Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1879)
- Date
- 1879-10-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1175 tigkeit gewesen, wie der, welcher vom 15. April l bis zum 19. Nov. 1530 in Augsburg tagte. Hier platzten die Geister aufeinander; den gelehrten : Lutherischen Theologen und Juristen, die wir be- ► reits oben genannthaben, standen nicht mindergelehrte , katholische gegenüber: der päbstliche Legat, Cardit nal Compejus und die Doctoren Johann Eck, Cochläus und Nausea. Auf diesem Reichstage , ließen die Lutherischen Fürsten und Städte ihr , neues GlaubenSbekenntniß, das Melanchton verfaßt t hatte, vorlesen. Das ist die berühmte Augsburger , Konfession, welche die Grundlage der neuen Kirche wurde. Dieselbe war von einer ganzen Reihe von Punkten, welche Beschwerden gegen bestehende Mißbräuche enthielten, begleitet. Auch die Juden mußi ten herhalten, um die Beschwerden gegen die bestehende Kirche recht gehässig zu machen. Als vierter Punkt der Beschwerden gegen die Erzbischöfe, Bischöfe und die Geistlichkeit überhaupt figurirte Folgendes: 4) wie der Judenwucher durch geistliche Gerichte bekräftigt werde, indem, wenn die weltliche Obrigkeit zu solchem Wucher nicht helfen wollte, die Juden die geistlichen Gerichte anrufen, und hier die Christen vermögt würden zu bekennen oder zu beschwören, ihrer Schuld liege kein Wucher zu Grund, während die Richter doch wüßten, wie es offenbar, daß die Juden ohne Wucher nicht leiheten, die armen Christen daher aus großer Noth zu ihrem Schaden meineidig schwörten, und daß, wenn dergleichen Verhandlungen von den ordentlichen Gerichten nicht zugelassen würden, die Bischöfe und Prälaten solche doch zuließen." Es wurde eine Commission eingesetzt, um die Augsburger Confession zu prüfen, respective zu widerlegen und Rathschläge zur Abhilfe in Bezug auf die Beschwerden zu ertheilen. Rabbi Joselmann begehrte, zu der Commissionssitzung zugelassen zu werden, in welcher über die Juden verhandelt würde. „Meine gnädige Herren", redete er die Mitglieder der- Commission an, als er vor diesen erschien, „man beschuldigt die Juden des Wuchers, man setzt voraus, daß kein Jude Geld herleihe 8 ohne Wucherzins, selbst dann, wenn der Christ es beschwört, daß keine Bewucherung geschehen sei, man brandmarkt den Namen Jude, als sei er mit Wucherer gleichbedeutend — meine gnädigen Herren, man thut den Juden damit ein großes Unrecht. Meine Voreltern in Palästina waren ein Ackerbau treibendes Volk; Naphtali bebaute seine Felder, Ascher pflanzte Oelbäume, Juda pflegte seineWeinberge, Reuben, Gad und Menasseh hatten große Heerden, Viehzucht und Weideland, Sebulon fabricirte meistens Glas und Kristall aus dem Sande seines Gebiets und färbte wollene Gewänder mit dem Safte der Purpurschnecke, die das Meer an seine Ufer spälte; so lebte ein Jeder feiner Hantierung und seinem Gewerbe, während Zsachar die Wissenschaften pflegte und aus Simeon und Lewi die Kinderlehrer und Priester hervorgingen. Erst seit der Zerstörung der heiligen Stadt Jerusalem und der Zerstreuung Israels über alle Nationen und Länder hat man uns die bürgerliche Hantierung, die Beschäftigung mit Ackerbau und Viehzucht versagt, hat uns gezwungen, durch den Kleinhandel und durch Zinsnehmen unfern Unterhalt zu erwerben. Meine gnädigen Herren, meine Brüder und Anverwandten müssen doch leben und ihr Brod erwerben. Gebet ihnen andere Beschäftigungen, erlaubt ihnen, Grund und Boden zu erwerben, Handwerke zu erlernen und zu betreiben, so wird kein Jude mehr Geld auf Zins leihen. Seine Majestät, der Kaiser, haben mich Armen zum Befehlshaber meiner Brüder ernannt; an meiner Seite stehen die Vorsteher und Rabbinen der Gaue; ich verspreche Euch, meine gnädige Herren, Jeden, sei es Jude oder Jüdin, mit dem Banne zu belegen und hart zu bestrafen, der fürder Geld auf Zinsen leiht, sobald ihr alle andern bürgerlichen Nahrungszweige und Hantierungen uns gestattet." „„WaS verlangst Du, Jude!"" rief der Probst Faber von Wien, „was würden die Zünfte und Innungen dazu sagen, wenn wir den Juden das Handwerk freigeben möchten?"" „„Und gar Grund und Boden soll der Jude besitzen,"" höhnt Levinus von Veltheim, des Kurfürsten von Mainz Geheimer Rath, „„warum verlangst Du nicht, daß der Kaiser alle Juden zu Rittern schlage und ihnen Lehen und Erbe verleihe?"" „„Deßhalb ist meine Meinung,"" sprach Doctor Georg Brück, des Kurfürsten von Sachsen Kanzler, „daß es der Kaiser mache, wie mein gnädiger Herr und die Juden alle aus dem Lande verweise."" „Meine gnädige Herren," entgegnete Rabbi Joselmann, „Ihr Alle habt es gehört, daß das des KaisersMajestät Wille nicht ist. Unser allergnädigster Herr will die Schutzbriefe und Privilegien bestätigen. Der Kaiser wird sein hohes Wort nicht brechen. Ich aber will Euch einen Vorschlag machen. Ich will die Rabbinen und Vorsteher aus allen Gauen des deutschen Reichs hierher nach Augsburg kommen lassen. Wir wollen dann für