Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1879)
- Date
- 1879-10-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447797-2447840--16814-2472813- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Armen und Nothleidenden rc. im heiligen Lande 3805 Mark 86 Pfg. abgesendet. Die Summe der von uns zu obigen Zwecken in diesen Jahre gesammelten und überschickten Gelder beträgt nunmehr 36,609 Mk. 99 Pfg. Die von Odessa aus abgegangene Getreide- Sendung ist glücklich in Jerusalem angelangt und bereits zu billigen Preisen an die Bedürftigen verkauft worden. Die Getreide-Preise sind in jüngster Zeit wiederum sehr gestiegen, und mit Angst und Zagen sehen die Bewohner der heiligen Stadt dem herannahenden Winter entgegen. Es wäre sehr zu wünschen, daß die reichlich eingehenden Spenden wohlthätiger Glaubensgenossen das Central-Comite in Amsterdam in den Stand setzen möchten, noch einige Getreidesendungen von Europa aus zu veranlassen, bevor die Schiffahrt des eintretenden Winters halber geschlossen wird. Höchberg (bei Würzburg), Anfangs Marcheschwon. Schon vor fast sieben Jahren habe ich in diesen geschätzten Blättern dargethan, wie nothwendig ein jüdischer Lehrerverein für uns — Bayern — sei (Jahrgang 14, Nr. 2), und dem Zustandekommen eines solchen das Wort geredet. Wie es so oft geschieht, ward auch jener Artikel gelesen und — unbeachtet gelassen. Es blieb beim Alten, und jeder jüdische Lrhrer sorgte, so gut es ging, für sich, ohne sich um seine College» zu kümmern. Die Religionslehrer wurden und werden bei uns von der Königlichen Regierung bestätigt — und das ist Alles. Wie es mit deren Gehalt, mit deren Zukunft, mit deren Hinterbliebenen, wie es mit dem Religionsunterrichte bestellt ist, dies scheint dem Staate nicht beachtenswerth. Aber die jüd. Elementarlehrer? Wie rechtlos diese behandelt werden, mögen folgende Thatsachen neuesten Datums beweisen. Verwirklicht sich das Ideal eines Religionslehrers, indem er eine Elementarlehrerstelle erhält, dann muß er in die Wittwen- und Waisenkaffe vom Tage seines Seminaraustritts an nachzahlen, während dessen Dienstzeit hinsichtlich der Bestimmung seiner Alterszulagen vom Tage au gerechnet wird, da ihm die Elementarlehrerstelle übertragen wurde. Um die Uebelstände soviel als möglich zu beseitigen, erließen die Herren Lehrer' A. Blum, Würzburg; L. Ehrenreich, Kissingen; W. Reumann, Burgpreppach; I. Schlenker, Würzburg; M. Unna, Würzburg mit dem Unterzeichneten Mitte Septbr. ein Circular an sämmtliche Collegen Untersrankens, worin dieselben auf den 6. Oktober nach Würzburz zu einer Besprechung eingeladen wurden, um einen jüdischen Lehrerverein zu gründen, der sich die Vertretung jüdischer Lehrerinteressen nach Außen, gegenseitige Verständigung über innere Angelegenheiten, materielle Hebung der jüd. Lehrer durch Unterstützung an bedürftige Collegen resp. an deren Hinterbliebene zur Aufgabe stellt. An genanntem Tage — niD'D n"m 'j '3 er — trat das erwähnte prov. Comits Vormittags von 10—12 Uhr zu einer Vorberathung zusammen, worin dasselbe die vorzulegenden Statuten besprach und als Vorsitzenden für die Nachmittags ftattfindende Besprechung den als verdienstvollen Kämpfer für das unverfälschte Judenthum und als bewährten Schulmann rühmlichst bekannten Herrn Direktor Stern wählte. Nachmittags 1 Uhr fanden sich die Theilnehmer derselben im Hotel Goldschmidt ein und war Jeder ob der zahlreichen Betheiligung überrascht. Es waren 38 Lehrer erschienen. Nachdem nun obengenannter Hr. Seminarlehrer I. Schlenker die Versammlung eröffnet hatte, begrüßte der Herr Vorsitzende die Anwesenden mit einem herzlichen D’ion o'Dna, führte dann in beredten Worten die Gedanken aus, von denen das Comitö beseelt gewesen, da es die Anregung zu der Vereinigung gegeben, betonte, daß die jüdischen Lehrer in der Jetztzeit, da die Wogen des myicn im Vereine mit denen des Unglaubens Jakobs Erbe zu verschlingen drohen, am ersten berufen seien, pEü noiy zu sein, was am besten durch gemeinschaftliches, einheitliches Vorgehen gelingt und gab schließlich seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Versammelten durch ihr zahlreiches Erscheinen herrlich bekundeten, wie rege ihr Interesse für die gute Sache sei. Ungetheilter anhaltender Beifall lohnte den begeisterten Sprecher. Hierauf wurde zur Wahl eines Sekretärs geschritten. der dann die Namen jener Collegen, die verhindert waren, an der Besprechung theilzunehmen, sich aber größtentheils bereit erklärten, dem zu gründenden Vereine beizutreten — es waren ihrer 25 — und den Statutenentwurf verlas. Dieser gab zu einem recht regen Gedankenaustausch Veranlassung und wurde schließlich, da die vorgerückte Zeit (es'war bereits 4 Uhr geworden) zum Schluffe mahnte, einer Redaktion, dem prov. Comitä im Vereine mit dem Herrn Vorsitzenden, zur Revision übergeben, um ihn dann in den Vereinsorganen — als solche wurden der „Israelit" und der „Israel. Boten" gewählt — den Vereinsmitgliedern zur Kenntniß zu bringen. Als die eigentliche Gründung des Vereins beschlossen war, traten sämmtliche Anwesenden demselben als ordentliche Mitglieder bei.