Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1879)
- Date
- 1879-10-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1123 lauchtiges Publikum findet, wie es nicht leicht ein Rabbiner wieder hat. — Und in einem andern Briefe vom 15.12. 1863 schreibt G.: „Mit frohem Danke verkünde ich nun zuvörderst, daß sich mein persönliches und amtliches Ich ganz behaglich fühlt; ich bin wohl und habe mich eingelebt, finde hier eine meine Erwartungen übertreffende allseitige Anerkennung. Wenn der an norddeutsche Sitte Gewöhnte und mit derselben Befreundete sich einmal über die hiesige, vielleicht im Allgemeinen süddeutsche Formlosigkeit (?) hinweggesetzt hat, da ist es hier ganz gut leben. Je länger ich hier bin, desto unverständlicher wird mir Stein. In den vier Monaten meines hiesigen Aufenthalts ist mir nur Angenehmes widerfahren, kein böses Wort, kein Entgegentreten von irgend einer Seite, im Gegentheil liebevolle Wärme, die sich freilich nicht überschwänglich äußert, aber doch ganz herzlich kundgibt. Vierzehn Jahre an einem solchen Orte weilen als unbestritten guter Prediger, in den vielfachsten Familienbeziehungen, noch dazu in regeren religiösen Zeiten — und dennoch spurlos dahingehen, das ist unbegreiflich!" Nach dem bereits oben angeführten, in Berlin über Frankfurt abgegebenen Urtheil ist man wohl berechtigt, die Gegenbemerkung zu machen: Nach achtjähriger Thätigkeit in einer solchen Gemeinde, überglücklich über Publikum und dessen Entgegenkommen, zu sagen, daß man sich während der amtlichen Thätigkeit in Frankfurt unheimlich gefühlt, während man in Berlin von Anfang an befriedigt war, ist unbegreiflich! Auch den Schluß des glückathmenden Briefes wollen wir noch Herstellen: „Ein Publikum, wie es sich nicht so leicht findet, und bis jetzt eine tiefgehende Befriedigung." Was aber diese persönlichen Kundgebungen mit der Reformbewegung zu thun haben, haben wir oben bereits angedeutet: die persönliche Eitelkeit des bedeutendsten Trägers der Reform, dem die übrigen meist nnr nachgebetet haben, ist ein nicht zu unterschätzender Mitbeweger der Reformthätigkeit gewesen, und dieses zu erkennen, ist für die Werthschätzung der Reform selbst nicht unwichtig. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Wützburg, im September. Mit Ablauf des Trauerjahres um unfern unvergeßlichen theuren Rabbi -"Li i"n ist auch die Wiederbesetzungsfrage mehr in Fluß gerathen und geht ihrer Erledigung entgegen. Am 15. Sept. tagte dahier eine Delegirtenversammlung aus dem Rabbinate, auf welcher endgiltig beschlossen wurde, daß wohl das Provisorium unter Herrn Rabbinatsverweser Nathan Bamberger bis zum 1. Juli k. I. verlängert werde, die Neuwahl des definitiven Rabbiners aber schon im Mai vorzunehmen sei. Es wird nun schon jetzt vielseitig der Wunsch lautbar, daß sich diese Wahl auf unfern allgemein beliebten Rabbinatsverweser vereinige, da ihm als “nyjn p sowohl als durch feine persönliche Tüchtigkeit und Würdigkeit der Vorzug gebührt; auch seine am naupn natp gehaltene, an Form wie Inhalt äußerst gelungene Predigt, in welcher er namentlich zur Hebung des religiösen Sinnes das von jeher in Israel heimische und als hl. Pflicht von Jung und Alt, Arm und Reich geübte Studium in unserer hl. Thora empfahl und in Hinsicht auf Menschenpflichten für strenge Rechtlichkeit, und gegen das unfern guten Ruf so sehr schädigende wucherische Treiben Einzelner in den ergreifendsten Worten sprach, hat ungetheilten Beifall gefunden und ihm viele Herzen gewonnen. Es läßt sich überhaupt von dem jungen Gelehrten und gottbegeisterten Manne ein recht segensreiches, unsere hl. Sache förderndes Wirken ny"a erwarten und wird ihm hierin wie schon jetzt auch für immer der nor seines großen Vaters beistehen. Dny'Da Dni3« noi! Würzburg. Am 26. Sept. wurde H o l l e b e r, der Raubmörder der Glaser'schen Eheleute, von dem hiesigen Schwurgerichte zum Tode verurtheilt. Da er der That und ihrer Motive geständig war, so ergab die Verhandlung, daß hier kein Racheakt oder ein wohlverdientes Geschick von Seiten des Gemordeten vorlag, wie das judenfeindliche „Fränkische Volksblatt" seinem Leserkreis glauben machen wollte, und zeigte sich hier wiederum recht deutlich, welcher Mittel sich dasselbe zu seinen Zwecken bedient. Dies die beruhigende Seite an diesem leider an und für sich sa traurigem Drama. Feuilleton, Per neue Höeramtmann. Erzählung aus dem dritten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts von S. Koyu, Verfasser von „Gabriel". (Fortsetzung.) Die Hoffnung ist zuweilen wie ein süßer, starker Rausch, der auch einen sonst klagen, besonnenen