Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 40-41 (13.9.1879)
- Date
- 1879-09-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1083 Die einzige Schwierigkeit, die wir in Betreff der Repatriirung noch zu begegnen haben, kommt von der gleichzeitigen Rückkehr der Muselmänner her; dieselben verlangen ihre Häuser zurück, die gegenwärtig von unseren Glaubensgenossen bewohnt sind; letztere müssen sie räumen, aber wo sollen sie hin? das ist die Frage. Was die Flüchtlinge von Eski Zagra betrifft, das vollständig zerstört ist, so ist an eine Repatriirung derselben an anderen Punkten nicht zu denken; vielleicht wird es möglich sein, einige Familien von ihnen nach Macedonien zu schicken; ich will hierüber an Herrn Dr. Allitini in Salonichi schreiben. Ich schließe mit der Mittheilung einer allgemeinen Maßregel, die ich zur Verhütung des Umherlaufens der repatriirten Kinder getroffen habe. Ich habe für die Ortschaften Jamboli, Slimnia, Tschirpan, Haskeui und Earnabat je einen Rabbincn auf 6 Monate angestellt, der die Kinder Zusammenhalten und so verhindern wird, in den Straßen nmherzulaufen. (Siehe Schluß in der ersten Beilage.) Feuilleton. Kabbi Zosetmann von Mosheim. Eine historische Erzählung. (Zweites Buch.) IX. Es war so, wie Dixinger vermuthet hatte; der alte Heinrich Voltz hatte Maria von Rottbach zu seiner Tochter gebracht, wo sie in Kummer und Gram in einer armseligen Bauernhütte lebte. Wir wollen das traurige Wiedersehen der Geschwister nicht schildern. Günther und Gerhard begaben sich in das Elsaß; bald hatten sie ausgekundschaftet, daß Herr Friedrich von Prechter sich nach seinem L-chlosse Hochfelden begeben würde; sie ritten dorthin, um daselbst dem verhaßten Feinde aufzulauern. Der Abend war stürmisch; ein rauher Ostwind blies ihnen die von den Bäumen fallenden Blätter entgegen, und die Wolken, welche der Sturm zusammentrieb, ließen Ungewitter befurchten. Es waren waldbewachsene Höhen, die sie jetzt passiren mußten. Bei ihrem Eintritt in den dunkeln Fichtenwald, deckte dickes Gewölk den letzten Wiederschein der Abendröthe, und es wurde finstere Nacht. Dann begannen die Wolken sich in fürchterlichen Güssen zu leeren; furchtbar schlug der Sturm die schlanken Fichten an einander und rauschend strömte der Regen herab. Die Beiden ritten schweigend in die Schlucht hinab, die hier am Abhange der Vogesen sich hinzieht. Nur selten betrat der einsame Wanderer die Schlucht, denn die Sage ging, der Berggeist der Vogesen halte hier Wacht, verlocke, die Fackel in der Hand, die Reisenden, und führe sie auf Irrwegen in Moraste, wo er ihnen dann, sie ihrem Elende überlassend, das Licht ausblase. Mitten im Walde, nicht weit von Hochfelden, fanden sie die Waffengefährten, die sie geworben hatten, zehn an der Zahl, lauter geharnischte Männer, um ein Feuer lagernd. Mit Tagesanbruch verließen sie den Wald, sich in der Nähe des Burgberges versteckt haltend. Gegen 10 Uhr Morgens zog Herr Friedrich mit seinem Gefolge, die Straße von Hagenau kommend, feiner Burg zu. Da stürmten die zwölf Männer aus dem Hinterhalt hervor. „Halt", tönte es, „Halt!" Die Diener des Ritters gaben ihren Pferden die Sporen und entflohen. Herr Friedrich hielt sein Pferd an. „Was wollt Ihr?" fragte er. Gerhard Dixinger ritt vor. „Kennst Du mich, Friedrich Prechter?" fragte er. „Ich kenne Dich nicht", antwortete der Ritter. »„Ich heiße Gerhard Dixinger. Du hast mich hängen lassen, wie einen Hund!"" „Bist Du vom Grabe erstanden?" „„Eine mitleidige Hand hat mich vom Baume abgeschnitten. Ich habe seitdem mit Ehren dem Kaiser gedient; setzt komme ich, um Dich zur Rechenschaft zu ziehen."" „Dir ist von mir nur Dein Recht geschehen; Du warst beim Aufstande der Bauern betheiligt. Wenn Du Grund zu haben vermeinst, Dich über mich zu beschweren, so verklage mich bei der Regierung; mich aber lasse ruhig meines Weges ziehen!" Da ritt Günther von Rottbach heran. „Friedrich von Prechter". sprach er, „wirst Du auch mir gegenüber Deinen kecken Muth behalten? Schau mich an! Ich bin der Hauptmann Günther von Rottbach, der Bruder der armen Marie, die Du unglücklich gemacht, an der Du treulos gehandelt! Ich könnte Dich hier niedermachen lassen, wie Du es verdient hast. Aber ich will mit Dir kämpfen, im ehrlichen Zweikampfe!" Ritter Friedrich war sichtlich niedergeschmettert von den nur zu berechtigten Vorwürfen des Bruders. Schweigend schloß er das Visir, wandte sein Pferd um und legte die Lanze ein. Günther tha< ebenso; dann jagten sie gegeneinander. Günther, kräftiger und jünger und kampferfahren, vom bren-