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Der Israelit · 1879-10-29 · Heft 44 (29.10.1879) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 44 (29.10.1879)
Date
1879-10-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1180 Mosboch hat der Tod in den jüngst verflossenen Wochen eine große Lücke gerissen. Mögen die Männer und Jünglinge daselbst sich bemühen, diese Lücke auszufüllen^ damit der genannten Gemeinde ihr allbewährter Ruhm der Frömmigkeit und Liebe zur Gotteslehre erhalten bleibe, nzro'? pna 121! Feuilleton. Per neue Hberamtmann. Erzählung aus dem dritten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts von S. Koyu, Verfasser von „Gabriel". (Fortsetzung.) „Nun habe ich auch Dich zu fragen, Hanna!" sprach Jakob tiefgerührt „Es ist mir nicht leicht von Dir auf lange Zeit zu scheiden, Du weißt es, Hanna, wie ich Dich liebe, so echt und recht, und wie all' mein redliches Bestreben nur dahin geht, indem ich Dich beglücken möchte, mir selbst das schönste Glück zu schaffen; Du weißt es, Hanna, ich bin ein ehrlicher Mann und Hab' es nie vermocht, leere, falsche Worte zu sprechen, wie manche Andere. -- Du weißt es, Hanna, Du bist meines Lebens Sonne, die meinem freudelosen Dasein Licht und Farbe und Glanz v rleiht, Du wüßt es, ich habe Vater und Mutter nicht gekannt, mein Bruder starb und Du sollst mir Alles ersetzen! — Und nun soll ich auch von Dir scheiden, Dich jahrelang nicht sehen, nicht hören den Ton Deiner lieben Stimme, nicht Deine Worte, die mich so oft getröstet, wenn mich das Elend fast zu tief gebeugt; — und doch Hanna! Du bist ja so klug als edel — Du siehst es ja selber ein.— Der Versuch, Dich zu erringen, ist wohl des schweren Opfers werth? Nicht wahr, Hanna!" „Was Du beschlossen und mein Vater für recht befunden, muß ich als das Richtige erkennen; — geh' mit Gott! ich werde treu ausharren bis Du wiederkommst. Du weißt es ja, Jakob, nebst meinem Vater und meinem Bruder bist Du der Liebste mir auf dieser weiten Welt, — und käm' ein Fürstensohn und wollt' die arme Hanna — ich würd' ihn verlachen und ihm sagen, ich bleibe meinem Jakab treu!" „Gott lohn' Dir diese Worte!" rief Leipnik, „aber Eines will ich Dir sagen, Hanna, — Du weißt es, ich Hab' Dich lieb — es mag wohl thöricht klingen, aber Gott weiß es, es ist genau so, wie ich's sage — ich Hab' Dich lieb — so lang Du lebst. Als Du geboren wurdest — ich war ein Knabe von sechs Jahren — als ich Dich zuerst in Deiner Wiege sah, da hattest Du schon mein Herz gewonnen und oft. wenn ich mit meinem Bruder Lewi — olof hafcholomx) — an Sommerabenden vor unserem Hause in der Judengasse saß und wir, wie Kinder pflegen, kindisch von der Zukunft sprachen, sagte ich: Hanna wird mein Weib, sonst will ich keines haben! — und Gott weiß es — nicht einen Augenblick ist diese reine warme Neigung in meinem Herzen erloschen, c^ber", Jakob holte tief Athem, „da sei Gott vor, daß ich Dich für ewig binden wollte — nicht länger als drei Jahre —, es ist das eine lange Zeit — sollst Du warten! Bin ich von heut in drei Jahren nicht zurückgekehrt, so bist Du frei! Eine Sünde wäre es von mir, wollt' ich verlangen — weil es mir nicht gelungen, eine Stelle in dieser Welt zu er-1 ringen — daß Du ewig Dein Leben vertrauern I solltest! Du bist schön, gut, klug, fromm und der! reichste Mann in Mähren wird sich glücklich schätzen, 8 wenn Du ihm Deine Hand wolltest reichen, — nein, Hanna, für ewig will ich Dich nicht binden, ich hab's gesagt — bin ich in drei Jahren nicht zurückgekehrt — so bist Du frei! — und mich wird's herzlich freuen, wenn ich erfahre, daß Du mit einem würdigen Manne glücklich geworden bist!" Jakob mußte sich abwenden, der starke Mann schämte sich der aufsteigenden Thränen. Hanna schüttelte den Kopf. „Nein, Jakob, das nicht, Du wirst mein Gatte — oder keiner, glücklich kann.ich nur an Deiner Seite werden!" Jakob wollte etwas erwidern, ein unverständlich halbes Wort entschlüpfte seinen Lippen; aber Mosche, der bisher aufmerksam, doch schweigend dem Gespräch gefolgt, begann: „Ich bin nicht klug, ich bin ein armer, blinder, unwissender Mann, ich habe ja nichts lernen können; — aber ich habe doch oft in der Schule und in der Synagoge zugehört, wenn Chumisch^) und Gemoreb) gelehrt würde, oder der Rabbi in der Synagoge Deroschaus^) hielt — und wenn ich oft stundenlang in banger Nacht — mein ganzes j Leben ist ja nichts anderes, als eine lange banges finstere Nacht — so für mich hindenke, so kommen^ mir zuweilen Gedanken, wie sie Euch andern, die j Ihr was anderes thun könnt, als bloß müssig ' denken — nie durch den Kopf fahren. Gerade ■ 1) Der Friede sei mit ihm! wird von Verstorbenen gesagt. ~ 2) Bibel. 3) Talmud. M 4) Vorträge. Jj

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