Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 40-41 (13.9.1879)
- Date
- 1879-09-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447797-2447837--16724-2472720- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1081 von der zur Naturalisirung erforderlichen Dauer der Anwesenheit im Lande rechtsgültig dispensirt. Der Entwurf schlägt den Kammern vor, sofort alle den Rumänen assimilirten Israeliten als rumänische Bürger zu erklären, deren Namen in dem der Kammer unterbreiteten besonderen Verzeichnisse enthalten sind. Dieselben sind in sechs Kategorien getheilt: diejenigen, welche in der Armee gedient, welche Baccalaureatsdiplom im Lande erworben, welche im Auslande dip'.omirt sind und ihren Beruf in Rumänien ausüben, welche wohlthätige Anstalten gegründet, welche Handes- oder Industrie-Etablissements besitzen und solche, welche Werke in rumänischer Sprache geschrieben. Die Gesetzentwürfe wurden hierauf den Sektionen zur Vorberathung überwiesen. Bukarest. Nach langen Irrfahrten des rumänischen Ministers der auswärtigen Angelegenheiten durch Europa und nach langwierigen Debatten in deri Kammern ist die Bukarester Regierung endlich mit ihrem Projekt zur Emancipation der rumänischen Juden hervorgerückt. Dasselbe entspricht, soweit wir nach dem telegraphischen Bericht urtheilen können, vollständig bcu Erwartungen, welche man von demselben hegte, d. I). cs ist durchaus ungenügend und kann unmöglich als eine Ausführung der diesbezüglichen Bestimmungen des Berliner Vertrages angesehen werden. Rach den neuesten Nachrichten enthält die von der Negierung ausgestellte Liste der Israeliten, welche sofort das rumänische Bürgerrecht erhalten sollen, allerdings nicht blos 954 Namen, wie früher gemeldet wurde, sondern gegen —1200! Der Minister Eogaluiccano hatte in' einer der letzten Sitzungen des Abgeordnetenhauses die Frage aufgeworfen: „Was sollen wir mit den 300,000 Israeliten, welche -- so lange Ihnen keine Rechte zuerkannt werden — eben so viele Feinde sind, welche das Land beherbergt anfangen? Entweder wir schlagen sie todt — es geht aber heutzutage in Europa nicht, das; man die Menschen heerdenweise umbringt — oder wir treiben sie aus — das geht wieder nicht — oder wir geben ihnen Rechte und machen uns damit aus Feinden Freunden." Trotzdem erklärte der Minister am Tage darauf, das; die Regierung demnächst ehrlich und offen eine Vorlage machen werde, von welcher sie glaube, daß dieselbe die Signatarmächte des Berliner Vertrages zufriedenstellen werde, dieselbe könne aber auch das -Land und insgesondere die Moldau zusriedenstellen, denn sie werde nicht für 300,000 Israeliten, auch nicht für 30,000 und selbst nicht für 3000 die Emancipation fordern. Wenn aber die Kammer die Vorlage trotzdem nicht annehmen sollte, so werde die Regierung wissen, was sie in diesem Falle zu thun habe. Es ist kaum glaublich, daß die Kammer mit der nunmehr eingebrachten Vorlage, mit der Scheinreform, unzufrieden sein und dieselbe nicht mit der nothwendigen Zweidritttheil Majorität annehmen wollte und die Zustimmung der Mächte scheint diesem Projekt in der That ebenfalls gesichert zu sein. Rach dem Regierungsprojekt, welches in listiger Weise das Listen- und Kategoriensystem zu vereinigen sucht, würden etwa 1200 Israeliten sofort das rumänische Bürgerrecht erhalten, während von den übrigen 200,000 jeder einzelne 'dasselbe bei den Kammern nachsuchen müßte. Was dieses Recht bedeutet ist leicht zu erkennen. Frankreich. Paris. Monatsbericht (August) der „ ll. Jsr. Univ." (Fortsetzung.) Wir sind zuerst, schreibt er, durch die beiden Dörfer Mustapha-Pascha und Hermanly gekommen, das eine gehört zur Türkei, das andere zu Ostrumelien; wir haben überall eine Menge Türken sehen können, welche zurückgekehrt waren und aus Mangel an Unterkunft in der Nähe des Bahnhofes unter freiem Himmel campirten. In Mustapha- Pascha und Hermanly haben wir mehrere Israeliten über das Schicksal unserer nach ihren früheren Wohnungen zurückgekehrtcn Glaubensgenossen befragt, sie haben uns einstimmig versichert, das; die Inden mit ihrem Loose sehr zufrieden sind und das; ihre Beziehungen zu den Bulgaren nichts zu wünschen übrig lassen. In Tirnova gibt es keine Israeliten. — In Mni-Zagara fand ich 7 Familien wieder, welche ich zwei Tage füher von Adrianobel expedirt hatte; unter ca. 2000 Türken sich befindend, waren auch sie wie diese ohne Quartier und campirten aus der bloßen Erde. Sie kamen sofort zu mir, um mir ihre Lage auseinanderzusetzen; zmn Glück für uns Alle traf ich dort einen Israeliten, Namens Joseph Jantu Semach aus Mrnboli, und einen Bulgaren, Namens Ehristo Dano, die mir vorschlugen, für dieselben ein großes Wirthshaus zu miethen, was ich denn auch that, indem ich, da ich keinen Auftrag hierzu hatte, mit Rücksicht auf die Dringlichkeit des Falles, die Miethe von 3 Monaten auf meine eigene Rechnung nahm. In Ueni-Zagara, sowie in den verschiedenen anderen Ortschaften, durch welche ich seit meiner Abreise von Adrianopel gekommen war, rühmten die heimgekehrten Israeliten die Behandlung, die sie seitens der Bulgaren genießen. — Am Bahnhofe zu Mmboli erwartete uns, meinen Bruder und mich, ein Wagen, in welchem wir die beiden Vorsteher der israelitischen Gemeinde gleichfalls Platz zu nehmen baten; man führte uns in das einzige jüdische Haus, das noch stehen geblieben war und wohin man zu unserer Aufnahme alle Möbel, die