Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1879)
- Date
- 1879-10-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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1173 Man bedauerte allgemein, daß die Zeit zur collegialischen Besprechung so kurz zugemessen war und einigte sich, die nächste Vereinsversammlung, die wahrscheinlich am nsion ronn stattfindet, schon Vormittags 9 Uhr zu beginnen. Ein gemeinschaftliches Gebet schloß die erste Versammlung unseres jüdischen Lehrervereines. N. Eschwege. Burgpreppach (Bayern)*). Der Unterzeichnete als Präsident des Vorstandes des hiesigen Talmud- Thora-Vereins, als Gründer und Leiter desselben erachtet sich für verpflichtet, den Mitgliedern dieses Vereins, den zahlreichen Gönnern und edlen Freunden dieses Unternehmens hiedurch mitzutheilen, daß es nun endlich gelungen ist, nachdem viele Schwierigkeiten, die hindernd in den Weg getreten, beseitigt worden sind, die Anerkennung des be. sagten Vereins von dem Königlichen Bezirksgerichte in Schweinfurt zu erlangen. Es wird nun der Grundbesitz des Vereins, der in 2 Häusern besteht, die einen Werth von mehr als 25000 Mk. haben, nunmehr auf dessen Namen eingetragen werden, und kann jetzt in jeder Weise eine größere Thätigkeit entfaltet werden. Der Vorstand hat daher den Beschluß gefaßt, ein Anlehen von 5000 bis 6000 Mark bei einer Bank auf Annuitäten aufzunehmen, um mit dieser Summe alle noch vorhandenen Schulden und notwendigen Ausgaben zu berichtigen, welche theils von einer Hypotheke, die noch auf dem früher schon acquirirten Hause haftet, theils von dem im vorigen Jahre begonnenen und in diesem Jahre vollendeten Neubau eines in jeder Beziehung vollkommen entsprechenden Unterrichtslocals herrühren, damit von jetzt an und weiter alle Beiträge, Spenden rc.. nachdem das Honorar der Lehrer entrichtet, der Unterstützung von würdigen, unbemittelten Zöglingen gewidmet werden können. Die Anstalt, die sich einer Frequenz von Imehr als 60 Zöglingen aus allen Gegenden Deutschlands erfreut, die jedenfalls die besuchteste derartiger israelitischer Schulen in unserem Vaterlande ist, war zu unserem großen und innigen B'dauern durch die beschränkten Mitel, über die sie disponirte, sehr häufig in der traurigen Lage, Gesuche um Aufnahme von braven, gut empfolenen Eltern, von mittellosen Wittwen und total verlassenen «Waisen zurückweisen zu müssen. Um diese Calamität zu beseitigen, um unseren engen Wirkungskreis zu erweitern, um kräftiger dazu beitragen zu können, daß der noch immer große Mangel an tüchtigen *) A n m. d. Red. Durch ein Versehen unsrerseits ist dieser Aufsav;u unserm Bedauern verspätet worden. und charakterfesten Lehrern rasch aufhört und die vielen vacanten Elementar- und Religionslehrerstellen bald besetzt werden, erlauben wir uns die bisherigen Mitglieder des Talmud-Thora-Bereins, die würdigen Freunde und Gönner dieses Unternehmens zu bitten, uns für die Folge des Wohlwollens und die edle Opferbereitwilligkeit, die sie bisher uns gewidmet, ungeschwächt erhalten zu wollen, und an alle theuren Brüder und Schwestern, die wahre und opferbereitwillige Sympathien hegen für die Förderung solcher Anstalten, derer Tendenz ist, Religiosität, Wissenschaft und Bildung zu verbreiten, die aber bisher unserer Anstalt ferne gestanden, richten wir das dringende Ersuchen: tragen Sie nach Kräften ihr Scherflein dazu bei, daß ein Unternehmen, das seine Existenz nur de« erhabensten und heiligsten Motiven verdankt, das nur nach allgemeiner Verbreitung der größten und edelsten Güter strebt, so situirt werde, daß es den Kreis seines Wirkens stets erweitern könne. Wir haben auch Ursache mit den bisher erzielten Resultaten zufrieden sein zu dürfen. So haben 8 von unseren Zöglingen, die sich theils in der Vorbereitungsklasse und theils im ersten Seminarkurs der Lehrerbildungsanstalt in Würzburg befinden, nach einem vor Kurzem erhaltenen Berichte, 3 ihre Jahresprüfung mit Note I und 5 mit der Note II bestanden. Herr Rabbiner Dr. Plato Direktor des jüdischen Seminars für Rheinland und Westphalen ließ vor wenige» Wochen durch ein Mitglied des Curatoriums des erwähnten Seminars, das einen Anverwandten zu seiner Ausbildung hierherbrachte uns mittheilen, er sei mit 3 Zöglingen unserer Anstalt, die dort ihre Fortbildung erhalten, in jeder Weise sehr zufrieden. Herr Distrikts-Rabbiner I. Adler in Kitzingen, der vorige Woche 172 Tag lang in allen hebräischen Disciplinen eine sehr eingehende Prüfung mit allen Klassen vorgenommen, versicherte uns, daß er mit den Leistungen in jeder Beziehung sehr zufrieden sei. Unsere Herrn Kollegen und die Cultusvorstände, die uns so oft Knaben aus ihren Distrikten und bezüglichen Gemeiden zur Aufnahme und besonderer Berücksichtigung empfohlen, müssen wir darauf aufmerksam machen, daß wir nur dann ihre Intentionen erfüllen können, wenn sie sich mit allem Eifer bemühen, für eine kräftige und allseitige Unterstützung unserer Anstalt zu agitiren. Wir sind von der erhebenden Ueberzeugung beseelt, daß bei dem überall lebhaft pulsirenden Wohlthätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen ihre Be-! mühungen für einen solchen Zweck sich bald des erwünschten Erfolges rühmen können. A. Hirsch, Distrikts-Rabbiner.