Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 40-41 (13.9.1879)
- Date
- 1879-09-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1088 Wohnhäuser nicht mehr bestehen, werden demnach bleiben müssen, wo sie sind, d. h. in Philippopel, Adrianopel, Constantinopel, und einstweilen aus die Rückkehr in ihre früheren Wohnorte verzichten. Nach Constantinopel zurückgerufen durch die Nachricht von einem Feuer, welches in der Nacht vom 28. zum 29. Juli in Ortakeui ausgebrochen war und die armen Quartiere dieses Stadttheiles zerstört hatte, vertheilte H. Veneziani auch hier reichliche Spenden im Namen des H. Baron v. Hirsch, der ihm 1000 Pfd. trk. (23000 Fr.), und des H. Grafen von Camondo, der ihm 5000 Fr. zur Verfügung gestellt hatte, und ließ für die Bedürftigen 500 Decken anfertigen und 250 Stück Kattune vertheilen; 600 obdachlose Familien campiren in den von der Regierung gelieferten Zelten oder haben sich nach den Ställen und Küchen des Palais Tscheragan geflüchtet; man bemüht sich, denselben gesündere und dauerhafte Quatiere zu verschaffen. — Das Bezirkscomitö von Constantinopel hat sich bei diesem traurigen Anlaß besonders ausgezeichnet und wurde hierbei von den HH. Tiano und Toledo aus Adrianopel würdig unterstützt; die geehrten Mitglieder dieses Comittzs, welche die Ersten waren, die in Gemeinschaft mit H. Felix Bloch auf der Unglücksstätte erschienen, haben sofort 2000 Oka Brod, ohne Unterschied des Cultus, vertheilt und eine Sammlung veranstaltet, deren Ertrag (60 Pfd. trk.) in gleicher Weise und mit derselben weiten Barmherzigkeit verwendet worden ist. Frau S. Fernandenz hat von dem englischen Gesandten, Sir H. Layard, Wäsche, Kleider und eine Geldsumme erhalten, die sie unterschiedslos an verschämte Arme und deren Familien vertheilte. — Aus einem Bericht des H. Bloch geht hervor, daß von dem ganzen Stadttheil Ortakeui nur das auf einem Hügel gelegene und größtentheils von -Griechen jund Armeniern bewohnte Viertel übrig geblieben ist; alle übrigen Häuser sind ein Raub der Flammen geworden. Der dritte Theil der Abgebrannten sind Israeliten (circa 2000); 163 Häuser und Läden, die ihnen gehörten, sind mit sämmtlichem Mobiliar und sämmtlichen Waaren verbrannt; es konnte Nichts gerettet werden. Das E. Comittz hat für dieselben auf Antrag des H. Fernandez von dem Rest der türkischen Sammlung eine Summe von 2000 Frs. bewilligt. — Die Reise Sr. Hoh. des Prinzen von Battenberg nach Bulgarien hat daselbst zu mannigfaltigen Kundgebungen Veranlassungen gegeben, an denen auch die Israeliten theilgenommen haben. H. Schulmann, Director der Alliance-Schule von Samakoff, ist von der Gemeinde nach Sofia geschickt worden, um Sr. H. Alexander I., den Fürsten von Bulgarien, bei seiner Ankunft in der neuen Hauptstadt zu begrüßen: Die Aufnahme, schreibt er, war sehr feierlich; es war die israelitische Gemeinde, welche sich bei dieser Gelegenheit am meisten auszeichnete; 300 Kinder, Knaben und Mädchen, fämmtlich neu gekleidet und von der ganzen jüdischen Bevölkerung begleitet, zogen Sr. Hoheit entgegen; ein junges Mädchen und ein Knabe überreichten eine Adresse in bulgarischer, hebräischer und deutscher Sprache. Da der Fürst den Wunsch geäußert hatte, den Großrabbiner von Sofia zu sehen, so begab sich dieser in Begleitung des H. Schulmann als Dolmetscher, ins Schloß, wo Se. Hoheit sie aufs Freundlichste empfing. „Sie können sicher sein, sagte er zu ihnen, daß ich alle meine Unterthanen liebe, ohne auf ihre Religion zu achten; sie werden alle unter meinem Schutze stehen; die Gesetze werden für Alle gleich sein." In Schumla, wo der Fürst sich nur wenige Augenblicke aufhielt, haben H. Haim Semach, Director der israelitischen Knabenschule, und Frl. Salzer, Vorsteherin der Mädchenschule, ihre Zöglinge zur Begrüßung desselben nach dem Bahnhofe geführt; die jungen Mädchen waren fämmtlich weiß gekleidet, jede mit einer Schärpe in den 3 nationalen bulgarischen Farben geschmückt, und trugen eine mit Blumen geschmückte Fahne; eines derselben überreichte dem Fürsten ein Bouquet, welches er mit Vergnügen annahm, während die übrigen Gelegenheitsgedichte, die von H. Semach und Frl. Salzer verfaßt worden waren, sangen. Uebrigens hatten sich alle Gemeinden von Schumla nach dem Bahnhofe begeben, um den neuen Souverän des Fürstenthums ihre Huldigung darzubringen. Die Adresse der jüd. Gemeinde wurde ihm von H. Semach überreicht. Dem Prinzen war außerdem schon am 15. Juni die Sache der Israeliten von H. Adolph Trier aus Darmstadt empfohlen worden; derselbe hatte bei ihm auf dem Schlosse Heiligenberg bei Jugenheim eine Audienz, in welcher er ihm die Leiden der jüdischen Bevölkerung während des russisch-türkischen Krieges schilderte. „Ich nehme ohne jedes Vorurtheil, sagte der Fürst, die mir anvertraute Regierung in die Hand und werde die Menschen nicht nach ihren Glaubensbekenntnissen, sondern nach ihren Handlungen beurtheilen; ich werde mich von diesem Princip auch bei Ernennung der Beamten leiten lassen." (Die Israeliten von Marocco.) Die Frage wegen Entziehung des ausländischen Schutzes, die auf der Tagesordnung der verschiedenen europäischen Vertreter zu Tanger, auf Andrängen der maroccanischen Regierung die erste Stelle einnimmt, beschäftigt und beunruhigt die Israeliten von Marocco um so lebhafter, als manche Beispiele zeigen, was ihnen bevorstünde, wenn jener Schutz aufhörcn sollte. Bor circa 2 Monaten hatte ein spanischer Kaufmann