Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 40-41 (13.9.1879)
- Date
- 1879-09-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1078 uns nicht durch den Augenschein täuschen lassen. Die moderne Botanik nennt als die vorzüglichsten Pflanzen nicht die großen, mächtigen Cedern des Libanon, nicht die gewaltigen Eichen des Thüringer Waldes, nicht die uralten Stämme der amerikanischen Urwälder, auch nicht die prachtvollen Blumen und Blattpflanzen der Tropenländer, sondern die bescheidenen Hülsenfrüchte und zwar deßwegen, weil sie am meisten Nahrungsstoff enthalten'; doch wird jeder Unbefangene leicht einsehen, daß der Nahrungsstoff allein nicht das Bestimmende sein kann; es müssen verschiedene PM* mente Zusammenkommen, mehrere Factoren zusammenwirken. Sicherlich verdient die Brodfrucht vor der Hülsenfrucht den Vorzug; das gute reine Waizenbrod ist nicht allein leichter verdaulich als die f ülsenfrüchte; es bewirkt auch, bei dem innigen usammenhange unseres körperlichen Lebens mit dem geistigen, daß der Körper geeigneter ist, die Seelenfähigkeiten aufzunehmen, zu entwickeln, als irgend ein anderer Nahrungsstoff es zu thuu im Stande ist. Daher nennt uns Rabbi Jehudah als den njnn yy, als den Baum der Erkenntniß n&’n, eine Brodfrucht. Es sind aber andere Eigenschaften als die Ernährung, welche Rabbi Meir hervorhebt, indem er uns den Weinstock nennt. Sicher ist der Weinstock eine der edelsten Pflanzen; keine andere bedarf solcher Sorgfalt und Pflege, und die Frucht derselben ist lmö p-np heilig zur Lobpreisung des Herrn. Der Saft der Rebe leitet uns die Sabbate und Feiertage ein (prrp); zwei Becher Weins sind erforderlich beim Trauungsacte, ebenso bei der Befchneidung, über den Wein wird der Segen gesprochen bei der Auslösung des Erstgeborenen. „Der Wein erfreut des Menschen Herz." Aber die Pflanze selbst ist unscheinbar, unselbstständig, kein Baum, nur eine Ranke, die der Stütze bedarf. Deßhalb gibt Rabbi Nechemjah dem Feigenbäume den Vorzug, einem Baume von schöner großer Gestalt, mit herrlichen, großen Blättern, von außerordentlicher Fruchtbarkeit, der köstliche, süße Früchte trägt; in diesem Baume und seiner Frucbt verbindet sich das Angenehme, Schöne mit dem Nützlichen. Diesen drei vorzüglichen Pflanzen macht nach der Andeutung in der Uebersetzung des Onkelos das Ethrog den Rang streitig. Unsere Weisen wissen uns im Tractat Suckah von mannigfachen Vorzügen des Ethrog zu berichten. pp msi my Dyup ,-nn yy ns Der Baum (das Holz) ist ebenso schmackhaft wie die Frucht.! rutt6 napa -nn ,-nn yy ns Die Früchte bedürfen mehrere Jahre zur Reife, so daß der Baum niemals ohne Blüthen und Früchte ist; er vereinigt Frühling und Herbst, hat zu gleicher Zeit Blüthen und reife Früchte, p ppta pup pp D’o ‘pd by ,-nn yy ns D’D (vdtoQ) -nn Dieser Baum acclimatissrt sich sehr leicht und kömmt in jedem Boden fort. Diesen Bemerkungen der alten Weisen entspricht in überraschendster Weise die neueste Naturforschung. Professor Reichenbach in Dresden spricht sich folgendermaßen über diese Baumgattung aus i): „Diese Bäume scheinen mir so recht eigentlich das Ziel und der oberste Schlußstein des ganzen Pflanzenreichs zu sein; denn keine andere Gewächse enthalten im Stamm, Zweigen, Blättern, sowie in den Früchten eine solche Menge des köstlichen, ätherischen Oels*); die Blätter sind ausdauernd und immer grün; diese Bäume blühen das ganze Jahr, und ebenso sieht man an denselben, Jahr aus Jahr ein, Früchte von allen Altersklassen^); sie lassen sich ferner mit merkwürdiger Leichtigkeit überall erziehen^). Nachdem wir nun die Vorzüge des Ethrog dargelegt, wollen wir noch darauf Hinweisen, daß uns an unserm Feste das Ethrog ein Symbol fein soll; auch wir sollen, indem wir das Ethrog in die Hand nehmen, uns bestreben, ähnliche Vorzüge zu erlangen. Wie beim Ethrog pp msi asy oyö, das Holz und die Blätter wie die Früchte das köstliche, ätherische Oel enthalten, so sollen wir wissen und! erkennen, daß die Gebote, die uns Gott gegeben,! nicht bloß einen Gedankeninhalt in sich bergen, sondern daß sie auch Selbstzweck sind. Daher soll Niemand sagen, er könne z. B. der Suckah entbehren und dennoch des Aufenthaltes unserer Vater in der Wüste gedenken; er brauche die Tephilliri nicht anzulegen und könne dennoch Kopf und Hand Gott unterwerfen; denn außer dem Gedankeninhalt (der Frucht) sind die Gottesgebote an sich Werth-! Voll pP lngl 1 DJJD. Es währt drei Jahre bis das Ethrog zui 1) Vergleiche den Peiiüuench-Oomilientai' von S. R. Hirs^ (Frankfurt a. M-, Kamsmaim).