Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 40-41 (13.9.1879)
- Date
- 1879-09-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1079 Reife gelangt. Je köstlicher eine Frucht ist, desto langsamer geht ihre Entwickelung vor sich. Während die andern Culturvölker in verhältnißmäßig kurzer Zeit erblühen und verwelken, ist Israel schon seit Jahrtausenden ein Culturvolk und hat den höchsten Punkt seiner Entwickelung noch nicht erreicht. Daher sollen wir treu und unentwegt an der hohen Aufgabe Israels festhalten; uns ist noch eine große Zukunft beschieden und wie endlich das Ethrog in jedem Boden gedeiht, wenn es nur Wasser hat co to bp mn, also ergeht es Israel, dem über alle Länder des Erdbodens zerstreuten Israel, das in allen Gegenden gedeiht, wenn es nur — min o»o p« an seinem Lebensquell, der Gotteslehre, festhält. Kabbi Wen Lebusch Walbim V"-- Mainz, 29. September. Am Fasttage Gedaljahu erhielten wir die telegraphische Anzeige, daß der weltberühmte, große Gelehrte, den unsre Ueberschrift nennt, am ersten Tage njtpn ipn-i in Kiew, auf der Durchreise nach dem ihm übertragenen Rabbinatssitze Kremtschuk in Rußland, einer rapid aufgetretenen Krankheit erlegen. Da dieser große Gelehrte, dieser begeisterte Gottesstreiter im Leben viele Feinde und Neider hatte, so schenkten wir der telegraphischen Anzeige nicht vollen Glauben und warteten erst briefliche Nachricht ab; diese ist leider eingetroffen: einer der größten und bedeutendsten Männer ist nicht mehr! Rabbi Meir Lebusch ben Jehudah Moscheh (die Anfangsbuchstaben zog er zusammen und bildete daraus seinen Familien-Namen) Malbim marin Wolhynien (Rußland) geboren. Schon als ein kleiner Knabe erregte er durch Geist, Scharfsinn und ein kolossales Gedächtniß das größte Aussehen Nach damaliger Sitte heirathete er mit 13 Jahren. Zu 16 Jahren wußte er den ganzen Talmud (circa 2500 Folio-Blätter), auswendig herzusagen. Dann zog er von der Heimath fort, um in den modernen Culturländern profanes Wissen-zu erlangen; er ging zuerst nach Ungarn; dann nach Triest, wo der damalige Rabbiner mit einigen gelehrten Gemeindemitgliedern wegen Entscheidung einer ritualen Frage (ob 5ein mmn auch bei Nacht gestattet sei) in Streit gerathen war. Der junge, 16jährige Gelehrte griff entscheidend ein und entschied zu Gunsten des Rabbinen. Von da reiste er direct nach Paris, das er aber nach kurzem Aufenthalte verließ, um sich nach London, Hamburg, Frankfurt a. M. und Berlin zu begeben. In Frankfurt war der berühmte Gelehrte Rabbi Ahron Fulda 5"s"r ganz entzückt und hingerissen von dem Geiste und dem Scharfsinne des jungen Mannes. Nach einem längeren Aufenthalte in Berlin, wurde Malbim — er zählte erst 18 Jahre — als Rabbiner nach Wreschen in der Provinz Posen berufen. Hier gab er seine ersten, Epoche machenden Werke heraus: Q"nn nis-w, eine Erklärung zun: dh-qn po, einen Commentar zum Propheten Jesaias, und extern rosr«, eine Sammlung von mam (Predigten). Von Wreschen wurde er nach der großen und bedeutenden Gemeinde Kempen berufen, wo er lange Zeit segensreich wirkte. Dann wurde ihm das Oberrabbinat zu Bukarest übertragen. In B. befindet sich eine große israelitische Gemeinde; dort wohnensehr viele arme, aber auch viele reiche und vornehme Glaubensgenossen; diese letzteren wollten einen reformirten Gottesdienst einrichten, wogegen Malbim erfolgreich ankämpste; denn die frommen Israeliten B.'s verehrten und liebten ihren Oberrabbiner gar sehr und waren ihm in allen Stücken gehorsam. Da wandten sich seine Feinde an die Regierung und veranlaßten einen unerhörten Gewaltact. In einer Sabbatnacht wurde das Haus des Oberrabbiners von Soldaten umstellt, Malbim wurde aus dem Bette geholt, gefesselt, auf ein Schiff gebracht und nach Rustschuk geführt; hier gab man ihm die Freiheit, mit dem Bedeuten, daß er den rumänischen Boden niemals wieder betreten dürfe. Das war der erste Gewaltact gegen Juden in Rumänien, leider von schlechten Juden veranlaßt. — Einige Jahre nachher erreichte den damaligen Fürsten von Rumänien (Kusa) dasselbe Schicksal. — Malbim begab sich nach Constantinopel, um bei der hohen Pforte Beschwerde zu führen; als er dort nichts ausrichtete, ging er nach Paris, um die Hilfe der „Alliance Jsr. Univ." anzurufen. Eine Geldentschädigung, die ihm von Bukarest aus angeboten wurde, wies er zurück. — Malbim ging nun nach Luntschütz in Rußland, um im Hause des Vaters seiner zweiten Frau als Privatmann zu leben; als aber der Schwiegervater bald daraus starb, nahm Malbim die dortige Rabbinerstelle an, die er kurz nachher mit der in Eherson vertauschte. Unterdeß hatte der große Mann die Wissenschaft mit Werken bereichert, die für alle Zeiten zu den besten werden gezählt werden. Sein Commentar zum d'Jtd mm ist ein Werk von größter Bedeutung; ebenso seine Eommentarien zu sämmtlichen Propheten und Hagiographen 0"ft. Auch in Cherson gelang es seinen Feinden, den großen Mann bei der Regierung des Fanatismus anzuklagen; dann wurde er, durch Vermittelung des unvergeßlichen Rabbi Schemarjah Zuckermann