Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1879)
- Date
- 1879-10-22
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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1158 Reformthätigkeit eines Mannes gehabt hat, der unstreitig der größte und intelligenteste Führer der Partei war. ES ist uns durch diese Brieffammlung ein Blick hinter die Coulissen gegönnt und Wir sehen da, wie Scharfsinn und Lift, Pastorale Klugheit und Verstellungsrunst im Verein bemüht sind, das Volk zu dupiren, einen „Schwankzustand" herbeizuführen, in welchem das Volk in seiner Noth zur Zuflucht zu den hochweisen Herren gezwungen worden waren um sich ihnen auf Gnade und Ungnade zu ergeben. Daß das, was man geplant sich nicht erfüllt hat, nun das kommt daher, weil man in alleu Berechnungen einen Factor vergessen hat, daß nämlich: mm tya mm. Werthooll nennen wir aber die Briefsammlung deshalb, weil sie auch dem blödesten Auge zeigt, was man von der Stürmer Seite aus gewollt, und wir also daraus lernen können uns so zu führen, daß man gar nicht es wieder wage zu versuchen, so zu wollen, wie man gewollt hat. Jeitrrvgsnacbrichten und Correspondenzen, Dentschland. Wnrzburg, 26. September. In der heutigen Schwurgerichtsverhandlung wurde über den Mörder der Glaser'schen Eheleute Kaspar Holleben verhandelt. Derselbe war angeklagt wegen Mordes, Mordversuchs, Todtschlagversuchs, Raub und Urkundenfälschung. Am 20. Juni l. I. verbreitete sich dahier eine Nachricht, welche die ganze Stadt mit Recht in die größte Aufregung versetzte. Es hieß, drei Menschen seien am Abend zuvor in der belebten Kaiserstraße erschlagen worden, ohne daß eine Spur des Thäters gefunden werden konnte. Die äußere Beschaffenheit sämmtlicher Verletzungen an allen Verwundeten deutete darauf hin, daß sie mittels eines schweren, kantigen Werkzeuges, etwa einem Hammer, zugefügt worden seien und wirklich wurde am Morgen nach der That in der Durchfahrt des fraglichen Hauses ein blutbefleckter Hammer gefunden, dessen Verwendung zu dem Verbrechen nicht zu bezweifeln war. Durch die Nachforschungen der Polizei gelang es, den Eigenthümer desselben in der Person eines hiesigen Bildhauers zu ermitteln, der jedoch außer Stande war, aufzuklären, wie solcher aus seinem Besitze gekommen. Später ergab sich, daß ein Bildhauerlehrling ihn am 18. Juni, also am Tage vor der That im Hofe oder in der Werkstatt des Bildhauers EndreS am Ende der Bahnhofstraße dahier liegen gelassen hatte. Theils dieser Umstand, theils die etwas allgemeine Beschreibung des Thäters und der Eifer des Publikums zur Entdeckung deffelbelben beizutragen, hatte zur Folge, daß sich anfänglich die Untersuchung gegen verschiedene Personen richtete, deren Unschuld' sich später herausstellte. Insbesondere war anfänglich auch der Beweggrund der That nicht ganz klar. Man vermochte nämlich nicht zu erklären, ob Geld oder Geldeswerth abhanden gekommen war, nur die Uhr des Jak. Glaser schien der Thäter mitgenommen zu haben, darum war das Augenmerk auch auf solche Personen zu richten, welche nicht von Habsucht, sondern vielleicht von Rachsucht getrieben, zu dem Verbrechen geschritten sein könnten. Allein obgleich Jakob Glaser sich in früheren Jahren mit Geldgeschäften befaßt hat, so konnte doch von keiner Seite über Hartherzigkeit oder wucherischer Ausbeutung seitens desselben geklagt werden, er wird vielmehr von einem Zeugen als ein ehrlicher Jude bezeichnet. Es fiel somit dieser Gesichtspunkt hinweg. Die Visitation der sämmtlichen Wirthshäuser der Stadt und Umgegend, der dort übernachtenden Personen und die übrigen vom Untersuchungsrichter angeordneten polizeilichen Maßregeln unmittelbar nach der That hatten keinResultat und sdoch hat der Thäter jene Nacht in einem der visttirten Wirthshäuser zugebracht. Gendarmerie-Wachtmeister Wohlsecker dahier war es, der am 26. Juni in einer Anzeige an den Herrn Untersuchungsrichter die Aufmerksamkeit auf den wegen Diebstahls und Urkundenfälschung schon bestraften Kaspar Holleber, dem Angeklagten lenkte, welcher erst am 18. Juni l. I. Nachmittags au? dem hiesige» Bezirksgerichtsgefängnisse entlassen worden war, sich dann, wie Wohlsecker bereits ermittelt hatte, bis zum 20 desselben Monats hier herum getrieben hatte und dann mit dem Postzuge nicht nach Thüngersheim, sondern daran vorüber nach Mainz reiste. Eine von dort nach Hause geschickte Korrespondenzkarte bezeichnete seine dortige Adresse, und so wurde es möglich, sich desselben zu bemächtigen, und da seine Aussagen sich in wichtigen Punkten als unwahr darstellten, ihn als dringend verdächtig in Untersuchungshaft zu nehmen. Denn die Erhebungen über seine Vergangenheit ließen ihn als einen zu allem Schlechten fähigen Menschen erkennen, der insbesondere auch mit dem getödteten Glaser bekannt war, und erst im vorigen Jahre den Versuch gemacht hatte, dessen Sohn Max Glaser mittelst einer Urkundenfälschung um 20 Mark zu prellen. Solche Wege, um zu Geld zu gelangen, waren bei ihm überhaupt beliebt.