Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1879-10-22 · Heft 43 (22.10.1879) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 43 (22.10.1879)
Date
1879-10-22
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447797-2447839--16798-2472796
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XX. Jahrgang. Zwrik Geilage M tlr. 43 -es Israelit. Leitender Artitei. Zur cheschichle der Aeformbewegung im Iudenthum. (Schluß.) 8. Knüpft sich die Reformbewegung der letzten 50 Jahre zum großen Theil an den Namen Geigers, so ist es wohl nicht uninteressant, seine Urtheile über seine Zeitgenossen zu hören, die mehr oder weniger, offener oder verdeckter seine Bundesgenossen waren und auch, wie er, sich berufen fühlten, sich literarisch bekannt zu machen. So nennt er Jost einmal „albern" (Br. vom 13. 6. 39) und fürchtet, in dessen neuer Geschichte „nach den letzten Präcedenzien" „Geist und Charakter" nicht zu finden. (Br. vom 13. 1. 46). In einem Br. vom 2. 8. 39 faßt er sein Urtheil über Jost dahin zusammen: „Jost paart Anmaßung mit dem Ansprüche auf Gelehrsamkeit und Gründlichkeit. und sieht man nach, so ist Nichts dahinter." Gr ätz kommt nicht sehr gut bei ihm weg, der hatte es aber auch gründlich durch eine scharfe Kritik der von Geiger herausgegebenen „Lesestücke zur Mischnah" mit ihm verdorben. An Auerbach (Br. vom 13. 1. 46), der sich ihm gegenüber brieflich über die „Leseftücke" ausgesprochen hat, schreibt er: „Erstens scheint mir aus demselben hervorzugehen, daß Sie sich durch Grätz verführen ließen und wirklich Unrichtigkeiten vermnthen, wo bloß Verdrehungen uud Frechheiten seinerseits vorliegen." An einer andern Stelle (Br. vom 12. 2. 62.) nennt er den „Seminarlehrer Grätz" einen „Schwindler und Charlatan von der ersten Sorte." Mit Philippson war G.vom Beginn seiner Laufbahn an zerfallen, sein Urtheil über ihn bleibt alle Zeiten hindurch wegwerfend und beleidigend, obgleich er mit ihm literarisch und amtlich Verbindung unterhält. „Philippson als Gegner von mir anzugehen, bin ich viel zu stolz" schreibt er über ihn in einem Br. vom 13. 6. 39. In demselben Jahre Brief vom 2. 8.) äußert er sich nochmals über Genannten: „Philippson ist anmaßend wie ein Zeitungsschreiber, wie einer von den belletristischen Allwissern." In einem Briefe vom 14. 11. 39 erkennt er PH. „praktischen ^inn" und „praktisches Geschick" spricht ihm aber die „Tüchtigkeit und Reinheit der Gesinnung" ab. Daß er dann einmal von „Philippson'schen Phrasenmacherei" redet (Br. vom 13. 9. 48.) kann uns nicht wundern, nachdem solche Urtheile, wie oben angeführte, über Person und Charakter gefällt worden sind. In einem Briefe an Luzzato (11. 6. 56) sucht G. in vielen Wendungen sich entschuldigend zu erklären, warum er dem von Philippson gegründeten Literaturverein beigetreten sei. Viel Schmeichelhaftes enthält der Brief über den Begründer des genannten Vereins nicht. „Daß man es dahin hat kommen lassen", so schreibt er, daß Philippson den literarischen Verein gründen mußte, ist schlimm; da er aber nun einmal durch ihn gegründet ist, warum soll man ihn nicht benützen?" Schon lange habe er selbst einen sochen Verein ins Leben rufen wollen, wollte durch Steinschneider die Berliner Gelehrten dafür interessiren, allein von Berlin aus sei nichts geschehen. „Da komm! nun PH. mit marktschreierischem Talente und gründet den Verein auf eigene Faust. Freilich leidet das Unternehmen an den Gebrechen, welche ein Stempel seines Urhebers sind; aber besser so als gar nicht und die Verbesserungen werden schon kommen." Dann erzählt er, wie er dazu bewogen und namentlich durch Jellinek gedrängt worden sei, dem literarischen Verein Arbeiten zu übergeben und schließt dann: „Und warum sollte man nicht benutzen, was einmal da ist, und dahin wirken, daß gute Bücher herauskommen können und das Publikum solche in die Hand bekömmt statt schlechter?" Aus einem Bericht der „Allgem. Ztg. d. Judenthums" hatte M. A. Levy erfahren, daß G. eine Abhandlung über die Säule des Mescha schreiben werden, er hält dies für einen Jrrthum, G. jedoch bemerkt (23. 4. 70) „und dennoch ist es so, die Welt dreht sich um und Philippson redet wahr." Mit diesen Hinweisungen auf die Zerfahrenheit innerhalb der Partei der Reformhelden schließen wir unfern Bericht über die Briefsammlung Geigers. Wir haben erfahren, wie bitterer Haß gegen Alles, was an Talmud und Talmudisches erinnert, schon in der Brust des 14jährigen Knaben aufgekeimt war und wie dieser Haß mit den Jahren gewachsen ist, wir haben gesehen, wie die Sucht, die Augen der Welt auf sich zu lenken, persönli he Eitelkeit zu befriedigen, nicht den kleinsten Antheil au der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.