Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1879)
- Date
- 1879-11-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XX. Jahrgang. Erste Leilage zu tlr. 45 des Israelit. AeituvgSnackrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M.. 23. Oct. Gestern begann der Unterricht in der unter Leitung des Rabbiners Dr. Horovitz stehenden isr. Religionsschule mit etwa 60 Knaben und ebensoviel Mädchen. Die Behörden haben für erstere in der Klingersckule, für letztere in der Petersschule je drei Klassenzimmer eingeräumt. Jede der beiden Abrheilungen zerfällt in vier Klassen. Der Unterricht, welcher Mittwochs und Samstags Nachmittags ertheilt wird, umfaßt Religion, jüdische Geschichte aus der biblischen und nachbiblischen Zeit, hebräische Sprache von den Anfangsgründen bis zum selbstständigen Verständniß des jüdischen Schriftthums, hebräisch Schreiben rc. Es fungiren an der Anstalt, außer dcm Dirigenten, noch zwei staatlich geprüfte, akademisch gebildete Lehrer, zwei Elementarlehrer und eine Lehrerin. Die Zöglinge gehören dem Gymnasium, der Muster-, Wöhler-, Klinger-, Peters-, Bethmann-, Uhland-. Ostend-, Englifch-Fräulein- und anderen den städtischen Behörden unterstellten Schulen an. Frankfurt a M Bei dem Notar Herrn Di-. Schulz haben sich zur Empfangnahme der Reinaä/schen Legate ä. 600 st. 287 Stiftungen und Vereine gemeldet. Darunter befinden sich 80 Stiftungen, die der Verwaltung des isr. Gemeinde- Vorstandes unterstellt sind. Die unter der Leitung der isr. Religionsgesellschaft stehenden Stiftungen wurden überhaupt nicht angemeldet. (Wahrscheinlich, weil das Testament solche Stiftungen ausschloß, die das Talmudstudium befördern. Red.) Bielefeld, 19. October. Gestern feierte unser ältester Mitbürger, der Schirmfabrikant Hr. Jordan, seinen 100. Geburtstag. Er erreichte dies ungewöhnlich hohe Alter in seltener Rüstigkeit und ist noch im Stande, fast den ganzen Tag im Freien zuzubringen. Seit Jahren begegnet man dem jetzt Hundertjährigen zu jeder Tages- und Jahreszeit, bei jedem Wetter auf den Promenaden unserer Stadt, wie er ruhigen, gleichmäßigen Schrittes seine Straße zieht. Der ruhige Gleichmuth, der > sich an seinem Gange bemerkbar macht, wird wahr-! scheinlich sein Begleiter gewesen sein das ganze! lange Leben hindurch und vorzugsweise ihm dazu I verholfen haben, daß er heute auf ein Leben von solcher Dauer zinückblicken kann Hundert Jahre, welche ein Zeitraum! Wie wenigen Sterblichen ist ein solcher Rücklick vergönnt, wie reich muß derselbe sein! Welche Veränderungen in Sitten, Gebräuchen und Gewohnheiten haben sich in dieser Zeit vollzogen, welche Erschütterungen und Kämpfe hat das Leben der Völker durchkosten müssen, wieviel staatliche Gebilde sind zu Grunde gegangen, um neuen Platz zu machen! Das Alles geht "auch an d?n Einzelnen nicht vorüber, ahne ihn in Mitleidenschaft zu ziehen, ganz abgesehen von den eigenen Erlebnissen, die, wie das Leben nun einmal ist, eine hundertjährige Kette von wechselnden Schicksalen, von Freud und Leid, Gewinn und Verlust bilden. Wahrlich eine reiche Vergangenheit hat der Greis hinter sich und einen ruhigen Lebensabend hat derselbe wohl verdient und wie sein ganzes Wesen andeutet, auch gefunden. Möge er sich desselben im Kreise der Seinen noch recht lange erfreuen können! Unter den zahlreichen Gratulanten von Nah' und Fern, die dem hundertjährigen Geburtstagskinde heute ihre Sympathie bezeugten, befand sich auch der Magistrat mit einem Glückwunschschreiben. In der israelitischen Gemeinde fand anläßlich des seltenen Ereignisses ein Gottesdienst statt, der Vorstand beglückwünschte das älteste Gemeinde- Mitglied herzlich und überreichte demselben eine kunstvoll ausgestattete Adresse. Oesterreichisch-Ungarische Monarchie.^ Wien. Dem achtzehnten Jahresbericht des Vereines zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studirender in Wien entnehmen wir: In diesem Vcreinsjahrc wurden uns 384 Gesuche vorgelegt, von welchen nach sorgfältiger Prüfüng der speciellen Verhältnisse und beigebrachten Zeugnisse bloß 266 berücksichtigt werden konnten, und betrugen die Ausgaben bloß für Unterstützungen, Beiträge zu Rigorosen- und Promotionstaxen?c. fl. 2651.50. Unter den von uns unterstützten Studirenden waren 81 Studirende der Medicüi, 67 Hörer der