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Der Israelit · 1879-09-13 · Heft 40-41 (13.9.1879) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 40-41 (13.9.1879)
Date
1879-09-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1084 nenden Gefühle der Rache gestachelt; Herr Friedrich, gestählt durch den Gedanken, daß er für sein Leben'kämpfen muß, daß er Gnade hier nicht zu erwarten hat. Die Lanzen zersplittern; die Kämpfer ziehen die Schwerter; es ist ein harter Strauß. Endlich stürzt Prechter vom Pferde, nachdem er verwundet ist worden; auch Günther springt von seinem Rosse. „Schwöre", ruft er dem Blutenden zu, „daß Du meine Schwester ehelichen wirst!" „Thorheil", schreit Prechter ächzend, „ich bin ja verheirathet!" „„So werde Lutherisch, lasse Dich von Deinem Weibe scheiden und gibt der entehrten Jungfrau die Ehre zurück!"" Da rafft sich der am Boden Liegende auf und schreit: „Niemals!" In demselben Augenblicke stößt ihm Günther sein Schwert in die Gurgel. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Kunde von der Ermordung des Kaiserlichen Rathes Ritter Friedrich von Prechter, des Herrn zu Hochfelden, durch ganz Elsaß. Aber es geschah noch etwas, was die Gemüther noch mehr aufregte. In Hagenau brach eine Seuche unter den Kindern aus, die Halsbräune. Außer vielen Kindern erlagen in derselben Woche, in welcher Prechter ermordet wurde, drei hochangesehene Männer der Seuche. Am Sonntag starb Herr Philipps von Gottesheim, Schöffe und Mitglied der kaiserlichen Regierung; am Montag wurde Prechter ermordet; am Mittwoch starb der Schöffe und kaiserliche Ratb Herr Hans von Plence; am Freitag darauf erlag Herr Wolf Wilhelm von Andlaw, Schultheiß von Hagenau und kaiserlicher Rath der Seuche; dann erlosch dieselbe. Es war ein Gottesgericht; das erkannte alle Welt; Gott hatte für die Juden gestritten, wie es Rabbi Joselmann vorausgesagt hatte. Jetzt waren die vier judenfeindlichen Mitglieder der kaiserlichen Regierung zu Hagenau eines elendigen Todes gestorben; von der Vertreibung der Juden war natürlich nicht mehr die Rede. In welch hohem Grade durch diese Ereignisse das Ansehen Rabbi Joselmanns bei Juden und Nichtjuden wuchs, läßt sich nicht schildern; man verehrte ihn wie einen gottbegnadigten Propheten. Die hier mitgetheilten Ereignisse erscheinen so wunderbar, gehen so über das Maaß des Gewöhnlichen hinaus, daß ich es für nothwendig halte, zu erklären, daß diese Thatsachen — der Tod der drei Räthe und die Ermordung Prechters in seiner eigenen Herrschaft Hochfelden — vollkommen wahr und historisch beglaubigt find. Nicht allein daß sie Rabbi Joselmann in seinem Tagebuche erzählt, auch die aus jener Zeit stammenden historischen Quellen berichten davon. namentlich Hertzogs Chronicon Alsatiae, gedruckt zu Straßburg im Jahre 1591. Nachdem Günther von Rottbach den Verführer seiner Schwester zu Tode verwundet hatte, befahl e: einem seiner Reisigen, den Verwundeten auf sein Pferd zu nehmen, um den Sterbenden oder die Leiche desselben seiner Schwester zu zeigen. So sprengten sie nach Beynberg, wo Friedrich von Prechter starb, ohne daß ihn Marie von Rottbach noch einmal hatte sehen wollen. Ihr Bruder und Dixinger lohnten jetzt die Reisigen ab, die sich in alle Welt zerstreuten. Herr Kaspar von Mörsperg, der kaiserliche Landvogt des untern Elsasses, durfte die Ermordung eines kaiserlichen Rathes nicht ungeahndet lassen. Er sandte einen Hauptmann mit fünfzig Mann aus, um auf die Mörder zu fahnden. Ehe diese jedoch nach Beynberg kamen, waren Dixinger und Rottbach entflohen; Marie hatten sie mit sich genommen. Damit war für die Regierung von Hagenau die Sache abgethan. — Aber die Familie Prechter's ließ die Angelegenheit nicht auf sich beruhen. Der einzige Sohn des Ermordeten — j die anderen Kinder waren Töchter — Herr Wil-; Helm von Prechter, machte sich auf den Weg, um den Tod seines Vaters zu rächen. Er erreichte! die Flüchtigen in Brüssel und ließ sie daselbst ver- | haften. Dixinger und Rottbach wurden zum Tode verurtheilt. Günther von Rottbach wurde auf j Fürsprache des Prinzen von Oranien von Kaiser Carl begnadigt; er ging nach Antwerpen und von da zu Schiff, um nach der neuen Welt überzusiedeln. Seine Schwester Marie fand durch Verwendung des Prinzen von Oranien ein Asyl bei Margarethe von Savoyen, der Statthalterin der Niederlande, des Kaisers Tante. Dixinger wurde in Brüssel enthauptet. Diesmal fand sich keine vornehme Dame, die ihn vom Tode errettet hatte. Im Elsaß wurde von jener Zeit an keine Judenverfolgung wieder geplant. Sichtbarlich hatte alle Welt den Finger Gottes erkannt, den Er erhoben, Sein Volk zu schützen. (Siehe Fortsetzung in der ersten Beilabe.) Hierzu fünf Beilagen. Verantwortliche Redactton: Or. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des „Israelit" große Bleiche 45. I. Gott sieben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

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