Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 40-41 (13.9.1879)
- Date
- 1879-09-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447797-2447837--16730-2472726- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1087 zu geben, und Gottes voller Barmherzigkeit bedarf's, um diesen Segen zu erfüllen. Zeitungsnachrichten und Corresponden;en. Deutschland. Berlin, 25. Sept. „Unsere Forderungen an das Judenthum" bildet das Thema der Rede des christlich-sozialen Hofpredigers Stöcker, welche derselbe am Freitag verflossener Woche in Berlin vor einer Wählerversammlung hielt. Der Inhalt war nach Mittheilung verschiedener Blätter etwa folgender: Die Jndensrage sei immer mehr zn einer brennenden geworden. Als einer der hauptsächlichsten Kämpfer gegen das moderne Jndenthum sei namentlich in der letzten Zeit Wilhelm Marr aufgetreten, doch halte er (Stöcker) das Judenthunl nicht für so stark wie Marr, noch Deutschland für so schwach, wie derselbe glaube. (Sehr richtig!) Gr (Stöcker) liebe die Inden, wenn aber dieselben unseren Glauben angreifen, so müssen wir das Recht behalten, darüber zu reden. (Bravo!) (Einige Juden verlassen den Saal). Das Jndenthum sei zn einer großen Gefahr für unser deutsches Volk geworden. i2ci)r richtig.) Ter Gott des Judcnthnms sei der Mammon, nur für sich selbst schwärme der Jude: bei dem lZ-jährigen Gymnasiasten höre schon die Religionslehre auf; als oberster Grundsatz der Moralität gelte für denselben: „Was der Strafrichter nicht bestraft, ist erlaubt, schön und gut." (Sehr richtig) Niemals habe er gefunden, das; sich die jüdischen liberalen Zeitungen über die Feste des Jn- Rnthums, über den Talmud lustig gemacht hätten,! aber immer finde er, das; die jüdischen Zeitungsschreiber mit allem nur möglichen Spott die christlichen Feste begössen. (Leider.) Ja, auf liberaler Wischer Seite habe man sich nicht geschämt, den sten Bußtag, der nach den Attentaten auf unseren user folgte, in den Staub zu ziehen. (Pfui!); der dische Stadtverordneten-Vorsteher Straßmann habe ui wirklichen Ketzerrichtern gesprochen (Pfui!) und on dem Athem, der da sei, wie der Hauch cs Sumpfes, in dessen Miasmen das Leben hinsieche. (Pfui!) Aus diesem Geist sei die Socialdemokratie ausgewachsen. (Stürmischer Beifall.) Me Ueberwuchcrung des Judenthums in Berlin sei geradezu eine horrende, hier nähere man sich bald polnischen Verhältnissen, in Berlin wohnen circa 45,000 Juden, eben so viel wie in ganz Frankreich oder England. (Hört!) Und diese 45,000 repräsentiren eine relativ viel größere Macht, da sie die Lebensadern des Volks, den Handel und die Presse, in ihrer Gewalt hätten. Es sei ein Princip der Juden, da zu ernten, wo sie nicht gesäet hätten, der deutsche Idealismus wurde von den Inden aufs Aergste ausgenutzt. (Sehr richtig!) Es müsse deshalb vor alten Dingen etwas geschehen, daß das Jndenthum und das Christenthnm zu einander in das richtige Verhältniß gebracht würden, er sei der Ansicht, daß wir vor großen socialen Reformen ständen. Gesetze müssen erlassen werden, die die Arbeit wieder aus den Händen des speculirenden Eapitals herauszögen, die dem schnöden Ereditwescn ein Ende machten und dem übermäßigen Eindringen der Juden in die Rechtscarriüre einen Damm entgegensetzen. (Stürmischer Beifall.) Es heißt jetzt zu streiten, das; dem tteberwuchcrn des jüdischen Geistes ein Riegel vorgeschoben wird. (Minutenlanger Beifall.) Den; gegenüber äußerten sich Eugen "Richter in einer äußerst zahlreich besuchten Versammlung fortschrittlicher Wahlmänner u. A. in nachstehender Weise: Man hat die Erregung eines niederträchtigen Religionshasses, eine ganz gemeine Jndenherze, in Scene geletzt! (Pfui, Pfui!) Zlnd wer steht an der Spitze derselben? (Rufe: Stöcker!) Leute, die berufen sind, die christliche Liebe zu predigen und zi^ lehren! Ein Hosprediger ist es, der an der ^piize steht. Meine Herren! Ich habe vordem letzten, geringsten socialdemokratischen Agitator mehr Achtung, als vor diefcm Hofprediger. (Stürmischer Beifall.) Wenn der Regierung ein Gesetz gegen die Socialdcmokraten nöt'hig erschien, so muß sie uns zehn Gesetze geben gegen solche Hofprediger. (Bravo!) Der Herr Hosprediger wirft den Inden Wucher uub Gründerthnm vor. Wissen die Herren nicht mehr, wer die.Hanptgrnnder waren? (Rufe: Wagner, Putbns!) Es waren Geheimräthe, Herzöge und Prinzen! (Bravo!) Und wer hat sie endlich entlarvt? (Rnfe: Laster, Laster!) Ein Jude wars, vor dem wir die höchste Hochachtung hegen, wenn wir auch politisch nicht immer übereinstimmen. (Lebhafter Beifall.) Frankreich. Paris. Monatsbericht (August) der „All. Jsr. Univ." (Schluß.) Die in den vorstehenden Zeilen geäußerten Besorgnisse wegen der massenhaften Rückkehr der Muselmänner haben sich allzuschncll verwirklicht; am 0. August wurde H. Veneziani benachrichtigt, das; die Behörden von Peni Zagra nur die einheimischen israelitischen Familien in der Stadt behalten wollen, allen übrigen aber auszuwandern befahlen; er ries für Letztere die Intervention des Exarchen Joseph an, indem er sich verpflichtete, fortan keine anderen als einheimische zu schicken, und ergriff in der That die entsprechenden Maßregeln. Die Flüchtlinge, deren