Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 40-41 (13.9.1879)
- Date
- 1879-09-13
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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1096 machen; ja sogar der Hofkanzler Fürst Kaunitz soll sich ähnliche Unfuge zu Schulden kommen lassen, wenn auch nicht in so hohem Grade wie dieser junge Schwindelkopf Kaiser Joseph — und ich fürcht' halt, weil böses Beispiel ansteckend ist, daß dieser junge Franz Graf auch dieses verderbliche neumodische Gift der Aufklärung eingesogen, in freventlichem Uebermuthe. die von Gott zwischen Menschen aufgerichteten Schranken modernisiren will, und mir durch weichherzige Milde meine Bauern und Leibeigenen verdirbt; — mir gegenüber würde ich ihn schon im Zaum zu halten wissen", der Baron streckte seine hagere Gestalt bewußtvoll in die Höhe. „Der Oberamtmann geht mich eigentlich gar nichts an", bemerkte die Baronin affectirt, „ich kümmere mich eigentlich um solche Leute gar nicht; aber desto mehr sein Studiengenosse, dieser Rosenberg, der uns gleichfalls vom Baron Baldamus, als Hofmeister für unfern lieben Berthold empfohlen wurde, wenn nur der liebe Gott gäbe, daß Wir endlich einen braven Mann als Erzieher für unseren Knaben bekämen, schon drei solcher Subjekte mußten wir aus dem Hause jagen!" „Den letzten nicht, der hatte gekündigt", meinte die junge Baronesse, „der hat ja erklärt, daß es ihm bei der fortwährenden Einmischung in sein Verhältniß zu Berthold unmöglich würde etwas aus dem Knaben zu machen, dieser, so behauptete er, müsse mit Ernst, ja mit Strenge behandelt werden. . . „Der nichtöwürdize Mensch!" rief die Baronin vor Zorn erglühend, „der glaubte wohl, daß ich es gestatten würde, die tyrannischen Launen dieses elenden Bücherwurmes, an meinem Kinde, dem einzigen Sohne und Erben des Freiherrn von Pellwald zu kühlen! — na — d en Menschen in Schutz nehmen kann nur eine so gütige Schwester, wie Du es bist, liebseliger Schatz! „Gnädige Frau Cousine!" wagte der pensionirte Fähnrich schüchtern einzuwenden, „Gallwitz, der letzte Erzieher, war wahrhaftig kein schlechter Mensch — da thun Sie ihm unrecht; da gehen Sie in der That zu weit." „Hochfreiherrliche Gnaden!" unterstützte der Pfarrer den jungen Offizier, „ich muß mich auf die Seite des Herrn Fähnrich von Bollwitz stellen; — ich kann bei den bisherigen Mißerfolgen nicht die ganze Schuld den Hofmeistern und Erziehern des jungen gnädigen Herrn Zumessen, zum Theil ist auch dieser Schuld daran; — bevor Herr Gallwitz die Ehre hatte zu dieser Stelle berufen zu werden, hatte ich in Ermanglung einer andern passenden Kraft, es eine Woche lang versucht, den jungen gnädigen Herrn zu unterrichten; aber" — ein mildes Lächeln überflog die Züge des würdigen Greises „ich kam auch nicht vom Flecke, es gelang auch mir nicht die Aufmerksamkeit des lieben jungen Herrn bei dem Lehrgegenstande festzuhalten . . . Das Gespräch wurde unterbrochen, ein Bedienter trat in tief gebückter Haltung näher . . . . „Was will Er?" frug der Baron ohne darauf zu achten, daß er seinem Gaste und Seelenhirten jäh das Wort abschnitt. „Euer hochfreiherrliche Gnaden, so eben hat der Postbote das Schreiben gebracht" — so sprechend überreichte der alte Diener auf einer silbernen Platte ein breitcouvertirtes Schreiben. Der Baron nahm und erbrach dasselbe. „Ah! gerade von den Leuten, von denen wir so eben gesprochen, der neue Amtmann zeigt unterthänigst an, daß er Sonntag, zehn Uhr Vormittag, mit seinem Freunde Rosenberg, dem zukünftigen Erzieher unseres Sohnes hier anlangen wird." „Wenn man den Esel nennt, kommt er gerennt", hatte der kleine Berthold laut lachend einzuschalten, was zur Folge hatte, daß ihm die verblendete Mutter einen leichten Schlag versetzte, der aber einem Ausbruche zärtlicher Liebe weit ähnlicher, als einer wohlverdienten Strafe sah; Der Baron schien dieses kleine Intermezzo nicht zu beachten und fuhr fort: „Er scheint ein recht manierlicher und wohlgeschliffener Mensch zu sein .... Lieber Vetter Bollwitz, wollen Sie 'mal so gut sein, den Brief laut vorzulesen." Der Fähnrich empfing das zusammengelegte Schreiben aus der Hand des Barons; aber da ihm ein Arm fehlte, konnte er jenes nicht rasch genug entfalten, und Anna beeilte sich, dies zu thun und ihm das offene Schreiben in die Hand zu geben, welches menschenfreundliche Benehmen, von der Baronin mit einem boshaften verletzenden Lächeln vermerkt wurde. Bollwitz las: Euer hochfreiherrliche Gnaden! Hochgeborener, gnädigster Gönner und Wohlthäter! Mit höchster Wonneseligkeit, erschütternder Rührung und hochstrahlendestem Glücke ward mir durch meinen hohen Gönner, seine hochfreiherrliche Gnaden Herren, Herren Baron Leopoldus Baldamus, pensionirten kaiserlichen Obristwacht- Meister, kaiserlichen Kammerherrn rc. rc. rc. die hocherfreuliche Kunde, ich unwürdiger Knecht hätte das unverdiente Glück gehabt vor Hochdero gnädigen Augen, Gnade zu finden, und daß Hochdi"-1 selben in hoch dero unendlicher Huld und Barmherzigkeit geruhten mir die auf Hochdero Herr-