Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1879)
- Date
- 1879-10-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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1153 Dukaten in die Tasche, klopfte seine Pfeife aus, was gewohntermaßen als Zeichen galt, daß er die Sitzung aufgehoben wünsche. Der Pfarrer empfahl sich und auch die übrigen Glieder des kleinen Kreises erhoben sich, um sich nun im Hause den gewohnten Beschäftigungen oder auch dem Müßiggang hinzugeben. Viertes Kapitel. Es war Moze Schabbos'), Veit Weritsch hatte eben Hawdolo^) gemacht; und es herrschte in seinem Zimmer eine tiefe Stille. Es befanden sich in der niedrigen Stube der ebenerdigen Wohnung vier Personen, Bert Weritsch, den wir schon kennen, seine beiden Kinder und Jakob Leipnik. Mosche Weritsch war im Wüchse seinem Vater nachgerathen und die Züge seines gutgeformten Gesichtes wurden nur durch die Starrheit der lichtlosen Augen entiiellt. Hanna war ein schlankgewachsenes schönes Mädchen von vierundzwanzig Jahren. Jakob Leipnik noch um einen halben Kopf seinen Oheim überragend, war eine kräftige, kernige Gestalt mit sonst freundlichen, hellen Zügen, die aber in dem Momente tief verdüstert waren. „Ich habe reiflich über diese Sache nachgedacht", sprach er, „und bin endlich zu einem unabänderlichen Entschlüsse gekommen, den ihr, wie ich hoffe, Alle billigen werdet. Ich seh' es schon, eine Familie in Mähren, wird für mich nie zu erlangen sein; wird einmal eine frei, wie jene Sonnenfels, so fordert man einen Preis, der mein Vermögen um das Vierfache übersteigt — es können wieder zwei, drei Jahren vergehen, bevor wieder eine solche erledigt wird — und ist dann auch wieder eine solche frei, so nützt es mir wieder nichts, — ich werde, wenn ich hier bleibe, auch dann nicht so viel besitzen, mir eine solche zu kaufen, ich, Hanna, Du lieber Ohm und Du. Mosche, wir verzehren uns in Gram und Kummer, Denn nichts kann den Menschen mehr niederbeugen, als ein Elend gegen das man keine Waffe hat, .... so kommen wir nicht zum Ziele, ich muß weg von Mähren, muß auswandern — nach Ungarn hinüber, dort sind wir Juden doch nicht so geknechtet wie in Mähren, dort verkümmert man uns wenigstens nicht das natürlichste Recht belebter Wesen, sich eine Lebensgefährtin wählen zu dürfen. Ich bin stark, gesund, an harte Arbeit und Entbehrungen gewöhnt. Ihr wißt es ja, ich bleibe in der Regel 1) Ausgang des Sabbats. 2) Segen über Wein, Gewürze, eine brennende Wachskerze, beim Scheiden des Sabbats gesprochen. von Montag früh bis Freitag Abend aus, und oft kommt da kein warmer Bissen in meinen Mund; — ich geh' nach Ungarn, entweder wird es mir dort gelingen so viel zu ersparen, daß wenn ich wieder heimkehre, ich mir auch irgendwo eine Familie erkaufen kann; — oder daß ich mich dort ansässig machen kann; und mir dann meine liebe, gute, treue Hanna als Weib hole. Müssig Zusehen kann ich nicht länger, ich muß etwas thun, mir mein Glück zu erringen. — Seid Ihr mit meinem Plane einverstanden?" Einen Augenblick herrschte in dem kleinen Kreise tiefes Schweigen; das was Jakob vorschlug, erschien so überraschend, neu, — er hatte früher nie etwas Aehnliches angedeutet; aber der richtige gesunde Sinn der Familie Leipnik erkannte, daß Jakob vollkommen recht habe. Der Vater ergriff zuerst das Wort „Wenn ich es bedenke, scheinst Du das Richtige getroffen zu haben; ich habe mich lange genug mit eitler Hoffnung hingehalten; die vorgestrige Unterredung mit unserem Baron hat mir bewiesen, daß wir nichts von ihm zu erwarten haben; die junge Baronesse, eine edle Dame, hatte ihm zugeredet; und wäre nicht diese, sein Vetter und der würdige Pfarrer anwesend gewesen, er hätte mich mit bösen Worten fortgejagt; so aber bezwang er sich und wies mich an seinen neuen Amtmann, Graf oder Rosenberg, wie er heißt, der aber wird gewiß, um sich bei seinem neuen Patron einzuschmeicheln, den höchsten Preis erpressen wollen. — Ich glaube nicht, daß man in Ungarn so leicht reich wird, wie Du es zu glauben scheinst; aber wenn Du nur einen Ruhepunkt gefunden, so kannst Du doch ein Weib nehmen; — freilich müßten wir uns dann trennen, es würde zwischen uns ein schönes Stück Land liegen; aber es ist ein altes gutes Sprüchwort: Besser ist es von lieben Abwesenden Gutes zu hören, als sie in Leid und Trauer zu sehen! Jakob ich bins zufrieden, daß Du nach Ungarn gehst und es versuchst, ob Gott Dich dort in fernem Lande segnen wird; ich sag' zu Dir wie Gott zum Erzvater Abraham: Lech Lecho mearzecho, umimauladtecho, umibes owicho^) — und möge Gott Dich segnen!" (Fortsetzung folgt.) 3) Zieh hinweg aus Deinem Lande, Deiner Geburtsstätte, Deinem Daterhause!