jakob und den Gott Israels zu verherrlichen! Dann ist der Tod kein Tod, sondern nur ein Abschied; dann leben die Eltern fort in ihren Kindern, wie unser Vater Jakob fortlebt in den Seinen. — Literarischer Bericht. Jahres-Bericht des Rabbiner-Seminars für das orthodoxe Jndentbum pro 5639 vom Curatorium. — Voran geht eine Abhandlung von Dr. A. Berliner: „Beiträge zur hebräischen Grammatik im Talmud und Midrasch." Es dürfte wohl wenig erfreulichere Erscheinungen innerhalb der zeitgenössischen Judenheit geben, als es die Anstalt ist. über welche in dem vorliegenden Jahresbericht berichtet wird. Gegründet und getragen von der Liebe und Begeisterung der edelsten Glaubensgenossen nicht nur Deutschlands, sondern fast aller Theile der Erde, überwacht und geleitet von einem Or. Hildesheimer '"j und einem ihm würdig zur Seite stehenden Curatorium und Lehrercollegium ist diese Anstalt, abgesehen von ihrer inneren, eigentlichen Bedeutung schon durch ihr bloßes Bestehen, der lebendige Ausdruck des jüdischen Gemeinsinns, der G. s. D. in immer weiteren Kreisen rege wird und sich in einer überaus achtunggebietenden Weise in dem Rabbiner Seminar für das orthodoxe Judenthum manrfeftirt. Wenn nun diese Anerkennung und Achtung dem Berliner Rabbinerseminar selbst aus denjenigen Kreisen entgegengebracht wird, die schon vor Jahrzehnten das alte, orthodoxe Judenrhum für todt erklärten, mit welch freudiger Begeisterung müssen erst Diejenigen, die fortschreitende Entwickelung einer Anstalt begrüßen, die in ihrer blühenden Entfaltung mit Recht einen nicht weg zu deutelnden Beweis der ungebrochenen Lebenskraft ihres Judenthums erblicken, und in dem Emporblühen einer solchen Pflanzstätte jüdischer Wissenschaft das Ideal ihres Lebens und Strebens in schönster Verwirklichung erblicken dürfen. Der Bericht des Curatoriums constatirt auch dieses Mal die freudig stimmenden Erfolge in den inneren und äußeren Verhältnissen des Seminars. Trotz bedauernSwerther Todesfälle und der noch immer trüben Geschäftsverhältnisse im Allgemeinen, die natürlich die Beitragsleistnngen beeinflußten kann der Bericht dennoch die treue Anhänglichkeit und Opferfreudigkeit hervorheben, welche die Gönner dieser Anstalt ihr bewahrt haben. Ja ein ansehnlicher Zuwachs von thätigen Gesinnungsfreunden vornehmlich in Oesterreich-Ün-