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Der Israelit · 1879-10-29 · Heft 44 (29.10.1879) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 44 (29.10.1879)
Date
1879-10-29
Page
– (sequence 13)
Language
German
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1181 ng ar rst rz »er en lr, 'ft lst stob ch ei )u ht re ir;n 1 er I n, I ht ch >u!" m la >u ch drr ib ki-!lt le 2) in ch :s;e 'N ie >C : wenn ick mich zuweilen gar so elend und unglücklich fühle, überkommt mich plötzlich, ich weiß selbst nicht warum, wie so? — ganz ohne Grund und Ursach, mir selbst ganz unbegreiflich, ein frohes glückliches Gefühl — das Bewußtsein, daß eS einen grundgütigen, barmherzigen Gott gibt, der auch mich Armen nicht bloß zum Elend erschaffen, der mich einst beglücken wird! — und so ist mir auch jetzt plötzlich im stefen Trübsal und im Mitleid um Euch, ein Gefühl der Hoffnung und des Trostes überkommen, — ich, der arme, unwissende, blinde Mosche sag' es Euch, Ihr klugen Leute; — an Einen scheint Ihr zu vergessen, an den lieben Gott, der helfen kann, wenn er nur will. — Ich bin ein dummer, unwissender Mensch, aber als der Landrabbiner Reb Verschon Pulitz vor drei Jahren hier gewesen, da hat er in unserer Synagoge eine Deroscho abgehalten, die hat mir sehr gut gefallen und ich Hab' mir jedes Wort gemerkt, und da hat er auch eine dunkle Talmudstelle erklärt: Seitdem der Gottestempel in Jerusalem zerstört wurde, ist die Profetie nur Kindern und Narren verliehen worden^). Der Landraw hat die Stelle wohl schön gedeutet und erklärt, — Ihr wißt es ja, Ihr wäret ja anwesend — aber in dem Augenblicke glaube ich einer jener Einfältigen zu sein, der, wenn auch sein Körperauge blind, doch voll Hoffnung auf Gottes Güte profetisch in die Zukunft blickt — und ich, der einfältige Mosche, sag' es Euch, Gott wird Euch beiden helfen." „Renn Dich nicht einfältig, mein lieber Sohn! Du bist es nicht!" sprach Beit Weritfch und helle Thränen flössen über seine Wangen, „Du bist eS nie gewesen, und die Trostesworte, die Du jetzt gesprochen, haben mir die Seele erwärmt." Jakob aber schüttelte wehmüthig den Kopf, ergriff Mosche's Hand und sprach: „Ich danke Dir, aber da müßte Gott ein Wunder thun!" „Wenn Hakodosch boruch hu''') Dir helfen will, so brauchst Du Dich um die Mittel nicht zu sorgen, kennst Du das alte Wahrwort nicht? Jeschuas Elokim beherew Ajin?) — wenn Gott nur will, kannst schon morgen glücklich sein!" Jakob hatte etwas zu erwidern; aber Hanna schüttelte abmahnend ihren Lockenkopf, er möge Mosche nicht durch Wider pruch reizen, und Veit Weritsch sagte: „Nachdem du den Entschluß gefaßt und wir alle ihn billigen, handelt es sich nur darum, wann Du Weggehen willst?" „Ich glaube je eher dies geschieht, desto besser 5) Bobe bathra fol. 12. b. 6J Der Heilige, gelobt sei er! 7) Gottes Hilfe kann in einem Augenblicke werden. > ist's. Ihr wißt es, meines Bruders Wittwe, die! ich bisher unterstützen mußte, hat in der jüngsten! Zeit von ihrem kinderlosen Onkel in Trebitsch ein kleines Vermögen geerbt, sie bedarf nun meiner Beihilfe nicht mehr; der Gedanke, nach Ungarn zu gehen, war schon ziemlich lange in mir vorbereitet und wurde nur durch die letzte Abweisung des Barons vollkommen zur Reife gebracht; und so habe ich meine kleinen Geschäfte hier und in der Umgebung so abgewickelt, daß ich — schon morgen früh Weggehen kann/' „Schon morgen früh?" frugen Hanna und Mosche überrascht wie aus einem Munde; aber der Vater entschied rasch: „Jakob hat recht, wenn man schon für längere Zeit scheiden soll, soll's rasch geschehen." „Morgen früh um vier Uhr gedenk' ich aufzubrechen; — wenn ih scharf zugehe, befinde ich mich schon morgen Nacht auf ungarischem Boden. Ick habe mir ein kleines Sümmchen erworben und erspart, daß ich so lange leben kann, bis ich drüben in Ungarn einen ehrlichen Erwerb gefunden." „Dann sehen wir uns noch morgen früh," sprach Veit Weritsch, „ich glaube, wir, ich und meine Kinder, werden heute Nacht nicht allzuviel schlafen — morgen früh treffen wir uns vor dem Dorfe auf der Straße, die nach Ungarn führt." Fünftes Kapitel. Es war ein heißer Julitag, als Jakob Leipnik seine Heimath verließ, um in der Ferne die Mittel zu einem bescheidenen Glück zu suchen, das er zu Hause nicht zu finden vermochte. Am frühen Morgen hatte er sich von seiner Verlobten, deren Vater und Bruder verabschiedet, Hanna hatte sich gefaßt benommen und der kluge Weritsch hatte, um den peinlichen Moment abzukürzen, zur raschen Trennung gedrängt. Leipnik schritt nun rüstig aus; aber kaum war sein Heimathsort seinem Gesichtskreise entschwunden, als ihn ein eigenthümliches Gefühl der Entmuthigung, der Verlassenheit, der Vereinsamung überfiel. Die eilf Decennien, die seit dieser Zeit über die Welt geschritten, haben auf dieser und in dieser so wunderbar merkwürdige Veränderungen l,ervorgerufen, daß selbst die lebendigste Phantasie sich kaum in die baroken Zustände jener Zeit zurückzuversetzen vermag. Die damalige Stellung des Juden in den österreich-deutschen Erblanden war eine eigenthümliche. Schon durch den gelben Fleck am Aermel von der Bevölkerung unterschieden, war er auch schon dadurch der allgemeinen Mißachtung preisgegeben; das Maß der ihm vom

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