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Der Israelit · 1879-10-22 · Heft 43 (22.10.1879) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 43 (22.10.1879)
Date
1879-10-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XX. Jahrgang. Erste Leilage )U tlr. 43 des Israelit. Leitender Artikel. Der Erfolg der Hutachten über das Areslauer Aabbiner-Seminar. Von 1?. Ue der schreien können Sie mich alle acht Tage, Lie wissen wo. U eb erschreiben sollen Sie mich gewiß nicht. L e s s in g (Anti-Goeze). Der Erfolg der von den Herren Rabbinern Hirsch, Hildesheimer und Lehmann abgegebenen Gutachten über das Breslauer Rabbiner-Seminar zeigt sich bereits so unverkennbar, daß er sogar von den Betroffenen nicht nur erkannt, sondern auch anerkannt wird, wie aus dem Organ des Breslauerthums allwöchentlich zu ersehen ist. So gibt das edle Organ in einer seiner jüngsten Nummern der Befriedigung darüber Ausdruck, daß wieder ein Breslauer glücklich untergebracht sei, und zwar als Rabbiner von Zweibrücken, trotz der Gutachten. Man muß demnach erwartet haben, daß nach dem Bekanntwerden der Gutachten kein Breslauer Rabbinatscandidat mehr eine Stelle bekommen werde, sonst läßt sich diese Befriedigung nicht erklären. Wir müssen gestehen, daß wir unsererseits einen solchen Erfolg den Gutachten niemals procognosticirt haben. Wir glaubten und glauben vielmehr , daß sich der wuchtige Schlag, den diese ganze Richtung durch die genannten Gutachten erhalten , sowie die anderen von uns aufgezählten Momente, welche das Vertrauen zu jener Anstalt schon seit längerer oder kürzerer Zeit erschüttern, erst successive, im Laufe der Zeit, in ihrer vollen Wirkung sich äußern werden. Inzwischen kann es aber immerhin Vorkommen, daß von den Herren Breslauern hie und da ein Rabbinatchen ergattert wird, besonders ein solches von dem Kaliber des Zweibrückener. Dort hat es nämlich seinen ganz besonderen Grund, daß ein Breslauer glücklich durch-! gekommen ist: es hat sich kein anderer weiter darum! beworben, nachdem auf Grund eingezogener Erkunl digungen über die religiöse Richtung der Gemeinde! sich herausgestellt hatte, daß eine der ersten Amts-! thätigkeiten des Zweibrückener Rabbiners in der! Einweihung der damals noch im Bau begriffenen i Orgelsynagoge bestehen würde. Es hätte demnach kein gesetzestreuer Rabbiner eine derartige Wahl nehmen können, sobald er über die Richtung der Gemeinde informirt war. Dazu muß man ein etwas weiteres Gewissen haben, als es orthodoxe jRabbiner Gottlob besitzen/ In einer Stelle mehr oder weniger, die sich ein richtiger Breslauer hier oder da noch erprobepredigen wird, erblicken wir den Mißerfolg bezw. Erfolg dieser Gutachten nicht. Wir sehen in dieser Hinsicht, wie gesagt, nicht so schwarz, und würden dem obengenannten Blatte auch die Freude über die Zweibrückener Errungenschaft nicht getrübt haben, wenn er dieselbe in etwas weniger unanständiger Sprache ausgedrückt hätte. Aber diese Sprache, der Aerger, die Gereiztheit, die Unverschämtheit und vor Allem die Bornirtheit, die im gegnerischenLager in Folge dieser Gutachten zu Tage treten, das halten wir für einen nicht zu unterschätzenden Erfolg, der notict zu werden verdient. Die „Israelitische Wochenschrift" hat auf diesen Gebieten zwar immer Erstaunliches geleistet, so Erstaunliches, daß man es kaum einer Steigerung fähig hielt. Aber die Gutachten über daS Breslauer Seminar haben das Unglaubliche zu Wege gebracht, sie haben die Leistungsfähigkeit noch gesteigert. Die wunderbare Bornirtheit ist das zuerst in die Augen fallende Charakteristicon, das sich durch sämmtliche Ergüsse, die uns hier vorliegen, wie ein rother Faden zieht. Aergern, Poltern und Schimpfen ist zwar immer ein Zeichen geistiger Schwäche, selbst da, wo es mit einer scheinbaren Rücksichtnahme auf die Form des Ausdrucks, also mit einer gewissen Selbstbeherrschung, geschieht. Im vorliegenden Falle verrathen aber die leidenschaftlichen Ausfälle, welche die drei Gutachten in den Reihen der Breslauer Rabbiner hervorgebracht haben, die ganze Panique, die vor dem Erfolg dieser Gutachten zittert, und diesen Erfolg so erst recht sichert. Denn — und das braucht man nur im Auge zu behalten — der Inhalt der Gutachten ist es nicht, was die Zöglinge des Breslauer Rabbinerseminars überraschen und so in Harnisch bringen konnte. Die Denkweise der drei Rabbiner über das Breslauer Rabbinerfeminar war vor dem Erscheinen der Gutachten längst allgemein bekannt. Herr Rabbiner

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