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Der Israelit · 1879-09-13 · Heft 40-41 (13.9.1879) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 40-41 (13.9.1879)
Date
1879-09-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1086 freilich haben sie sich den specifisch' jüdischen Zielen unterzuordnen, aber sobald dies geschehen ist, wird ihnen ihre volle ungeschmälerte Berechtigung, indem der Vater seinen Segen mit den Worten schließt: „Möge Gott Dir Deine Nahrung auf er- „laubtem Wege gewähren, in Frieden und reich- „licher Fülle aus seiner weit geöffneten Hand, „aber nicht durch Gaben, gereicht von Fleisch und „Blut, einen Nahrungszweig, der Dir freie Muße „läßt zum Dienste Gottes. Möge Dir einge- „schrieben und besiegelt werden ein gutes langes „Leben, unter allen Gerechten Jsrael's. Amen." Es ist nicht die letzte Eigenthümlichkeit dieses Segens, daß er mit den Wünschen schließt, mit denen man sonst nicht nur beginnt, sondern die oft die Summe alles dessen ausmachen, was kurzsichtige Eltern ihren Kindern überhaupt wünschen. Wie unterscheidet sich aber selbst dieser Segen um das zeitliche Wohl der Kinder, so scharf von der Art und Weise, in welche sich derartige Wünsche und Hoffungen sonst zu leiden pflegen! Wie viele Eltern gibt es denn, die an den Wunsch um eine selbstständige Stellung ihrer Kinder auch sofort die Bedingung knüpfen, daß sie auf erlaubten! Wege erlangt werde? Wie viele Eltern gibt es nicht, die in der glänzenden Stellung ihrer Kinder eine Beruhigung finden, für die Mittel, durch welche sie erreicht wurden? Wie hat man es überhaupt verstanden, die erlaubten und unerlaubten Pfade so zu verschlingen, daß es oft schwer fällt das Verbotene von dem Gestatteten zu unterscheiden. Man hat den Betrug Rafsinirtheit, man hat die Uebervortheilnng Geriebenheit, man hat den Eingriff in den Besitz des Nebenmenschen Eoncurrenz genannt, und diese Verbrechen mit diesen Schlagwörtern beschönigt. Ein betrügerischer Kaufmann zu sein, ist allerdings eine Schande, aber ein raffinirter zu sein, gilt vor dem Forum des merkanitilischen Gewissens als Lob. In der Schule hat das Kind freilich gelernt: „Du sollst nicht lügen, sollst nicht stehlen, Du sollst des Sabbats gedenken ihn zu heiligen", aber dem Kinde, das diese Lehren nun auch in seinem neu angetretenen geschäftlichen Leben bethätigen wollte, wird man diese Ueberspanntheit bald benommen und ihm begreiflich gemacht haben, daß das Alles schön und gut sei für die Schule, das Leben aber stelle andere Ansprüche. Selbst wo die Ehrlichkeit empfohlen wird, wird sie nur empfohlen, weil sie am längsten währt und damit stillschweigend ein Dispens Demjenigen ertheilt, der bei der Unehrlichkeit seine Rechnung besser zu finden glaubte. Auf diese Weise ist die Fristung des bloßen Daseins zu einem Kampfe ums Dasein geworden, in welchem einer den andern zu irbervortheilen und zu überlisten sucht. Das Vertrauen ist geschwunden und schwindet so sehr von Tag zu Tage, daß es dem bescheidenen ehrlichen Manne, der alle Kneiffe und Schliche verachtet und sich nicht an der Dummheit der Anderen bereichern will, in der That schwerer fällt als je seine und seiner Familie Existenz zu fristen. Wie steht da der jüdische Vater himmelhoch erhaben über dem Getriebe einer nur nach Gewinn und Vortheil haschenden Zeitrichtung da, wenn er am Eingang zum Versöynungstage von Gott für sein Kind nDns erfleht, aber nur aus erlaubtem Wege! — Er weiß es, daß die athcmtose, sich selbst verzehrende Hast, die scrupcllos Gottes Wort und Menschenglück bei Seite wirft, nur deshalb die Sorge ums Dasein zu einer so schweren macht, weil sie sich auf verbotenen Wegen bewegte, er weiß, daß nur eine -rrr-o ~d3^e: auch eine .“D3-£ ist, und daß Gottes Allmacht auch dem Redlichen, Rcichlhum und nur dem Redlichen die ganze Fülle des ans seiner weit geöffneten Vaterhand zu spendenden Glückes gewährt, narm rp nnro nin:. So wenig er im Vertrauen ans diese nzmr, m von der Menschenklugheit erwartet, so wenig er vor der Menschenlist zittert, so wenig hofft er auch von menschlicher Gnade von -ieo n'jnc. Er bittet von Gottes mächtiger Hand für sein Kind einen Nahrungszweig, der es nicht ganz in irdische Sorgen einjocht, der ihm freie Zeit und Muße für den Dienst seines Gottes läßt und ersteht ihm für das kommende Jahr das Verhängnis; aller Gerechten in Israel. Und je niehr sich die Reihen der erprobten lichten, um so inniger schmiegt sich die segnende Vaterhand aus das Haupt des Kindes, um so sehnsüchtiger ringt sich aus der Vaterbrust die Bitte zu Gott empor, daß sein Kind nicht die große Zahl der Pflichtvergessenen mehren möge, daß es den Kreis der Zadikim um eine neue Bxaji bereichern, und mit ihnen das seligheitere Geschick eines pflichttreuen Menschen theilen möge. Glücklich der Vater, an dessen Kindern sich dieser Segen bereits erfüllt hat. Seine Erfüllung ist hi unserer Zeit ein besonderes Zeichen von Gottes Gnade und Barmherzigkeit. Deshalb lautet die Ueberschrift zu diesem Segen: nojun rraV ctp omn nN "-□/ :njcn D-nr-BJ D'om cr.vi nten-p Pn iid ustr „Es ist Brauch die Kinder zu segnen, bevor man die Synagoge betritt. Denn dann hat bereits die Heiligkeit des Tages begonnen, und die Pforten zur Barmherzigkeit Gottes sind geöffnet." Die Heiligkeit des Tages muß die Eltern bereits ergriffen haben, um ihrem Kinde einen solchen Segen

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