Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 39 (17.9.1879)
- Date
- 1879-09-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1063 glaublich und wir ermangelten nicht, Informationen in der Sache einzuholen. Nun, die Angelegenheit steht so, daß die Abweisung sich vorläufig nicht nur auf Juden, sondern Akatholiken überhaupt bezieht. Auf dem schwarzen Brette des genannten Institutes befindet sich nämlich folgende Kundmachung : „Am Budavester katholischen Ober- Gymnasium des fünften Bezirkes finden die Einschreibungen am 29., 30. und 31. August in folgender Ordnung statt: Am 29. und 30. werden solche mit guten Zeugnissen versehene Schüler eingeschrieben, welche bereits im vorigen Jahre Frequentanten dieses Gymnasiums waren; in die erste Klasse hingegen können an den beiden Tagen nur Schüler katholischer Confession ausgenommen werden. Am 31. August werden — insoweit in den einzelnen Klassen noch Platz sein sollte — die auswärtigen, nicht hierher zuständigen Schüler inscribirt und in die erste Klasse auch fremde Schüler anderer Confessionen ausgenommen." Man sagt, daß die Anstalt aus dem katholischen Religionsfonde erhalten werde und will mit dieser Einwendung das unqualificirbare Vorgehen motiviren. Aber abgesehen davon, daß die Frage der rechtlichen Natur dieses Mondes noch immer eine strittige und ungelöste ist, sind bei einem vom Staate verwalteten Institute derartige confessionelle Exklusivitäten geradezu unerhört. Wir wollen hoffen, daß diese Beschränkungen bereits morgen fallen gelassen werden. Serbien. Belgrad, 6. Sept. Ein Offiziöser der serbischen Regierung schreibt der „Polit. C.": Der Ministerpräsident Ristic ist nach zehntägiger Abwesenheit von hier aus Nisch zurückgekehrt. Mit Rücksicht auf die während seiner Abwesenheit von Belgrad von den oppositionellen cvaliirten Parteien entwickelte Thätigkeit, ihn zu stürzen, erklärte Ristic, daß er sich nie so fest im Sattel gefühlt habe, wie derzeit, und lange nicht daran denke, den Konservativen das Heft zu überlassen. Was die Einberufung der großen Skup sch Lina wegen defintiver Lösung der Juden frage betrifft , so ist Minister Ristic der Ansicht, daß es damit keine besondere Eile habe. Serbien überlasse in Lösung dieser Frage Rumänien den Bortritt. Sobald die Rumänen diese Frage gelöst haben, werde in Serbien die große Skupschtina einberufen und nach deren Entscheidung werde in Serbien die Judenfrage zur Befriedigung der Großmächte gelöst werden. Da die Serben in religiösen Fragen sehr tolerant seien, wäre zu erwarten, daß in die große Schkupschtina solche Männer gewählt werden dürften, die die Anträge der Regierung annehmen werden. Wenn die Konservativen und Radikalen durch die Wahlen für die große Skupschtina eine Wendung zu ihren Gunsten herbeizuführen hoffen, so wiegen sich dieselben nach der Ansicht des Ministers Ristic in einer großen Illusion. Die große Skupschnita werde nur behufs Aenderung der Staatsgrundgesetze bezüglich der Gleichberechtigung aller Konfessionen einberufen werden und außer der in dem betreffenden Einberufungs - Dekrete spezifizirten Aufgabe werde sie keine andere Angelegenheit zu berathen und zu beschließen kompetent sein. Feuilleton. per neue Hberamlmann'). Erzählung aus dem dritten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts S. K«-«, Verfasser von „Gabriel". Erstes Kapitel. Es war ein schöner warmer Julinachmittag. In dem Schloßgarten zu Brauschitz in Mähren saß unter einem Lindenbaum die hochfreiherrliche Familie Pellwald, mit ihrem Gaste, dem Pfarrer. Obenan der Chef derselben, Philipp Pellwald „der gnädige Herr Baron" oder „hochfreiherrliche Gnaden" wie er von allen seinen Unterthanen und Beamten augesprochen werden mußte. Philipp Pellwald war das Prototyp eines Hocharistokraten, und zwar eines Hocharistokraten seiner Zeit. Wir heben das mit Nachdruck hervor, weil die Gegenwart mit ihrer hohen alles durchströmenden Bildung, mit ihren veränderten, dem wahren Rechte entsprechenderen Staats formen solche Gestalten fast gar nicht mehr kennt. Pellwald war einer jener Männer, wie sie zu jener Zeit häufig unter dem Adel Vorkommen, sogar zur Regel gehörten, während jene einzelnen erleuchteten Männer dieser Kaste, welche sich an len Beispielen Friedrich des Großen und Kaiser Josef's, welcher zur Zeit unserer Erzählung 1768 in Oesterreich nur Mitregent war, ein Beispiel nahmen, in der That zu den Ausnahmen gezählt werden mußten. Baron Pellwald hielt sich, ohne die geringste Uebertreibung, wie die meisten seiner Stammgenossen, für ein Wesen weit höherer Art, als alle anderen Sraab- *) Jeder Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden, Ueberseynttgsrechte vorbeha' ten.