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Der Israelit · 1879-10-22 · Heft 43 (22.10.1879) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 43 (22.10.1879)
Date
1879-10-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1148 „Meine Herren Brüder, Freunde und Oheime, Kurfürsten, Fürsten, Prälaten, Grafen und andere des heiligen römischen Reichs Stande, wie der Abwesenden Botschaften und ich, auf Eure Kaiserliche Majestät Ausschreiben zu dem Reichstage hierherberufen und versammelt, erfreuen uns. Euer Kaiserlichen Majestät, unserm gnädigsten Herrn, zu der glücklichen Rückkehr in das heilige römische Reich deutscher Nation auf's innigste Glück zu wünschen; indem wir Höchstdiefelben in größter Ehrerbietung und unterthänigst hier empfangen, bitten wir Gott, daß Er Euer Kaiserlichen Majestät, nachdem Höchstdieselben nun die Kaiserliche Krone empfangen haben,*) lange und glücklich dem römischen Reich vorstehen, und dasselbe in Frieden regieren lassen; so hoffen wir auch, daß mit Gottes Hilfe und Beistand Alles, was Eure Kaiserliche Majestät vollbringen, zur Verherrlichung göttlichen Namens, zur Ehre Eurer Majestät und zum Heile deutscher Nation gereichen werde; wir aber, die Glieder und Stände des heiligen römischen Reichs, erbieten und versichern Eurer Kaiserlichen Majestät, daß wir in Allem, was auf diesem Reichstage verhandelt werden wird, und zuvörderst Gott, dem Allmächtigen, zur Verherrlichung, dann Eurer Kaiserlichen Majestät zum Ruhme und deutscher Nation zu Nutz und Gutem ersprießen möge, auf's Thätigste und Sorgsamste bestrebt sein werden, treulichst zu rathen, zu helfen und zu handeln, womit wir uns Euer Kaiserlichen Majestät Schutz und Schirm unterthänigst empfehlen." Hierauf erwiederte der Kaiser: „Liebe, Getreue, Vettern, Oheime, Churfürsten, Fürsten, Grafen und Herren! „Indem ich 'Euch meinen besten Dank ausspreche, freut es mich besonders, den bevorstehenden Reichstag so zahlreich besucht zu sehen, was zur Verherrlichung des allmächtigen Gottes, .zum Wahle und Heile aller Christgläubrgen, zum Nutzen und Frommen der deutschen Nation, und wesentlich zur Vertreibung der Türken erforderlich erscheine, und auf welche Weise und durch welche Mittel die in der Kirche bestehenden Irrungen und Spaltungen beigelegt und der Friede und die Ruhe im •:i 'Jtui 2 k tfoonuuein feinem 30. Geburtstage, war Kai,er C5avl V. von Pabsl (sleinens VII.;n Bologna .nun Kaiser getränt wordentrs war rnc letzte Kaiierkrömmg (diejenige Napoleons I. ausgenommen), welche von einem Pabste vorgenommen ist worden. heiligen römischen Reiche deutscher Nation hergestellt und erhalten werden könne. Dies ist mein fester Wille unter Gottes Beistand herbeizuführen und zu erwirken." Als Rabbi Jofelmann vernahm, daß der Kaiser mit besonderem Nachdruck das Wort „Christgläubigeu" aussprach, da erzitterte er. War das eine Andeutung, daß für die Juden kein Raum mehr bleiben sollte im heiligen Römischen Reiche? Nachdem der Kaiser seine Ansprache bendet hatte, trat er näher zu einigen Herren heran, einem Jeden die Hand reichend und verbindliche Worte redende Zunächst begrüßte er den Kurfürsten von Mainz auf's Herzlichste, dann den Kurfürsten Johann, den B ständigen, von Sachsen, den Sohn und Nachfolger jenes weisen Friedrich, dem die Kaiserkrone angeboten war und der sie ausgeschlagen hatte, darauf den Landgrafen Philipp von Hessen, den man den „Großmüthigen" nannte, den Pfalzgrafen Friedrich von der Pfalz, die Herzoge Wilhelm und Ludwig von Baiern, den Markgrafen Georg von Brandenburg, die Erzbischöfe von Salzburg und Bremen, die Bischöfe von Würzburg, Speier und Augsburg, den Markgrafen Joachim von Brandenburg, — Alle drängten sich herbei, vom Kaiser einen Händedruck, und ein gnädiges Lächeln, vielleicht auch ein freundliches Wort davonzutragen. Rabbi Jofelmann hielt sich bescheiden im Hintergründe. Aber durch das Gedränge wurde er vorgeschoben. Da erblickte ihn der Kaiser und erkannte ihn sofort. „Mein lieber Joselein," rief er, ihm die Hand entgegenstreckend, „wie geht es Dir? Das ist recht, daß Du hier bist. Ich bin noch in einer alten Schuld zu Dir; ich habe Eure Freiheitsbriefe noch nicht bestätigt. Das soll unter göttlichem Beistände auf diesem Reichstage geschehen." Rabbi Jofelmann führte des Kaisers Hand an seine Lippen; heiße Thränen fielen darauf. Wie waren doch durch des Kaisers gnädiges Wort die Furcht und die Angst in Jubel verwandelt! Und die Gesichter der Judenfeindewurden schwarz vor Aerger. Selbst zu den mächtigsten Fürsten hatte der Kaiser nicht so liebreich wie zu dem Juden gesprochen! (Fortsetzung folgt). Hierzu sechs Betrage«. Beraurroonliche Kedackiou: Pr. Lehmann in Main-. — Verlag und Expedition des „Israelit" große Bleiche 45. I. äleben'ä Buchdruckerei (Mainzer Äineiger).

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