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Der Israelit · 1879-10-22 · Heft 43 (22.10.1879) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 43 (22.10.1879)
Date
1879-10-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Dorfes, mitten in der Nacht, ein starkes Feuer aus. Bei der Raschheit mit der der Brand entstanden und sich verbreitete, war es nicht möglich die in den Häusern befindlichen Habseligkeiten zu retten. In einem derselben wohnte Sara Leipnik, Jakobs Schwägerin mit ihrem dreijährigen Knaben; — von dem plötzlichen Lärm, mitten in der Nacht, erweckt, war die arme Frau zuerst in halber Bewußtlosigkeit, ohne zu erkennen um was es sich handelt, die hölzerne Treppe herabgestürzt und erst auf der Straße angelangt, ersah sie die furchtbare Gefahr, die nicht nur ihrem kleinen Vermögen, daran dachte sie in diesem Momente gewiß nicht, aber die auch ihrem Kinde, das ruhig in seinem Bettchen in dem Dachstübchen des Hauses schlummerte, drohte. — Ich wohne nahe bei der Judengasse, saß noch bei meinen Büchern wach, und so kam es, daß ich einer der Ersten war, der es versuchte, den Armen zu Hilfe zu eilen. Ich kam gerade in dem Moment in die Judengasse, wo Sara Leipnik mit einem wilden verzweifelten Aufschrei, den scheinbar vergeblichen Versuch wagen wollte, in das Haus zurückzustürzen, ihr Kind zu retten; aber mittlerweile hatte die hölzerne Stiege zu brennen begonnen, das Wagniß schien ebenso schrecklich als aussichtslos. Ein Paar Weiber suchten die vor Schmerz halb wahnsinnige Mutter gewaltsam zurückzuhalten, als plötzlich Jakob Leipnik erschien; er kam so eben, ermüdet von einer weiten Fußwanderung, kaum hörte er um was es sich handle, als er, ohne sich einen Moment zu bedenken, ohne sich von den Umstehenden von der Vergeblichkeit seines Unternehmens überzeugen zu lassen, in das brennende Haus stürzt; — eine Zeit lang sieht und hört man nichts, mit verhollenem Athem sind die Blicke Aller auf die Un» glücksstätte gerichtet, — mit einem Male erscheint der wackere Mann am Fenster des Dachstübchens, aus welchem Qualm und Rauch Hervordringen — das Kind an seinem Arm; und mit einer Donnerstimme, die das Geprassel der Flammen, daS Gepolter der zusammenstürzenden Balken übertönt, ruft er: „Ich habe das Kind — eS lebt! — ich kann nicht mehr über die Stiege zurück — werft Betten auf die Erde, ich kann nicht warten bis Leitern gebracht werden!' — man rafft in der Eile alle Federbetten in der Nachbarschaft zusammen; in dem Momente, — ich werde ihn so lang ich lebe nicht vergessen, — zuckt auch ein Feuerstrahl aus dem Dachzimmer über sein Haupt — er drückt das Kind an seine Brust, um es vor Rauch und den herumstiebenden Funken zu schützen; — dann ruft er, unwillkührlich laut nur die zwei Worte: lischuos'cho kiwisi, zu deutsch, auf Deine Hilfe bau ich! — und wagt den Sprung! . . . . er kömmt mit dem Kinde glücklich unten an — es war die höchste Zeit gewesen; — denn eine halbe Minute später stürzt der Dachstuhl in einem Feuerregen prasselnd zusammen; — eine halbe Minute später — er hätte sein edles, heldenmäßiges Wagniß mit martervollem Tode bezahlt! — Soll ich's versuchen den Jubel der überglücklichen Mutter zu schildern? — nein, das vermag ich nicht. Wie ich ihm nun danken will, so recht aus voller Seele danken will; tritt der Vorsteher der kleinen Judengemeinde, ein gewisser Perez Spitz, ein sehr wackerer Mensch an mich heran und sagt: „Hochwürdiger Herr! Jakob Leipnik hat da eine That verrichtet, die in des allbarmherzigen und allgerechten Gottes großem Buche mit goldenen Lettern verzeichnet werden wird. Das Kind, das er mit furchtbarer Todesgefahr gerettet, steht zwischen ihm und seinem Glücke, zwischen ihm und seines irdischen Lebens höchster Glückseligkeit, — wenn der Knabe im Rauch erstickt wäre — wäre die Familie Leipnik auf ihn übergegangen, hätte Jakob das Mädchen heirathen können, das er liebt, und von dem er wieder geliebt wird!" Der Pfarrer machte eine längere Pause, dann fügte er hrnzu, „ich glaube nicht zu viel gesagt zu haben, wenn ich diese Leute als brave und würdige bezeichnete." „Das ist eine That, die weit die Schranken der Alltäglichkeit überragt", bemerkte Bollwitz. „Ah! Papa. Du mußt es mir zu liebe thun", rief Anna, „mußt ihm die erledigte . . . Der Baron hatte keine Lust die Bitte seiner Tochter, die er nicht erfüllen wollte, nochmals anzuhören, und er wandte sich daher plötzlich an den geistlichen Herrn: „Sie sagten ja. Herr Pfarrer, der Jakob Leipnik sei ein mittelloser Mensch" — er griff in seine Tasche und zog einen Dukaten aus derselben, „geben Sie ihm dieses Goldstück als Präsent für die Rettung eines Menschenlebens, wenn der Gerettete auch nur ein kleiner Judenbub war." „Ich muß die großmüthige Gabe für Jakob Leipnik", entgegnete der Pfarrer mühsam, ein ironisches Lächeln unterdrückend, „mit gebührendem unterthänigem Danke zurückweisen; er ist zwar unbemittelt, aber er gewinnt durch seine Thätigkeii und seinen Hausirhandel doch so viel, sich und auch seine Schwägerin und deren Kind zu erhalten; — wäre er gar so arm wie Euer hochfreiherrliche Gnaden glauben, würde ein so gewissenhafter Mann wie er, nicht darangehen, sich einen Hausstand gründen zu wollen." > Der Baron steckte etwas mißvergnügt den

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