Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1879)
- Date
- 1879-10-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XX. Jahrgang. Erste Beilage zu Ar. 42 -cs Israelit. Leitende* Artikel. Zur Geschichte der Keformbewegmig im Zudenthum. (Fortsetzung.) 8. Ueber die Frankfurter Rabbinerwahlangelegenheit hat die vorligende Sammlung nicht mehr als einen Brief G*s, an Stein und dessen Antwortschreiben, obwohl seiner Zeit eine lebhafte Correspondenz darüber geführt wurde, welche damals durch Stein auch mitgetheilt worden ist, und dann kommen noch dazu die einleitenden Bemerkungen des Herausgebers. Nehmen wir diese, wenn auch noch so dürftigen, Notizen zur Hilfe, so werden wir trotz der unterdrückten Briefe und Dokumente einen tiefen Einblick in jene Angelegenheiten uns ermöglichen. Stein hatte gegen Ende des Jahres 1862 seine Stelle in Franks rt gekündigt, nach vorliegenden Briefen und den Bemerkungen des Herausgebers zu schließen, nur wegen eines Passus in der Anstellungs - Instruction , den man bisher auf sich hatte beruhen lassen, der aber jetzt wieder angewendet werden sollte, nämlich die Verpflichtung, Gelegenheitsreden, in denen im Namen der Gei meindebehörden gesprochen wird, vor der Abhaltung dem Vorstande im Manuscript vorzulegen. Dadurch fühlte St. sich beleidigt und er reichte seine Entlassung ern. Es wird Niemand bestreiten, daß dieser Schritt unüberlegt und ungeschickt war, hatte er auf diese Instruction hin seiner Zeit die Anstellung angenommen, so durfte ee sich nicht beklagen, wenn man einmal auf dieselbe zurückkam, daß man sie bisher stillschweigend übergangen, ist irrelevant. Während eines vorübergehenden Aufenthalts inFrankfurt war nun G. von verschiedenen Seiten gebeten worden, die erledigte Robbinatsstelle anzunehmen, diese privaten Aufforderungen weist! er aber ab, bis am 4. Januar 1863 er in Breslau „die officielle Aufforderung zur Uebernahme der? gedachten Stelle seitens der zur Wiederbesetzung! des Rabbinats eingesetzten Commission" erhält.! G. hat aber Bedenken, die Aufforderung anzuneh-! men, sucht durch einen Brief St. von seinem Wi-! derspruche gegen die Instruction abzubringen, theilt j alles dieses der Frankfurter Commission mit und! berichtet zugleich den Breslauer Vorstand von der! ihm zugegangenen Berufung mit den günstigen Bestimmungen. Wir brauchen den Brief G.'s an St. hier nicht zu reproduciren, er spricht die Hoffnung aus, St. werde seinen Widerspruch gegen die Instruction aufgeben und so die Möglichkeit herbeiführen, seine Stelle behalten zu können. Von einer Bemühung seitens G's., seinen Einfluß bei den Officiellen und Privaten Frankfurts für eine Verständigung mit Stein geltend zu machen, bemerken wir nichts; es ist nicht unwahrscheinlich, daß er bei seinen Beziehungen zu Frankfurt leicht hätte vermitteln können, wenn er nur gewollt hätte, aber nach seinen eigenen Worten suchte er „möglichst fern zu bleiben", und so wenig er auf die privaten Stimmen hörte, die ihn bei einem gelegentlichen Aufenthalte zu Frankfurt im August 1862 zu einem sofortigen Dableiben veranlassen wollten, so wenig hörte er auf die, welche ihn zu vermitteln baten, „nachdem die Sachen so auf die Spitze getrieben waren", denn „es war, meiner Ueberzeugung nach, nichts mehr zu thun", schreibt er an seinen Freund Wechsler unterm 3/9. 1862. Wenn also schon im September 1862 Steines Sache verloren, so war es im Januar 1863 ein wohlfeiler Rath, von dem Widerstande gegen die Instruction abzustehen, St. konnte nur auf seinem Posten erhalten bleiben, wenn sich kein namhafter Rabbiner entschloß, die Stelle anzunehmen. Das ist es auch, was St. an G. als Erwiderung auf seinen Rath schreibt. Der Herausgeber vorliegender Briefe bezeichnet die Antwort Steines als kühl, wir halten sie nicht als eine solche und glauben, daß, um das Verhältniß recht klar zu stellen, eine vollständige Wiedergabe des Brieses nothwendig sei. Er lantet: „Frankfurt, 12. Januar 1862. „Empfange meinen Dank für Deine Zuschrift vom 7., empfangen am 9. d. M. Allerdings war es mir bekannt, daß die hiesige Gemeindeverwaltung , nachdem die Verhandlungen mit Dr. Meisel in Pesth durch dessen entschiedenes Ablehnen gescheitert waren, sich an Dich um Uebernahme der Stelle gewendet habe. Meinerseits aber habe ich, da ich Deinen intacten Charakter kenne, keinen Augenblick gezweifelt, daß auch Du, ein Mann, der sich in so schöner Position befindet, gewiß auch ablehnen und nicht durch Annahme der hiesigen Stelle die sonst immer noch