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Der Israelit · 1879-09-13 · Heft 40-41 (13.9.1879) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 40-41 (13.9.1879)
Date
1879-09-13
Page
– (sequence 21)
Language
German
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1097 schäften erledigte Stelle eines Oberamtmannes und JustiziärS zu verleihen. Indem ich für diese hochedelmüthige Handlung kniefälligst den Segen des Allerhöchsten auf Hochdieselben, und Hochdero gnädigen Familie herabflehe, lege ich in pflichtschuldigster Unterthänigkeit, hiermit feierlichst das höchste Gelübde ab, daß es mein einziges Bestreben und das einzige Ziel meines Lebens bleiben wird, durch strikte Obedienz, unermüdliche Attention, für Hochdero Befehle mich auszuzeichnen, und der unverdienten, gnädigen Huld würdig zu machen, und daß alle meine ActioneS nur das Wohl meines hohen Gönners und der hochfreiherrlicher Familie bezwecken werden. Ich werde am 17. hujus, um zehn Uhr Morgens, das Glück haben, mich persönlich zu Hochdero Füßen zu legen. Gleichzeitig mit mir wird auch mein Freund und ehemaliger Studiencollege Erasmus Rosenberg, meiner gnädigen jungen Herrschaft ganz unterthänigen Erzieher auf Schloß Brauschitz einzutreffen das Glück haben, da wir die Reise von Brünn aus gemeinschaftlich machen. In ungeduldiger Erwartung dieses von mir hochersehnten Augenblickes zeichne ich als Euer hochfreiherrlichen Gnaden in tiefster Ehrfurcht ersterbender allerunterthänigster Knecht und Oberamtmann Franz Graf. Brünn, am 14. Juli. Ein verächtliches Lächeln umspielte Bollwitz Lippen als er die Lectüre, dieses schwülstigen, aber ganz genau in Form und Styl jener Zeit gehaltene Epistel beendet. hatte, und unwillkürlich sagte er: „Hochverehrter Herr Baron, der Schreiber dieses Briefes, scheint nicht zu der Klasse jener Männer zu gehören, welche die Schranken zwischen Menschen und Menschen niederreißen wollen; — dieser Mann scheint den Abstand zwischen Ihnen und ihm vollständigst zu erkennen, — und hat dieses Gefühl auch deutlich und unverholen zum Ausdrucke gebracht." „Ja, ja", stimmte Pellwald ganz befriedigt bei, „das scheint ein ganz braver, seine Stellung richtig erfassender Mensch zu sein; — wenn der hält, was er verspricht, und wenn sein Freund Rosenberg ihm ähnlich ist, dann, beste Eugenie, haben wir beide Grund mit unseren neuen Acquisitionen und mit der Empfehlung unseres Freundes, Baron Baldamus, vollkommen zufrieden zu sein! .... Ja, wa« willst Du denn noch TukaS!" frug der Baron plötzlich den Diener, der noch immer gebückt vor ihm stand. „Euer hochfreiherrliche Gnaden, der Veit Weritsch, der Jud, ist da und möcht um eine Audienz bitten." „Was fällt dem Menschen ein, mich nach Tisch zu stören?" fuhr der Baron zornig auf. „Hochfreiherrliche Gnaden!" sagte der Pfarrer, „Veit Weritsch ist ein sehr braver Mensch, schad' daß er ein Jud ist, ich wär' herzlich froh, wenn ich in meiner Gemeinde viele Männer hätte, die ihm an Charakter und Conduite glichen." Der Baron blickte überrascht auf. „Wie so können Sie den Juden so genau?" „Ich liebe es, das Gotteswort, das alte Testament im Urtexte, im Hebräischen zu lesen; — man dringt doch nur auf diese Art so recht in den Geist der heiligen Schrift ein. Nun muß ich offen gestehen, haben wir als Theologen blutwenig Hebräisch gelernt; — nothdürftig lesen und die ersten Anfangsgründe der Grammatik — da pflegt mir der Weritsch bei meinen Studien zuweilen behilflich zu fein." Pellwald blickte den geistlichen Herrn etwas dümmlich und unverstehend ins Gesicht, dieser bemerkte es und fuhr fort: „Nun ja, die Juden sind ja die einzigen, die noch recht Hebräisch kennen, und sich fortwährend mit dem Studium solcher Bücher befassen, die in ihrer heiligen Sprache geschrieben sind — ich kann mir auch denken, was sich der Veit Weritsch von Euer hochfreiherrlichen Gnaden erbitten will." „Was denn?" frug Pellwald neugierig. „Es mag wohl auf Hochdero Herrschaften eine Judenfamilie erledigt worden sein — diese zu erlangen ist für Viele das höchste Glück, das sie erreichen können. „Ah! Pfarrer, wenn der glückliche Fall eintreten würde; — da wäre ein herrlicher Gewinn dabei zu machen; es ist für den Grundherrn ein wahres Glück, wenn so ein Jud kinderlos stirbt oder zum Christenthum übergeht; eine erledigte Judenstelle repräsentirt für den Herrschaftsbesitzer ein Capital, die wird manchmal enorm hoch bezahlt, — Herr Pfarrer, man sollte in den Kirchen darum bitten, daß recht viele Judenfamilianten sterben sollen . . . ." der Baron hielt einen Augenblick betreten inne, das was er eben gesprochen, wollte ihm doch nicht „cavalierement" bedünken und er suchte seine Verlegenheit durch ein leichtes Räuspern zu verdecken. „Laß Er nur den Veit Weritsch in den Garten hereinkommen", wandte er sich an den Diener,

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